Mehr Leistungsdruck für die Kleinsten Zuger SVP will Schulnoten für Erstklässler

ZUG - Brisanter SVP-Vorschlag in Zug: Bereits Erstklässler sollen Schulnoten von 1 bis 6 erhalten. Bildungspolitiker reagieren emotional, aber unterschiedlich.

  • Publiziert: 03.02.2012
  • Von Christof Vuille
play Schon die Kleinsten sollen mit Schulnoten beurteilt werden. Nicht alle finden das eine gute Idee. (sda)
play SP-Nationalrat Matthias Aebischer steht dem SVP-Vorhaben kritisch gegenüber. (SRF)

Das schweizerische Bildungssystem ist nach wie vor stark kantonal geprägt. Im Kanton Zug erhalten die Schüler Noten erst ab der vierten Klasse. Die Jüngeren kriegen stärker individualisierte Beurteilungen. Das will die SVP mit einer Verfassungsinitative radikal ändern.

Thomas Wyss, Kampagnenleiter der Zuger SVP,  ist der Meinung, dass ein Notenobligatorium für die ganze Schulzeit gelten sollte. «Und die beginnt nun mal mit der Einschulung.»

Mit Schulexperimenten soll Schluss sein, fordert die SVP Zug. «Die Leute haben genug von Versuchen. Ich glaube, sowohl Kinder, Eltern und auch Lehrer würden sich über eine klare Regelung bezüglich Noten freuen.»

Blick.ch hat bei Mitgliedern der Nationalratskommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) nachgefragt, ob der Vorschlag etwas tauge.

SVP-Freysinger: «Bin wegen Noten nicht psychisch geschädigt»

Zuspruch erhält die Zuger SVP von Nationalrat und Gymnasiallehrer Oskar Freysinger (VS). «Notengebung schafft Objektivität. Bei in Worten gefassten Beurteilungen spielen Sympathie und Antipathie eine zu wichtige Rolle.» 

Er habe selbst auch bereits ab Einschulung Noten erhalten und sei deswegen psychisch nicht geschädigt worden.

«Die Kinder sollen sehen, dass Arbeit zu Resultaten führt, die sich dann in Form eines Fünfers oder Sechsers auf dem Papier manifestieren.» Oskar Freysinger (SVP/VS)

Aber grundsätzlich werde die Bedeutung von Noten überschätzt. «Die sind nicht lebensentscheidend. Heute gibt es viele Möglichkeiten, die schwächere Schüler nutzen können.» Konkret denke er an die «Passerelle».

Matthias Aebischer sieht Probleme anderswo

SP-Bildungspolitiker und Ex-TV-Moderator Matthias Aebischer war selbst Lehrer. Die SVP-Initiative erachtet er als Versuch, in  der Bildungspolitik endlich mitreden zu können. «Ob Erstklässler mit Smilies oder mit Noten beurteilt werden, ist nun wirklich nicht der entscheidende Punkt im Bildungswesen.»

Die Initiative ziele völlig an den echten Problemen der Schule vorbei. Seiner Meinung nach müsste der Lehrerberuf wieder aufgewertet werden. «In den letzten 20 Jahren hat der kaufkraftbereinigte Lohn für Lehrer im Kanton Bern zum Beispiel um rund 20 Prozent abgenommen», sagt er.

Forderung: «Mehr Lohn für Lehrer»

Neben dem Unterricht müssten Lehrer immer mehr Zusatzaufgaben ausserhalb der Schulstube wahrnehmen, beobachtet Aebischer. Seine Forderung: «Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr Ressourcen und auch einen der Arbeit entsprechenden Lohn.»

Den SVP-Vorschlag würde der Berner ablehnen, wenn er darüber befinden könnte. Gleichzeitig sagt er aber auch: «Irgendwann ist es vorbei mit der Schonzeit. Es darf schon nicht sein, dass ein Schulabgänger nur ‹Sünnelis› und ‹Smilies› im Abschlusszeugnis stehen hat.»

WBK-Präsident unterstützt SVP-Initiative

Präsident der WBK ist Christian Wasserfallen (FDP/BE). Er unterstützt den SVP-Vorschlag: «‹Sünnelis› sind ja ‹härzig›, aber am Ende des Tages müssen die Betroffenen wissen, wo der Schüler steht. Noten schaffen Transparenz, Objektivität und Vergleichbarkeit.»

