Wie der Finanzdirektor die Arbeit revolutioniert Berner FDP-Gemeinderat will 13 Wochen Ferien

Der Stadtberner Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) schlägt neue Wege für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor. Seine Vision: 13 Wochen Ferien pro Jahr für junge Eltern.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Mit 188 Stimmen zur Bundespräsidentin gewählt Glanzresultat für Doris...
2 Wegen unbefriedigendem Wahlresultat SP holt sich Nachhilfe bei Claude...
3 Bundesrätin in der allerletzten Sendung Leuthard zu Gast bei...

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
21 shares
3 Kommentare
Fehler
Melden
Der städtische Finanzdirektor Alexandre Schmidt (Archiv) play
«Mir ist egal, ob meine Mitarbeiter klassisch von acht bis fünf arbeiten oder mitten in der Nacht, soweit dies betrieblich möglich ist», sagt der Berner Gemeinderat Alexandre Schmidt. Keystone

Herr Schmidt, eine Studie bescheinigt ihrer Stadt Bern Top-Ergebnisse bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Warum sind Sie dermassen stolz darauf?

Dazu müssen Sie die Vorgeschichte kennen. Die Stadt verlor 2012 eine Abstimmung über ein neues Lohnmodell. Deshalb sind wir seither stark eingeschränkt und können lohnmässig nicht mehr mit unserer Konkurrenz...

... Bund, Kanton und staatsnahe Betriebe...

... genau, das ist im Verwaltungskanton Nummer 1 tatsächlich so. Wir können nicht mithalten, was den Lohn betrifft. Deshalb versuche ich seit meinem Amtsantritt 2013, auf andere Weise zu punkten. Wir leben eine Kultur der Flexibilität.

Was heisst das konkret?

Wir haben eine erhebliche Zeit-Autonomie für unsere Mitarbeiter. Mir ist egal, ob sie klassisch von acht bis fünf arbeiten oder mitten in der Nacht, soweit dies betrieblich möglich ist. Der Anteil an Telearbeit steigt rasant – und wir versuchen es auch für Top-Kader zu ermöglichen, Teilzeit zu arbeiten. Das klappt nicht überall, aber wir machen teils mit Jobsharing auch hier Fortschritte. Ausserdem bieten wir für Frauen 16 Wochen Mutterschafts- und für Männer drei Wochen Vaterschaftsurlaub und Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ab Geburt oder Adoption eines Kindes oder bei Übernahme von Betreuungspflichten für Angehörige das Pensum um 20 Prozent zu reduzieren. All diese Massnahmen kosten weit weniger als das abgelehnte Lohnmodell gekostet hätte. Dazu überlassen wir die Ferienplanung soweit betrieblich möglich den Angestellten selbst, um Rücksicht auf junge Eltern zu nehmen.

Wohl primär auf Frauen..

Nein, nicht nur. Zwar ist eine Mehrheit der 3500 Angestellten weiblich, aber auch Männer schätzen flexible Arbeitsbedingungen sehr. Dennoch: Wir konnten den Frauenanteil im Kader-Bereich auf über 30 Prozent steigern. Wir garantieren absolute Lohngleichheit und überprüfen das regelmässig.

Ein FDP-Mann lobt die Lohnpolizei?

Unsinn, wir haben keine Lohnpolizei. Wir achten im Rekrutierungs- und Beförderungsprozess schlicht in allen Schritten darauf, dass es nicht zu Diskriminierung kommt. Ich bin im Übrigen überzeugt gegen eine Frauenquote. Stattdessen versuchen wir, überproportional viele Frauen zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen. Am Ende entscheiden wir uns aber immer für die beste Kandidatur.

Lohngleichheit, Frauenanteil im Kader, Flexibilität.. Sie sprechen wie ein Linker!

Wir müssen aufhören, solche Themen ideologisch zu betrachten. Die Stadt Bern sah schlicht keine andere Möglichkeit, auf dem liberalen Arbeitsmarkt zu bestehen. Im Endeffekt muss jeder Arbeitgeber selbst entscheiden, wie er sich positionieren will. Aber wir leben ein urliberales Modell: Wir schenken Vertrauen und erwarten im Gegenzug viel Eigenverantwortung.

Also soll sich die Politik heraushalten?

Ich habe eine Vision. Es sollte gerade für junge Eltern möglich sein, 13 Wochen Ferien zu beziehen und den Arbeitsalltag auf Schulbeginn und Schulschluss auszurichten. Das wäre natürlich mit entsprechenden Lohneinbussen verbunden. Durch die Demografie und das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative wird der Kampf um Talente immer härter. Mittelfristig müssen sich Unternehmen auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer einrichten. Details sollten aber in Gesamtarbeitsverträgen geregelt werden. Ja, die Politik soll sich heraushalten.

Wie leben Sie selbst Flexibilität vor?

Die Teilnahme an allen Sitzungen, die ich leite, ist freiwillig. Es ist an mir, die Sitzungen spannend zu gestalten. Die Mitarbeiter gehen mit der gewährten Freiheit verantwortungsvoll um. Niemand meiner Top-Kader muss mir sagen, wann sie Ferien beziehen. Und ich nehme mir regelmässig die Freiheit, meinen Sohn in die Schule zu bringen. Entscheidend ist nur, dass die Arbeit fristgerecht und gut erledigt wird.

Publiziert am 08.03.2016 | Aktualisiert am 04.05.2016
teilen
teilen
21 shares
3 Kommentare
Fehler
Melden

3 Kommentare
  • Kurt  Bidi aus Bern
    08.03.2016
    Hoffe für Sie das Sie Sponsoren finden, weil dies ist unbezahlbar, die Firmen Ihre Fixkosten sind jetzt schon lange zu hoch
  • Urs  Hagen 08.03.2016
    Telearbeit, aha, ja da hat er recht, schlafen können sie auch zu Hause, Steuern sparen können sie auch noch, sozusagen das Bett als Büro abziehen. Kranheitstage werden auch reduziert, die merken nicht mehr, dass es Montag ist.
  • Peter  Rappo aus Feldkirch
    08.03.2016
    Da hätte ich eine viel bessere Idee : Am 1 Mai ( Tag der ARBEIT ) wir wieder voll gearbeitet und er Rest vom Jahr hat man frei, warum sonst heisst der 1 Mai Tag der Arbeit. Ha Ha