Weil Fachkräfte-Spitzentreffen ohne Frauen stattfand Frauen-Wutbrief an Schneider-Ammann

Parlamentarierinnen fordern Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann auf, endlich ernst zu machen mit der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt.

Johann Schneider-Ammann in Kritik: Keine Frauen an Fachkräfte-Treffen play
Kam bei Frauen schlecht an: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann an der Herbstsession der Eidgenössischen Raete, am Montag, 12. September 2016 im Ständerat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle) ALESSANDRO DELLA VALLE

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Mitte September sprachen Bund, Kantone und Sozialpartner auf Einladung von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann über Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nur die hauptsächlich Betroffenen sassen nicht am Tisch: die Frauen. Auch vor die Presse traten im Anschluss sechs Herren in Anzug und Krawatte.

Bei Parlamentarierinnen aller Couleur kam das gar nicht gut an (BLICK berichtete). Sie wollten daher von Wirtschaftsminister Schneider-Ammann wissen, ob der Bundesrat es zeitgemäss findet, wenn sich im 21. Jahrundert sechs Männer zu einem «Frauenproblem» äussern.

Schneider-Ammann: Nicht nur Frauen betroffen

Die Antwort von Schneider-Ammann war allerdings nicht geeignet, die Wogen zu glätten. Der Wirtschaftsminister teilte den Frauen mit, dass sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sich nicht ausschliesslich auf Frauen beziehe. Zweitens habe er den Frauendachverband Alliance F regelmässig konsultiert. Drittens habe es sich bei diesem Spitzentreffen nicht um eine Verhandlungsrunde, sondern um einen Informationsaustausch gehandelt.

Das hat die Frauen nur noch mehr in Rage gebracht. In einem Brief, der BLICK vorliegt, fordert die parlamentarische Frauengruppe Schneider-Ammann auf, den «kommunikativen Fauxpas» auszubügeln und die Anliegen der Frauen endlich «konkret zu beantworten». Sie sei enttäuscht von der Antwort, sagt Co-Präsidentin Rosmarie Quadranti (BDP, ZH). Und ihre Amtskollegin Yvonne Feri (SP, AG) ergänzt: «Das unsensible Vorgehen ist nicht entschuldbar.»

Nur als Zuhörerinnen geduldet

Besonders regt die Frauen auf, dass Schneider-Ammann schrieb, dass Alliance F zudem gezielt zum Spitzentreffen eingeladen wurde – und durch die grüne Nationalrätin Maya Graf (BL) auch vertreten war. «Eine Ausrede!», empört sich diese.

Zwar sei sie dabei gewesen, aber im Publikum und nicht als Teilnehmerin am Runden Tisch, wie die Frauenorganisation das seit Jahren fordert. «Wir konnten weder ein Referat halten noch eines der Modelle vorstellen, die unsere Mitglieder erarbeitet haben.» 

«Schneider-Ammann meint es nicht ernst»

Dabei, so Quadranti, seien die Zeiten, als Frauen nur zuhören durften, vorbei. «Die Herausforderungen können nur gemeisam gelöst werden.» Beim Lösen der Herausforderungen hat sich Schneider-Ammann jedoch nicht Ruhm bekleckert, findet Feri: «Leider hat sich der Bundesrat bis jetzt zu wenig für die Frauen auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt», sagt sie. «Es scheint leider so, als wäre es Herrn Schneider-Ammann mit der Gleichstellung gemäss Bundesverfassung nicht sehr ernst.»

Publiziert am 12.10.2016 | Aktualisiert am 20.10.2016
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  • Kurt  Wiesbach aus Sulz
    13.10.2016
    Bei dem "Fachkräfte-Treffen" treffen sich eh nur die "Oberen" denen Schneider-Amman und Konsortien genehm ist. Das sicher nicht Interessenvertretungen von Frauen, Sozialhilfeabgeschobenen, Arbeitnehmer 50plus und anderen schwächeren Arbeitsmarktparteien. Nach dem Frau noch länger neben in- auch ausser Haus arbeiten soll, zu faktisch geringerem Lohn und staatlich-wirtschaftlich begrenzter Pensionskassenbeteiligung verstehe ich die Wut der Damen recht gut. Haut nur auf den Tisch!!!!
  • Roman  Bachmair aus Naters
    13.10.2016
    Eine militante Frauenbewegung wie die Alliance F kann und konnte man noch nie ernst nehmen. Solche "Möchtegern-Frauen" würde ich auch nicht gerne am Tisch haben.

    Da gäbe es schlicht und einfach eben Frauen, welche dem Mann gegenüber nicht so eine feindliche Haltung vertreten und welche man entsprechend gerne an den Verhandlungstisch nimmt.
  • anneliese  hofer 13.10.2016
    an a. setz frau soll weniger arbeiten, weil sie auch mit siebzig noch den haushalt schmeisst, die familie und den ehemann pflegt. zudem ist die frau schon in der berufszeit doppelt belastet.
  • Georg  Ritter 12.10.2016
    Denken tut man mit dem Kopf. Der Kopf einer Frau und eines Mannes kann die gleichen Denkleistungen erbringen. Also ist es egal, ob ein Mann oder eine Frau nachdenkt. - Aber wenn wir es schon von gleichen Rechten und Pflichten haben: Wann bitte setzen sich die so lauten Damen ein für die Dienstpflicht (Militär, Zivilschutz, Zivildienst oder Ersatzsteuern) der vielen, vielen Frauen, die keine Familienpflichten haben? Das ist dann wohl was gaaaaanz anderes, ja?
  • Ursula  Reichenbach aus Schwarzenbach
    12.10.2016
    Bei Scheidungen kennen die Frauen Gleichberechtigung gar nicht. Dort müssten dann Alimente so geteilt werden, dass sich ein Mann noch eine anständige Wohnung leisten kann und ein passables Leben führen kann.