Die profilierte Politikerin wurde gedemütigt Warum hat die SP Angst vor Jacqueline Fehr?

Sie gilt als einflussreiche Strippenzieherin. Eine, die mit harten Bandagen kämpft. Bei der SP-Fraktion kam die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr (48) damit nicht an.

  • Publiziert: 19.02.2012, Aktualisiert: 20.02.2012
  • Von Ruedi Studer
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 «Die Vorwürfe, die erstaunlicherweise immer anonym geäussert werden, sind total haltlos.»

Jacqueline Fehr

(Keystone)

Sie gilt als einflussreiche Strippenzieherin. Als Politikerin mit ausgeprägtem Macht- und Führungsanspruch. Zielstrebig, verbissen, launisch. Eine, die mit harten Bandagen kämpft. Bei der SP-Fraktion kam die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr (48) damit nicht an. Die gescheiterte Bundesratskandidatin wollte Fraktionschefin werden und scheiterte erneut (BLICK berichtete).

Die Genossen gaben Polit-Softie Andy Tschümperlin (49) den Vorzug. Eine Sensation! Und eine Demütigung für Fehr. Was hat die SP bloss getrieben, den national unbekannten Schwyzer Nationalrat Tschümperlin der profilierten Frau vorzuziehen? Hat die Partei Angst vor Jacque­line Fehr? Ist sie zu stark für eine Frau?

Klar ist, manche – gerade in der Zürcher Delegation – mögen Fehr nicht leiden. Zu vielen ist die Überehrgeizige schon auf die Füs­se getreten. Einer, der dazu steht, sie nicht gewählt zu haben, ist Nationalrat Andi Gross: «Die soziale Kompetenz ist bei Andy Tschümperlin ungleich höher als bei Jacqueline Fehr. Genau das braucht die Fraktion jetzt», sagt er zu BLICK. Dass Fehr auf DRS nach ihrer Nichtwahl von einer «Intrige» sprach, goutiert Gross überhaupt nicht: «Genau dieses Verhalten ist mit ein Grund, weshalb sie nicht gewählt wurde.»

Aber was ist gemeint mit der fehlenden «sozialen Kompetenz»? Ist je einem Mann in der Politik vorgeworfen worden, zielstrebig und machtbewusst zu sein, mit harten Bandagen zu kämpfen? Sicher ist: Bei Fehr spielt die Angst vor einer dominanten Fraktionschefin, die ellbögelt und dem männlichen Rollenverhalten entsprechend politisiert, eine Rolle.

«Eine Frau, die ihren Führungsanspruch dezidiert wahrnimmt, bietet noch immer mehr Angriffsfläche als ein Mann», sagt die Berner Nationalrätin Margret Kiener Nellen. «Wäre Fehr ein Mann, wäre sie 100-prozentig gewählt worden.»

Julia Gerber Rüegg, Co-Präsidentin der SP-Frauen Schweiz, sagts so: «Man kann ihr doch nicht vorwerfen, dass sie ihr politisches Handwerk bestens beherrscht!» Das Denken, dass eine Politikerin mehr die «Mama» sein müsse, sei in der Bevölkerung noch stark verhaftet. Eine Frau mit Führungsanspruch sei vielen nicht ganz geheuer. «Ein Stück weit hat das sicher – zumindest unbewusst – auch in der SP-Fraktion eine Rolle gespielt.»

Daraus lässt sich schliessen: Der integrative Tschümperlin ist einfach die bessere Frau!

Kommentare (15)

  • Peter  Risi , luzern
    Immer die gleiche Leier vom Geschlechterkampf. Fakt ist doch ganz einfach, dass es in der Schweiz per Gesetz verboten ist, gut oder zumindest besser als die anderen zu sein. Die Genossen haben wunderschön bewiesen, dass sie wohl schweizerischer sind, als ihnen selber lieb ist.
    Die Causa Hildebrand und nun Fehr zeigen dies deutlich auf. Die Schweizer wählen lieber einen Skifahrer-Jolly als Sportler des Jahres, als einen der besten Sportler aller Zeiten. Oder sie geben Ihre Stimme einer mittelmässig singenden Busfahrerin als einer hochprofessionellen Schlangenfrau.
    So sind wir halt. Wer das nicht akzeptieren kann, muss auswandern und sein Ding durchziehen. Roger Federer hats uns vorgemacht.
    Es lebe das Mittelmass!
    • 20.02.2012
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  • Esther  Huwiler , Unterkulm
    Frau Fehr hat noch ein Amt als Präsidentin im Kinderschutz. Warum kümmert sie sich nicht vermehrt für den Schutz von Kindern? Da wäre ein grosses politisches Potenzial dringend nötig.
    Vermutlich ist dieses Amt auch nur wieder so ein Pseudo, wie bei vielen PolikerInnen. Die Schweiz hat einen Rückstand mit der Umsetzung der UNO-Kinderrechtskonvention. Der Bericht an den UNO-Kinderrechtsausschuss fehlt seit 2007!

    Kinder sind Zukunfsträger des Landes!
    • 20.02.2012
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  • Paul  Mauchle , St.Galle
    Das ist nun die dritte Niederlage von Frau Fehr. Schade, denn Frau Fehr ist kompetent und lässt sich nicht so schnell einschüchtern. Allerdings frage ich mich, warum tut sie sich das eigentlich an, sich für eine Partei einzusetzen, die ihren Einsatz nicht zu schätzen weiss.
    • 20.02.2012
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  • Andy  Lanz
    Ich bin zwar kein Anhänger von Frau Fehr, aber wie mit ihr umghegangen wird von der SP ist schlicht untragbar. Die SP wollen keine Persönlichkeiten an der Spitze, sondern solche die leicht zu lenken sind.
    • 20.02.2012
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  • Reto  Müller , Langenthal
    Das ist wirklich ein erstaunlich dummer Artikel.
    Die Fähigkeit zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen und soziale Kompetenzen zu haben, sind weder soft noch fraulich. Hier widerspricht sich der Artikel mehrfach. Nur weil es scheinbar toll ist, aus einer simplen Nichtwahl, die es in der Demokratie stets gibt, einen Skandal zu stilisieren. Andy Tschümperlin ist gut. In den Augen der SP-Fraktion besser als Frau Fehr. So what?
    • 20.02.2012
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