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Stress: Der Bundespräsident steht von allen Seiten unter schwerem Beschuss. (Reuters)
Heute zwischen 13.05 und 15.15 Uhr starten vier Linienmaschinen von Tripolis nach Europa. In einer von ihnen könnten die beiden Schweizer sitzen, die das libysche Regime seit über einem Jahr als Geiseln festhält.
«Bis Sonntag sollten alle Formalitäten erledigt sein», bestätigt eine gut informierte Quelle gegenüber SonntagsBlick. Der Mann hat beste Kontakte ins libysche Aussenministerium. Erlöst wäre dann auch die dritte Schweizer Geisel: Bundespräsident Hans-Rudolf Merz. Seit zehn Tagen ist er am Gängelband des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi.
Vor zehn Tagen kehrte der 66-jährige FDP-Bundesrat aus Tripolis zurück, ohne die Geiseln. Er hatte sich – gegen die Vorgaben des Gesamtbundesrats – bei den Libyern offiziell für die Verhaftung des Diktatorensohns Hannibal Gaddafi am 15. Juli 2008 entschuldigt. Und er hatte einen bilateralen Vertrag unterzeichnet, der die Einsetzung eines Schiedsgerichts über diese Ereignisse vorsieht. Nach der Entschuldigung können die Libyer laut Beobachtern damit rechnen, in den wesentlichen Beschwerdepunkten recht zu bekommen.
Wie schwer die Situation auf ihm lastet, ist Merz seit Ausbruch der Libyen-Krise deutlich anzusehen: Das hagere Gesicht ist noch angespannter als sonst. An möglichen Kritikern hastet der sonst so joviale Bundespräsident mit gesenktem Kopf vorbei. Am Donnerstag leistete er sich gar einen diplomatischen Fauxpas, als er nicht zur gemeinsamen Pressekonferenz mit der französischen Wirtschaftsministerin Christine Lagarde erschien. Dass seine Nerven zum Zerreissen gespannt sind, beobachteten auch die Teilnehmer der Von-Wattenwyl-Gespräche am Freitag. Der Bundesrat, heisst es, reagiere zurzeit sehr nervös».
Das ist verständlich. Denn die politische Aufarbeitung des Tripolis-Debakels steht noch an. Zwar gehen alle davon aus, dass die Geiseln zurückkehren werden. Sicher ist aber auch, dass der Bundespräsident diese Rückkehr nicht mehr als Triumph feiern kann – zu sehr hat er sich in den letzten zehn Tagen blamiert. So schickte er ohne fixe Zusagen den Bundesratsjet in die Wüste; zurück kam dieser nur mit dem Gepäck der Geiseln, was Merz als Zwischenerfolg darstellte.
Sieger nach Punkten ist schon jetzt Gaddafi. Die Genugtuung, dass die Schweizer zu Kreuze gekrochen sind, kommt rechtzeitig zum 40-jährigen Putschjubiläum. Im Rahmen der Feierlichkeiten, zu denen die Schweiz nicht eingeladen ist, will der Diktator eine Reihe von «Kleinverbrechern» begnadigen. Zu ihnen zählen auch die beiden wegen angeblicher Visaverstösse festgehaltenen Schweizer.
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Spielt mit Bundespräsident Hans-Rudolf Merz Katz und Maus: Muammar al-Gaddafi (Reuters)