Krankenkassen-Boss Heinz Locher sieht rot wegen der Pläne von Gesundheitsminister Alain Berset.
play
Krankenkassen-Boss Heinz Lochers Vorwurf an Berset: «Grober Unfug». (Peter Gerber )
play
Bundesrat Alain Berset handelt.
(EQ Images)Heinz Locher (69) ist nicht irgendwer. Er ist Präsident der Allianz Schweizer Krankenversicherer, der Helsana, Sanitas und Groupe Mutuel angehören. Mächtige Kassen also.
In der «Handelszeitung» wettert der Gesundheitsökonom über «schleichende Verstaatlichung» im Gesundheitswesen, «zunehmenden Totalitarismus», der eine «akute Gefahr» sei. Den Kassen drohe Enteignung, so Locher, und zog einen Vergleich mit «Hugo Chávez in Venezuela», dem Marxisten.
Lochers Feind Nummer 1, das wird deutlich, ist für ihn Gesundheitsminister Alain Berset (40, SP). Der von Berset geprägte bundesrätliche Gegenvorschlag zur Einheitskasse sei eine «gefährliche Mogelpackung». Die Idee darin, für Hochkostenfälle eine Rückversicherung zu schaffen, sei «die Vorhölle». Die Trennung von Grund- und Zusatzversicherung sei «grober Unfug», schimpft Locher.
Gesundheitspolitiker und SP-Nationalrat Jean-François Steiert, ein Vertrauter Bersets, reibt sich die Augen. «Das ist hochgradig unseriös. Wer so unter der Gürtellinie attackiert, den kann man in der politischen Diskussion nicht mehr ernst nehmen», sagt Steiert. «Auch von Versicherern darf erwartet werden, dass sie konstruktiv zu Lösungen beitragen.»
Aber Lochers Tirade zeigt, dass sich Berset im Kampf für tiefere Prämien besser ganz warm anzieht: Für die Kassen geht es ums Eingemachte.
Lochers Vergleiche entsprächen «nicht unbedingt meinen Geschmack», sagt Christoph Meier, Direktor von Santésuisse, dem anderen Kassenverband. Aber auch er kritisiert: «Die Rückversicherung und Trennung von Grund- und Zusatzversicherung haben nur Nachteile: Sie machen alles komplizierter, teurer und rauben den Versicherten die Wahlfreiheit.»
Für Patientenvertreter Steiert ist dagegen klar: «Die Kassen sind auf Polarisierung aus. Dass sie die Trennung von Grund- und Zusatzversicherung so vehement bekämpfen, zeigt ihre finanziellen Interessen: Sie wollen weiterhin intransparent zwischen den zwei Geschäftsbereichen hin- und heroperieren.»
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (36)