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Viele der nordafrikanischen Asylsuchenden stellen ihren Antrag in Chiasso. (Keystone)
Die Schweiz stecke in einer , sagte gestern Michael Glauser vom Bundesamt für Migration. Denn der Bund braucht dringend Platz für die Unterbringung von Flüchtlingen. Die meisten kommen aus Eritrea – und aus Tunesien. Für viele Blick.ch-Leser ist gerade dies erstaunlich. Denn gerade im nordafrikanischen Land hat der arabische Frühling eben erst demokratische Wahlen möglich gemacht.
Dennoch flüchten vor allem junge Männer aus Tunesien. Via Italien und Frankreich landen sie in Europa. Doch wie schaffen es die Maghrebiner überhaupt in die Schweiz?
Joachim Gross vom Bundesamt für Migration (BFM) sagt: «Die meisten reisen über Italien in die Schweiz und werden vom Grenzwachtkorps aufgegriffen.»
Deshalb würde auch der Grossteil der Asylsuchenden ihren Asyl-Antrag im Empfangs- und Verfahrenszentrum in Chiasso stellen.
Das BFM prüft, ob die Nordafrikaner bereits in Italien einen Antrag gestellt haben, also sogenannte Dublin-Fälle sind. Ist dies der Fall, stellt die Schweiz einen Rückweisungsantrag an Italien. «Das funktioniert in der Praxis ziemlich gut, dauert aber zwei bis drei Monate», erklärt BFM-Sprecher Joachim Gross.
Das Hauptproblem bei Leuten aus dem Maghreb: Die meisten Personen seien Wirtschaftsmigranten auf Jobsuche, sagt Gross. «Es gibt sicherlich einige, die unter dem Regime von Ben Ali gelitten haben und als politische Flüchtlinge gelten.» Allerdings sei das ein kleiner Teil.
Aber grundsätzlich kann jeder Mensch in der Schweiz Antrag auf Asyl stellen. Egal ob Amerikaner, Schwede oder Tunesier: Gross bestätigt, dass jedes Gesuch individuell geprüft werden muss.
Hilfe vor Ort ist wichtig
Wie will nun das BFM verhindern, dass aussichtlose Anträge gestellt werden? Einerseits mit Hilfe in den betroffenen Ländern: «Es gibt bereits heute Hilfe vor Ort, um die Bevölkerung zu unterstützen», sagt der BFM-Mann zu Blick.ch. So investiere die Schweiz zum Beispiel Geld, um jungen Unternehmern beim Aufbau eines Geschäfts zu helfen.
Anderseits stehe das BFM auch mit den tunesischen Behörden in Kontakt. Ziel sei die Schaffung eines Rücknahmeabkommens.
Sommaruga will Gas geben
Ebenfalls von grosser Bedeutung dürfte die laufende Gesetzesrevision sein, die SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga anpeilt. Sie fordert, dass zumindest 80 Prozent der Fälle innerhalb von 120 Tagen abgewickelt werden können.
Das soll durch die Schaffung von Bundeszentren geschehen. Joachim Gross: «Dann haben wir das ganze Verfahren zentralisiert. Dolmetscher und Ärzte wären vor Ort, was eine grosse Verbesserung wäre.»
Bis es so weit ist, dürften aber noch einige Jahre vergehen.