Er wünscht sich generell eine frühere Selektion der Kinder. «Dadurch können schwache und starke Schüler gezielter gefördert werden als in einer Regelklasse.» Die Durchlässigkeit müsse aber erhalten bleiben.

Die Zuger Bevölkerung kann am 11. März über das Begehren und eine ähnliche Initiative (Noten ab der 2. Klasse) auf Gesetzesebene abstimmen. Kantonsrat, Regierung und Schulpräsidenten empfehlen die Initiativen deutlich zur Ablehnung.

Kommentare (37)

  • Karin  Müller , Cham
    Ich unterstütze diese Verfassungsinitiative voll und ganz. Ich bekam auch Noten ab der 1. Klasse.. Heute kriegen die Kinder in Zug erst ab der 4. Klasse Noten. Das ist nur 1 Jahr vor dem ersten Orientierungsgespräch mit den Eltern für den Übertritt in die Oberstufe!
    • 04.02.2012
    • 0 Gefällt mir
  • Susanne  Moor-Isch
    Primarschüler können mit den "komischen" Berichten NICHTS anfangen. Gute und sehr gute Schüler messen sich gerne und können sich mit Noten viel besser einschätzen.Nur schlechten Primarschülern wird etwas vorgegaukelt, anstatt sie ehrlich beim Manko abzuholen und speziel zu fördern. Die Kinder merken schnell, welche Schüler besser oder schlechter sind. Diese ewige Gleichmacherei der Linken und Netten funktioniert eh NIE. Es gibt Unterschiede und sehr gute Schüler haben das recht SUPER zu sein und darauf stolz zu sein.
    • 03.02.2012
    • 0 Gefällt mir
  • Hans  Ehrismann , Sigriswil
    Herr Tobi Globi Basel sie haben um Antwort gebeten. Sehr gerne. Sie haben geschrieben das die SVP untergehen soll oder so ähnlich. Weil sie bestimmt nicht ihre Meinung vertritt. Wollen sie das alles untergeht das nicht nach ihrem Gusto ist? Es kommt auf jeden Fall so hinüber. Darum meine Frage. Wünschen sie Schüler die nicht auf ihrer Linie sind auch " zum Teufel" .Ja das hat schon mit Demokratie zu tun. Andere Meinungen muss man nicht teilen aber respektieren und das machen sie definitiv nicht.
    Ob man Schüler benotet mit konkreten Zahlen oder einen Lehrnbericht schreibt, darüber können wir Diskutieren.
    • 03.02.2012
    • 0 Gefällt mir
  • Peter  Stoffel , Rorschach
    Wer hat eigentlich die Schnapsidee gehabt, Noten in der Primarstufe abzuschaffen? Mit Leistungsdruck hat eine Benotung nun wirklich nichts zu tun, eher mit Ansporn, bessere Leistungen zu erbringen.
    • 03.02.2012
    • 1 Gefällt mir
  • Frank  Bussmann , Solothurn
    Ich wage sogar zu behaupten, dass Noten und ein angemessener Leistungsdruck zu MEHR Chancengleichheit führen als der Status Quo. Auch wer nicht im Lehrberuf tätig ist, hat es bereits als Schüler erlebt, dass diejenigen, die nicht eben die ganz grossen Leuchten waren, dies mit etwas mehr Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen wettmachen konnten. Andere, die bis zum Abschluss der Mittelschule alles gleichsam aus dem Ärmel schütteln und sich also ein Minimalisten-Dasein leisten konnten, mussten spätestens an der Uni einsehen, dass es ohne Lernen nicht mehr geht z.B. das grosse Latinum in eineinhalb Jahren nachholen.
    • 03.02.2012
    • 0 Gefällt mir
Seite 1 2 3 4 5 »
Seitenanfang

Top 3

1 Gemeinsames Sorgerecht Sommaruga gibt wütenden Vätern nachbullet
2 Heisses Spiel von Didier Burkhalter Treibt uns Computer-Krieg in die Nato?bullet
3 Unerwünscher Alt Bundesrat Gruyère-Vereinigung wirft Deiss rausbullet

Politik

Was sagen Sie zu Schulnoten ab der ersten Klasse?»