Wirrer Auftritt des Bundespräsidenten im Ständerat Sorge um Schneider-Ammann!

Der Bundespräsident ist müde und zerstreut. Politiker spekulieren über die angeschlagene Gesundheit und einen baldigen Rücktritt. Schneider-Ammann selbst sagt, er sei gesund und voller Engagement.

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Dienstagmorgen im Ständeratssaal: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann (FDP) spricht zum Entsendegesetz – und schockiert viele Ständeräte. Obwohl die behäbige Art und die rhetorische Schwäche des Wirtschafts­ministers allseits bekannt sind, fällt dieser Auftritt aus dem Raster.

Völlig lethargisch stammelt Schneider-Ammann teils zusammenhanglose Sätze. Hat immer wieder Blackouts. Unterbricht mehrmals für mehrere Sekunden. Spielt nachdenklich mit seiner Brille. Verliert den Faden. Sein dutzendfach propagiertes «Erfolgs-Dreieck» – bestehend aus dualer Bildung, liberalem Arbeitsmarkt und einer intakten Sozialpartnerschaft – ist plötzlich eine «Pyra­mide». Betretenes Schweigen im Stöckli.

«Mache mir Sorgen»

Der Schwyzer SVP-Ständerat Peter Föhn sagt zu BLICK, der Bundespräsident wirke «sehr erschöpft», das Präsi­dialjahr beanspruche ihn offenbar sehr. «Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, aber er muss selbst wissen, wie er damit umgehen will.»

Andrea Caroni (FDP/AR) sieht das Ganze nicht so dramatisch. «Am Abend nach dem Vorfall im Ständerat habe ich den Bundespräsidenten an einem Wirtschaftsanlass in Zürich in absoluter Hochform erlebt.» Er habe das Publikum «mit träfen Bonmots und erhellenden Anekdoten» gefesselt. Mehr will er zum Thema nicht sagen.

Hinter vorgehaltener Hand spekulieren Ständeräte aller Parteien über die Müdigkeit und die womöglich angeschlagene Gesundheit des Berners. Spätestens nachdem am Mittwoch der Walliser «Nouvelliste» und das welsche ­Radio RTS Schneider-Ammanns Gesundheitszustand thematisiert hatten, war dieser das Thema Nummer eins im Bundeshaus-Café, wie ein Parlamentarier sagt.

Manche Politiker erzählen von Krankheitsgerüchten, andere glauben, der Magistrat sei schlicht müde gewesen. Letzteres ist augenscheinlich. Und auch verständlich. Neben all den Terminen in der Schweiz reiste der bald 65-Jährige bereits in über ein Dutzend Länder und flog dadurch zweieinhalb mal um die Erde. So litt er dauernd an Jetlag. «Er nimmt sein Amt überaus ernst und gönnt sich womöglich zu selten ein Time-out», sagt ein CVP-Ständerat.

Kurzfristig abgesagt hat der Bundespräsident jedoch die Reise nach Abu Dhabi. Dort hätte er mitten in der Nacht bei fast 40 Grad und extremer Luftfeuchtigkeit die Solar Impulse empfangen sollen. Dass Vize-Bundespräsidentin Doris Leuthard ihn vertrat, wurde mit Terminkollisionen begründet.

Doch auch in Bern ist Johann Schneider-Ammann gefordert – manche meinen, er sei überfordert. «In der Kommission bittet er jeweils darum, nur drei Fragen am Stück beantworten zu müssen, bei anderen Bundesräten sind es doppelt so viele», sagt ein Parlamen­tarier.

Rücktritt auf Ende des Präsidialjahres?

Schneider-Ammanns Pressechef Noé Blancpain beschwichtigt. Der Wirtschaftsminister habe im Sommer nach einem Rippenbruch einen hartnäckigen Husten gehabt. Aufgrund der dichten Agenda und der Auslandreisen auch während der Sommerferien habe es lange gedauert, bis dieser Husten auskuriert gewesen sei. «Die lange Rekonvaleszenz bringt auch eine gewisse Müdigkeit mit sich, wie dies am Dienstag der Fall war», sagt Blancpain. Der Bundespräsident sei gesund und arbeite mit grösstem Engagement und Freude: «Ein Rücktritt auf Ende Jahr ist überhaupt kein Thema.»

Dennoch, die Spekulationen verleihen jenen Strategen Auftrieb, die mit einem baldigen Rücktritt des FDP-Magistraten rechnen. Gemäss BLICK-Informationen plant etwa die SP schon die nächste Bundesratswahl und sondiert, wen sie als Nachfolger wählen würde. Tatsächlich könnte Schneider-Ammann mit dem Erreichen des Pensionsalters im Februar auf dem Höhepunkt seiner politischen Kar­riere abtreten. Ständerat Föhn rechnet damit: «Mir kommt er hin und wieder wie ein Mitarbeiter vor, der innerlich schon gekündigt hat.»

Publiziert am 17.09.2016 | Aktualisiert am 17.09.2016
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81 Kommentare
  • Roland  Wyler 18.09.2016
    ich würde mich nicht wundern, wenn in 3jahren gemeldet wird, er sei an alzheimer erkrankt. ich wünsche ihm das nicht aber schlimm genug wäre es allemal
  • Ruedi  Hess aus Willisau
    18.09.2016
    Gerade Schneider Ammann und seine Freimaurer FDP sind es ja, die uns Bürger und Arbeitnehmer ständig kritisierten, wir müssten, um im internationalen Vergleich mithalten zu können, immer noch mehr Leistung erbringen. Denn die Globalisierung ist bei den Freiheitlichen ein sakrosanktes Thema und unumgänglich. Aber das schlimmste kommt noch: TTIP und CETA wurden hinter verschlossenen Türen an Dresdens Bilderberg Konferenz durch seine Parteikollegin Christa Markwalder bereits beschlossen.
  • Dettwiler   Silvia 17.09.2016
    Es tut mir leid,dass Hr,Schneider nicht merkt, dass die Zeit gekommen ist zurückzutreten.Die Schweiz braucht gesunde Vertreter bei diesen komplexen Problemen die wir haben.Das Pensionsalter 68 ist utopisch,vereinzelt gibt es Menschen die in diesem Alter noch mithalten können die meisten werden bei Schwäche schon ab 50 wegrationalisiert und um ihre Altersversorgung und um ihr Eigentum gebracht. Dies ist sicher bei einem Magistraten nicht so die fallen weich da wird höchstens das Egp abgekratzt.
  • .  Nils aus Buchs
    17.09.2016
    So ein Zustand tut mir ehrlich leid. In der privaten Wirtschaft kann man sich einen solchen Zustand in der Schweiz nur gerade mal null mal leisten, denn ab dem ersten Mal wird man in der Regel bereits gekündigt. Deswegen putschen sich die Arbeiter in der Schweiz auf, wenn es ihnen nur annähernd schlecht geht. Anders sind die Staatlichen, da wird so etwas noch toleriert, was auch so sein sollte.
  • Hugo  Stettler aus Suhr
    17.09.2016
    Vor Jahren lieber Hannes warst du der Überzeugung, deine Kräfte der Eidgenossenschaft einzubringen wäre deine Pflicht. Danke für deinen Einsatz. Aber deine jetztige Pflicht ist, in Anbetracht der Umstände, im Interesse der Eidgenossenschaft dein Amt jetzt rasch zur Verfügung zu stellen.