Wenn die Schweizer Armee Waffen beschafft... Von einem Debakel zum nächsten

Verteidigungsminister Guy Parmelin stoppte am Dienstag das Projekt «Bodluv». Damit wollte die Schweizer Armee einen mangelhaften Raketen-Abwehrschirm für die Schweiz beschaffen. Nicht das erste Mal, dass ein Rüstungsgeschäft zum Debakel verkommt.

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Politik

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Will die Schweizer Armee neue Waffen beschaffen, endet das häufig mit einem Debakel. Das zeigt eine Auswahl von ambitionierten Rüstungsprojekten aus den letzten 55 Jahren.

Ursachen dafür gibt es viele, doch die wichtigste ist die Anspruchshaltung der Militärs. Sobald es um neue Waffensysteme geht, gibt es kein Halten mehr: Besser, weiter, stärker, teurer! Und vielfach auch: Komplexer, komplizierter und umfassender.

Vielfach wachsen die Anforderungsprofile zu richtigen Katalogen: Das muss das System erfüllen, jenes auch noch und gerne auch noch etwas anderes.

Das führt dann dazu, dass die Militärs dann gerne auf neue Waffensysteme ausweichen, die es noch gar nicht gibt, die erst in Entwicklung begriffen sind. Was wiederum nichts anderes heisst, als dass die Schweizer Armee das ganze Entwicklungsrisiko einkauft. Oder anders gesagt: Auf dem Papier kann eine Waffensystem schnell sehr viel. Unklar bis zum Schluss bleibt jedoch, ob die Ingenieure die gewünschten Fähigkeiten dann auch in der wirklichen Welt umsetzen können.

Lange kaufte die Schweiz auch nur das Beste vom Besten: Als kleines, aber finanzstarkes Land war dies auch kein Problem. Zudem konnte man immer auch argumentieren, dass gerade für eine kleine Armee die besten Waffen besonders notwendig seien. Und: Weil unsere Schweiz besonders spezielle topografische Eigenschaften aufweist, waren Sonderlösungen immer angebracht.

Mit dem Ende des kalten Krieges hat dann aber auch in der Schweiz ein Umdenken stattgefunden: Auch die Armee musste finanzielle Abstriche hinnehmen. Das Zeitalter des immer offenen Wunschzettels war zu Ende. Das war vielleicht auch das Problem der gescheiterten Gripen-Beschaffung. Das schwedische Kampfflugzeug galt zwar als vernünftiger Allzweck-Jet, schloss aber gegenüber anderen Modellen schlechter ab. Der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer versuchte dies den Leuten mit einem Vergleich aus der Autobranche zu erklären: Der Gripen sei ein zuverlässiger Golf, welcher der Schweizer Luftwaffe besser anstehe als ein Ferrari. Vergebens: Einer der wichtigsten Gründe, weshalb viele bürgerliche Stimmbürger gegen den Gripen votierten, war, dass man von der Leistungsfähigkeit nicht überzeugt war. Es war übrigens das erste Mal, dass das Stimmvolk bei einer Beschaffung dem Bundesrat das O.K. versagte – ein Debakel. (eis)

Publiziert am 28.03.2016 | Aktualisiert am 19.04.2016
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  • Dracomir  Pires aus Bern
    29.03.2016
    Nur das Beste ist gut genug für unsere Armee. Das Geld wäre ja da, nur wird es eben in der kontraproduktiven "Entwicklungshilfe" für moslemische Staaten versenkt.
  • Armin  Bruesch aus Thusis
    28.03.2016
    Es wundert mich nicht, dass die Waffenkäufe regelmässig ins Absurdum führen. Die Regierung und das Parlament setz sich fast nur noch aus Juristen zusammen. Die Spezialisten die anschliessend aufgeboten werden um eine Auslese der Waffenkäufe aufgeboten werden sind von Lobbyisten gesteuert und so wird die Schweiz bei jedem Geschäft über den Tisch gezogen. Man sagt wo ein Wille ist auch ein Weg. Soweit so gut - aber man muss es nicht nur tun wollen - man muss es auch können.
  • August  Sommerhalder aus Amriswil
    28.03.2016
    Wo bleiben sie nur die vielen hochqualifizierten Militär-Strategen?
    Offensichtlich reicht die Landwirtschafts-Schule nicht aus, damit eine Armee militärisch effizient ausgerüstet werden kann. Auch das viel Gold an den Hüten der Armeespitze ist kein Güte-Siegel. Grundsätzlich müsste aber die Bauernlobby ausgeschaltet werden.
  • Reto  Meier 28.03.2016
    Ich erachte diesen Artikel als völlig unüberlegt.
    Grundsätzlich wäre es ein Witz wenn die Flab (zukünftig Bodluv) Waffensysteme kauft welche zurzeit modern sind, aber schon in wenigen Jahren veraltet sind. Zum Beispiel die M-Flab, also das 30mm-Geschütz der Flab, ist seit 1963 im Einsatz und wird erst 2025 ersetzt. Daher sollten wohl die neuen Waffensysteme bis etwa 2050-2060 einsatzfähig sein. Daher ist es klar sinnvoll in Entwicklungen zu investieren!
    • Xaver  Arnet 28.03.2016
      @Lieber Reto Meier: Gestatten Sie mir folgende Korrekturen bzw. Präzisierungen: Die Flab Kan 63/90 hat ein Kaliber von 35 mm. Zudem wurde sie in mehreren Schritten kampfwertgesteigert. Ausschlaggebend für den erfolgreichen taktisch-operativen Einsatz ist weniger die Flab Kan 63/90, sondern das Feuerleitsystem, also aktuell das ebenfalls stark kampfwertgesteigerte Skyguard, und nicht mehr die Super-Fledermaus, wie anno 1963.
  • Peter  Kunz aus Biberist
    28.03.2016
    Bei allen Ländern, inkl. USA (F-35), Deutschland (A400M, Meads), Frankreich (Charles de Gaulle), Österreich (Eurofigther), gibt es regelmässig Schwierigkeiten mit Rüstungsbeschaffungen. Es handelt sich um hochkomplexe Systeme mit Risiken. Die Geschäfte dauern oft länger als 10 Jahre und die Systeme sollen während Jahrzehnten im Einsatz bleiben und regelmässig auf den neusten Stand nachgerüstbar sein. Im Vergleich mit anderen Nationen leistet das VBS hervorragende Arbeit.