Initiative heute lanciert Wird die Todesstrafe wegen diesem Rocker eingeführt?

  • Publiziert: 24.08.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Mario Gertschen

KRIENS - LU - Am 14. April 2009 findet die Polizei die 28-jährige Sou Ken T.* tot in ihrer Wohnung. Ermordet – vermutlich von ihrem Freund. Was hat dieser Fall mit der Todesstrafen-Initiative zu tun?

Heute startet die Unterschriftensammlung für die Initiative zur Einführung der Todesstrafe in der Schweiz. Die Bundeskanzlei konnte keine formalen Hindernisse feststellen. Das Komitee fordert die Todesstrafe für Personen, die «in Kombination mit einer sexuellen Handlung mit einem Kind, sexueller Nötigung oder Vergewaltigung eine vorsätzliche Tötung oder einen Mord begehen».

Doch was bringt Menschen dazu, die Todesstrafe wieder einführen zu wollen? Marcel Graf ist der Kopf der Initiative. Er gab gegenüber der «NZZ» an, dass ein Kapitalverbrechen in seinem persönlichen Umfeld Grund dafür sei.

Brachte ihn der Hass auf den mutmasslichen Mörder seiner Schwägerin zur Lancierung der Initiative? Fakt ist, dass zum Initiativ-Komitee Grafs Frau und deren Familie gehören, die denselben Nachnamen wie die 2009 ermordete Sou Ken T.* (28) tragen.

Verletzungen deuten auf Gewaltverbrechen hin

Der Fall: Die junge aus Kambodscha stammende Frau wurde im vergangen April ermordet in ihrer Wohnung gefunden. Hauptverdächtiger: ihr Freund D.A.* (48).

Nachbarn wollen gehört haben, wie sich das Paar heftig gestritten hat. Das Gesicht des 48-Jährigen wies erhebliche Kratzspuren auf. Und zur Todesart von Sou Ken sagt die Polizei: «Sie wurde nicht erschossen oder erstochen, aber die Verletzungen deuten klar auf ein Gewaltverbrechen hin.»

Die beiden waren seit zwei Jahren ein Paar. Kurz vor dem Mord, soll Sou Ken ihren Freund aus der gemeinsamen Wohnung geworfen haben. Die Trennung habe dem Musiker D.A.* so zugesetzt, dass er sich den eintätowierten Namen von Sou Ken aus dem Arm geschnitten habe, berichtete ein Freund.

Geständnis zurückgezogen

Der 48-Jährige gestand zuerst die Tat. Zog dann aber das Geständnis wieder zurück. Er könne sich nicht erinnern, was in der Tatnacht passiert sei. Das Verfahren gegen ihn läuft noch immer.

Marcel Graf will sich gegenüber Blick.ch bisher nicht zu den Gründen für die Initiative zur Weiderinführung der Todesstrafe äussern.

Auf der Homepage der Initiative lässt er verlauten: «Die Initiative ist die Antwort auf alle Verbrechen, die einem Menschen das Leben und dessen Würde durch unvorstellbare und grausame Handlungen entreissen. Die Todesstrafe ist in solchen Fällen eine tragische aber letztendlich logische und konsequente Massnahme. Geben wir den Opfern einen Teil Ihrer Würde zurück und ermöglichen den Hinterbliebenen einen Neuanfang.»

Der Inhalt der Initiative wird erst nach einem allfälligen Zustandekommen der 100000 Unterschriften geprüft. Den Entscheid über die Gültigkeit des Volksbegehrens trifft das Parlament.

*Namen der Redaktion bekannt

play Der Musiker D.A.* wird verdächtigt seine Freundin Sou Ken ermordet zu haben. (ZVG)