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Schon die Kleinsten sollen mit Schulnoten beurteilt werden. Nicht alle finden das eine gute Idee. (sda)
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SP-Nationalrat Matthias Aebischer steht dem SVP-Vorhaben kritisch gegenüber. (SRF)
Das schweizerische Bildungssystem ist nach wie vor stark kantonal geprägt. Im Kanton Zug erhalten die Schüler Noten erst ab der vierten Klasse. Die Jüngeren kriegen stärker individualisierte Beurteilungen. Das will die SVP mit einer Verfassungsinitative radikal ändern.
Thomas Wyss, Kampagnenleiter der Zuger SVP, ist der Meinung, dass ein Notenobligatorium für die ganze Schulzeit gelten sollte. «Und die beginnt nun mal mit der Einschulung.»
Mit Schulexperimenten soll Schluss sein, fordert die SVP Zug. «Die Leute haben genug von Versuchen. Ich glaube, sowohl Kinder, Eltern und auch Lehrer würden sich über eine klare Regelung bezüglich Noten freuen.»
Blick.ch hat bei Mitgliedern der Nationalratskommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) nachgefragt, ob der Vorschlag etwas tauge.
SVP-Freysinger: «Bin wegen Noten nicht psychisch geschädigt»
Zuspruch erhält die Zuger SVP von Nationalrat und Gymnasiallehrer Oskar Freysinger (VS). «Notengebung schafft Objektivität. Bei in Worten gefassten Beurteilungen spielen Sympathie und Antipathie eine zu wichtige Rolle.»
Er habe selbst auch bereits ab Einschulung Noten erhalten und sei deswegen psychisch nicht geschädigt worden.
«Die Kinder sollen sehen, dass Arbeit zu Resultaten führt, die sich dann in Form eines Fünfers oder Sechsers auf dem Papier manifestieren.» Oskar Freysinger (SVP/VS)
Aber grundsätzlich werde die Bedeutung von Noten überschätzt. «Die sind nicht lebensentscheidend. Heute gibt es viele Möglichkeiten, die schwächere Schüler nutzen können.» Konkret denke er an die «Passerelle».
Matthias Aebischer sieht Probleme anderswo
SP-Bildungspolitiker und Ex-TV-Moderator Matthias Aebischer war selbst Lehrer. Die SVP-Initiative erachtet er als Versuch, in der Bildungspolitik endlich mitreden zu können. «Ob Erstklässler mit Smilies oder mit Noten beurteilt werden, ist nun wirklich nicht der entscheidende Punkt im Bildungswesen.»
Die Initiative ziele völlig an den echten Problemen der Schule vorbei. Seiner Meinung nach müsste der Lehrerberuf wieder aufgewertet werden. «In den letzten 20 Jahren hat der kaufkraftbereinigte Lohn für Lehrer im Kanton Bern zum Beispiel um rund 20 Prozent abgenommen», sagt er.
Forderung: «Mehr Lohn für Lehrer»
Neben dem Unterricht müssten Lehrer immer mehr Zusatzaufgaben ausserhalb der Schulstube wahrnehmen, beobachtet Aebischer. Seine Forderung: «Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr Ressourcen und auch einen der Arbeit entsprechenden Lohn.»
Den SVP-Vorschlag würde der Berner ablehnen, wenn er darüber befinden könnte. Gleichzeitig sagt er aber auch: «Irgendwann ist es vorbei mit der Schonzeit. Es darf schon nicht sein, dass ein Schulabgänger nur ‹Sünnelis› und ‹Smilies› im Abschlusszeugnis stehen hat.»
WBK-Präsident unterstützt SVP-Initiative
Präsident der WBK ist Christian Wasserfallen (FDP/BE). Er unterstützt den SVP-Vorschlag: «‹Sünnelis› sind ja ‹härzig›, aber am Ende des Tages müssen die Betroffenen wissen, wo der Schüler steht. Noten schaffen Transparenz, Objektivität und Vergleichbarkeit.»
Er wünscht sich generell eine frühere Selektion der Kinder. «Dadurch können schwache und starke Schüler gezielter gefördert werden als in einer Regelklasse.» Die Durchlässigkeit müsse aber erhalten bleiben.
Die Zuger Bevölkerung kann am 11. März über das Begehren und eine ähnliche Initiative (Noten ab der 2. Klasse) auf Gesetzesebene abstimmen. Kantonsrat, Regierung und Schulpräsidenten empfehlen die Initiativen deutlich zur Ablehnung.
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