Jäten als Kernkomptenz? Wofür braucht die Armee mehr Geld?

  • Publiziert: 26.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

BERN – Jätende Panzersappeure, fliegende Jungschützen, Luxuswohnungen für Attachés. Das VBS wirft weiter Geld zum Fenster raus.

Jährlich 500 Mio. Franken mehr für die Armee. Das forderte Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP). Armeechef André Blattmann toppt ihn sogar noch: 725 Millionen mehr fordert er im «Sonntag».
Wer hat noch nicht, wer will noch mehr?

Dabei verschleudern die Generäle weiterhin Millionen.

Luxus für Attachés: Geklotzt wird im VBS bei den Dienstwohnungen der Verteidigungsattachés. Laut «NZZ am Sonntag» kostet allein die Dienstwohnung des Attachés in London 17500 Franken pro Monat.

Freiflüge für Jungschützen: Eben kamen erneut fünf Bündner Junioren in den Genuss eines Gratis-Alpenrundflugs im VIP-Superpuma. Kosten pro Flugstunde: 10500 Franken. Für drei der Fluggäste war es schon der zweite VBS-Belohnungsflug im Jahr 2009! «Hier ist alles falsch», sagt Sicherheitspolitiker Jo Lang (Grüne): «Verschleuderung von Steuergeldern, Verschmutzung der Luft, Verfilzung von Schützenlobby und Armee.»

Sportschützen im VBS-Sold: Schiesssportler werden als Zeitsoldaten angestellt und so gesponsert. Eben wurden die ausgelaufenen 50-Prozent-Verträge von fünf Schützen bis Mitte 2010 verlängert.

Jätende Panzersappeure: Ende Oktober treten zehn Panzersappeur-Rekruten in Glarus zum Jäten an. Befreien laut «Südostschweiz» eine Burgruine «von Gestrüpp und Schutt». Für den Bund entstünden keine Kosten, beschwichtigt das VBS. Und: Die Arbeiten erfolgten im «Rahmen der Kernkompetenz» der Sappeure. – Jäten als Kernkompetenz? Gleichzeitig fehlt der Armee Geld für Benzin oder Reparaturen.

«Es gibt Verbesserungspotenzial», sagt CVP-Nationalrat Jakob Büchler, Vize der Sicherheitskommission. Dringend müsse Maurer etwa hinter den «Abbau der Überbestände»: Die Armee leistet viel zu viele Diensttage. Soldaten, die ausgemustert sein sollten, werden nach wie vor aufgeboten. «Das führt zu Kosten und Platzproblemen», sagt Büchler.

Daneben gibt es Altlasten, auf die Maurer immer wieder hinweist. Hunderte von Millionen habe die Armee bei der Informatik verschleudert, sagte er im SonntagsBlick. Sie hat Tausende von häufig unnötigen Software-Applikationen. BLICK weiss: Das VBS beschäftigt offiziell allein 460 Leute im Bereich Informatik. Inoffiziell ist gar von über 700 VBS-Informatikern die Rede.

Die beste Retro-Armee der Welt

Kommentar

Verteidigungsminister Ueli Maurer zeigt Mut. Er scheut sich nicht, Tabuthemen aufzugreifen: Brauchen wir jetzt neue Kampfflugzeuge? Brauchen wir noch so viele Panzer? Und er benennt immer wieder offen Fehlentwicklungen. Zum Beispiel, dass die Armee Millionen und Abermillionen von Steuergeldern in sinnlose Informatikprojekte butterte.

Aber leider bleibt es bisher bei den guten Ansätzen. Lösungen liefert Maurer noch kaum. Stattdessen fordert er mehr Geld für die Armee. Für die Armee, die, wie er selbst sagt, Millionen verschleudert.

Dabei müsste Maurer zur Wurzelbehandlung übergehen. Untersuchen lassen, warum es zu den Fehlern kam. Aufzeigen, wer verantwortlich ist. Sonst wird noch mehr Geld in die Misswirtschaft investiert.