Zürcher Polizeivorsteher Wolff über Befangenheit in Sachen Koch-Areal «Es ist schwer für meine Söhne»

ZÜRICH - Letzte Woche gab der Zürcher Stadttrat bekannt, dass Polizeidirektor Richard Wolff das Dossier in Sachen besetztes Koch-Areal abgibt. In einem Interview erklärt Wolff den Schritt, gibt vor allem aber auch Einblick in sein Gefühlsleben.

Koch-Areal Zürich: Stadtrat Richard Wolff erklärt Dossier-Abgabe play
Stadtrat Richard Wolff, der die Verantwortung über das besetzte Koch-Areal abgeben musste, lässt in einem Interview Einblicke in sein Gefühlsleben zu: «Es ist hart, auch von links kritisiert zu werden.» WALTER BIERI

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Sicherheitsvorsteher Richard Wolff sitzt als Vertreter der Linksalternativen in der Zürcher Stadtregierung. Am Donnerstag musste er die Verantwortung für das besetzte Koch-Areal abgeben. Dies, weil er befangen sei, da seine Söhne auf dem ehemaligen Fabrikareal verkehrten. Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» erklärt Wolff, weshalb es erst drei Jahre nach seiner Wahl zu diesem Schritt kam und wie sich die Arbeit in der Stadtexekutive anfühlt. Dabei gewährt er auch Einblick in sein Gefühlsleben.

Auf die Frage, wie seine Söhne die Situation erlebten antwortet Wolff sehr einsilbig, aber auch sehr deutlich: «Es ist sicher schwer für sie. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.» Offenbar ist die Situation für Wolff auch sonst kein Zuckerschlecken im Stadtrat: «Salopp könnte man sagen, wenn man von ganz rechts und ganz links kritisiert wird, ist man gut unterwegs. Auf der anderen Seite ist es hart, auch von links kritisiert zu werden. Das tut manchmal weh.» Viele Linke wollten nicht verstehen, dass er im Namen eines Kollegiums handle und im Sinne der Allgemeinheit. «Ich bin Stadtrat für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Aber mit Kritik muss man leben. Ich würde gerne von allen geliebt werden, aber das geht nicht», sagt Wolff weiter.

Wolff hat sich erst jetzt über Gesetzeslage informiert

Auf die Frage, warum er nicht schon 2013, als er schriftlich von Stadtpräsidentin Corine Mauch gefragt wurde, die Befangenheit eingesehen habe, sagt Wolff: «Als ich ihren Brief bekam, hatte ich ganz andere Sorgen als das Koch-Areal.» Zudem hätte er sich nicht damit befasst, was der juristische Begriff der Befangenheit genau bedeutet. «Erst vor zwei Wochen, als die Stadtpräsidentin mich nochmals darauf angesprochen hat, habe ich mir das Gesetz und die Kommentare dazu genau angeschaut und realisiert, dass allein der Anschein von Befangenheit genügt.»

Gleichzeitig weist Wolff aber auch daraufhin, dass er als Vertreter der besetzerfreundlichen Partei AL («Alternative Liste») gewählt worden sei. Und: «Wir haben seit 1989 eine klare Hausbesetzerpolitik, die auf Dialog statt Repression setzt. Man kann natürlich nicht Besetzungen tolerieren und gleichzeitig alles und jedes regeln.»

Auf die Frage, warum für Besetzer andere Regeln gelten als für alle anderen Bürger sollten, antwortet Wolff: «Es gelten nicht andere Regeln, aber es gibt eine gewisse, politisch gewollte Zurückhaltung Besetzern gegenüber, die natürlich jedem Rechtstheoretiker wehtut.» Die Stadt Zürich habe diese Politik der Toleranz Ende der Achtzigerjahre entwickelt, weil man damals gelernt habe: Repression erzeugt Gegenrepression. Für Wolff ist klar: «Man will nicht wieder hinein in diese Gewaltspirale.» (hlm)

Publiziert am 30.10.2016 | Aktualisiert am 10.11.2016
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32 Kommentare
  • Dani  Rosso 31.10.2016
    In St. Gallen wird nach einem Fest über Rücktritte etc. gesprochen... Schutz des Rechtsstaates etc... "Repression erzeugt Gegenrepression. Für Wolff ist klar: «Man will nicht wieder hinein in diese Gewaltspirale.» Aha Links ist also Gewalttätig... gut zu Wissen...Super guter Grund der wohl nur bei den Linken zur Anwendung kommt.
  • Urs  Hagen 31.10.2016
    Behörden, Regierungen sind der Gipfel der Bevölkerung. Wie bei den Bergen, der Schnee ja sogar das ewige Eis, sie schmelzen eines Tages und gehen den Bach runter, so weit dass sie den Weg zum Berg nie mehr finden. Braucht ein Berg Schnee und Eis?
  • Hermann  Dornauer aus Bishkek
    31.10.2016
    Herr Wolff, Ihre Söhne in Ehren aber haben Sie vielleicht auch nur einen Moment darüber nachgedacht wie sich der Stimmbürger und Steuerzahler fühlt. Ehrlich gesagt, ziemlich mies fühlt er sich ob der Argumentation. Sie haben einen Auftrag und gesetzliche Vorgaben, da dürfen die Familienbande keine Rolle spielen.
  • Gian  Schumacher aus Köniz
    31.10.2016
    es ist schwer für die Nachbarn von Wolffs Super Söhnen, Die haben es drauf wie man wie man arbeitende Leute schikaniert. Das ist in Zürich "sozial".
  • Shovel  Wally 31.10.2016
    In der Stadt ZH normal und in dieser Gesinnung nachvollziehbar, ausserhalb diesem politischen Verantwortungbereich einfach lachhaft und an Abstrusität nicht zu überbieten. Die Stadt verdient das was die Bürger an der Urne wählen.