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«Die Vorwürfe, die erstaunlicherweise immer anonym geäussert werden, sind total haltlos.»
Jacqueline Fehr
(Keystone)Sie gilt als einflussreiche Strippenzieherin. Als Politikerin mit ausgeprägtem Macht- und Führungsanspruch. Zielstrebig, verbissen, launisch. Eine, die mit harten Bandagen kämpft. Bei der SP-Fraktion kam die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr (48) damit nicht an. Die gescheiterte Bundesratskandidatin wollte Fraktionschefin werden und scheiterte erneut (BLICK berichtete).
Die Genossen gaben Polit-Softie Andy Tschümperlin (49) den Vorzug. Eine Sensation! Und eine Demütigung für Fehr. Was hat die SP bloss getrieben, den national unbekannten Schwyzer Nationalrat Tschümperlin der profilierten Frau vorzuziehen? Hat die Partei Angst vor Jacqueline Fehr? Ist sie zu stark für eine Frau?
Klar ist, manche – gerade in der Zürcher Delegation – mögen Fehr nicht leiden. Zu vielen ist die Überehrgeizige schon auf die Füsse getreten. Einer, der dazu steht, sie nicht gewählt zu haben, ist Nationalrat Andi Gross: «Die soziale Kompetenz ist bei Andy Tschümperlin ungleich höher als bei Jacqueline Fehr. Genau das braucht die Fraktion jetzt», sagt er zu BLICK. Dass Fehr auf DRS nach ihrer Nichtwahl von einer «Intrige» sprach, goutiert Gross überhaupt nicht: «Genau dieses Verhalten ist mit ein Grund, weshalb sie nicht gewählt wurde.»
Aber was ist gemeint mit der fehlenden «sozialen Kompetenz»? Ist je einem Mann in der Politik vorgeworfen worden, zielstrebig und machtbewusst zu sein, mit harten Bandagen zu kämpfen? Sicher ist: Bei Fehr spielt die Angst vor einer dominanten Fraktionschefin, die ellbögelt und dem männlichen Rollenverhalten entsprechend politisiert, eine Rolle.
«Eine Frau, die ihren Führungsanspruch dezidiert wahrnimmt, bietet noch immer mehr Angriffsfläche als ein Mann», sagt die Berner Nationalrätin Margret Kiener Nellen. «Wäre Fehr ein Mann, wäre sie 100-prozentig gewählt worden.»
Julia Gerber Rüegg, Co-Präsidentin der SP-Frauen Schweiz, sagts so: «Man kann ihr doch nicht vorwerfen, dass sie ihr politisches Handwerk bestens beherrscht!» Das Denken, dass eine Politikerin mehr die «Mama» sein müsse, sei in der Bevölkerung noch stark verhaftet. Eine Frau mit Führungsanspruch sei vielen nicht ganz geheuer. «Ein Stück weit hat das sicher – zumindest unbewusst – auch in der SP-Fraktion eine Rolle gespielt.»
Daraus lässt sich schliessen: Der integrative Tschümperlin ist einfach die bessere Frau!
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