Umfrage zum Datenklau: Gereizte Stimmung am Paradeplatz «Wir schicken Merkel 500 Arbeitslose zurück»

  • Publiziert: 02.02.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

ZÜRICH – Die deutsche Regierung will die gestohlenen Bankdaten kaufen. Was sagt die Schweizer Bevölkerung zu dem Vorgehen unserer Nachbarn?

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will die CD mit geklauten Bankdaten kaufen und so Steuerflüchtlinge zur Kasse bitten. Das stösst vielen Schweizern sauer auf: «Das ist ein Verbrechen», sagt Hilda Schäfer. «Wenn Merkel das macht, schicken wir ihr 500 Arbeitslose zurück.»

Auch der Deutsche Andreas Fuchs findet das Vorgehen unangebracht. «Die deutsche Regierung sollte das nicht tun. Diese Neiddebatte und Denunziantentum, welche in Deutschland sowieso schon vorherrschen, werden dadurch nur noch gefördert.»

Blick.ch-Leser Robo aus Rickenbach sieht das Ganze so: «Bis jetzt war Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt, jetzt macht Deutschland Diebstahl und Hehlerei zu einem.»

Gut so!

Ruedi Ogi aus Luzern sieht das Problem beim Schweizer System und meint zum deutschen Vorgehen: «Gut so. Wenn die Schweizer Banken nichts zu verbergen haben, werden die Daten wohl kaum interessante Daten beinhalten.»

Auch Eberhard Lang aus Rheineck ist skeptisch gegenüber dem Schweizer System: «Das Geschrei der Schweiz wirkt doch eher komisch. Wer durch das für hochheilig erklärte Bankgeheimnis Kriminelle aus aller Welt zur Steuerhinterziehung verleitet und davon profitiert, sollte andere nicht als Hehler bezeichnen.»

«Kunden, die ihr Geld auf Schweizer Banken legen, machen das, weil das Geld sicher aufbewahrt wird, weil der Franken eine stabile Währung ist und weil die Schweiz ein politisch stabiles Land ist», hält die Blick.ch-Leserin Carole Baumgartner aus St. Gallen dagegen.

Grosse Chance

Hermann Müller aus Frankfurt gewinnt dem Eklat zwischen den beiden Ländern auch positive Seiten ab: «Ich sehe in der ganzen Sache auch eine grosse Chance. Die deutschen Steuersünder werden gefasst, die Diskussion um Recht oder Unrecht wird noch einige Wochen weitergehen, aber im Endeffekt werden beide Seiten profitieren. Deutschland wird das Ausmass der Steuerflüchtlinge eindämmen und die Schweiz wird wieder als angesehener Finanzstandort betrachtet werden.» (gca)