Wahlsieg im Aargau Cédric Wermuth lehrt der SP das Siegen

Im Vergleich zur Vergangenheit ist die Partei immer noch in der Baisse. Immerhin: Im Aargau gibt es einen Lichtblick. Die Genossen gewannen die Kantonsratswahlen. Für den Hoffnungsschimmer verantwortlich. SP-Nationalrat Cédric Wermuth.

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Den Zustand einer Partei kann man auch daran ermessen, wie sie ihre Siege feiert. Der Triumph der Sozialdemokraten im Aargau vom vergangenen Sonntag war mehr als Balsam für die geschundenen roten Seelen – für die SP ist es der Silberstreif am Horizont. Satte 3,7 Prozent hat die SP zugelegt, fünf zusätzliche Sitze erobert und verlorenes Terrain zurückgewonnen – auf Kosten der Mitteparteien CVP und BDP.

Ein selten deutlicher Erfolg für die Linke und Cédric Wermuth (30), Nationalrat, ehemaliger Cheftrommler der Juso und seit zwei Jahren Co-Präsident der Aargauer Sektion. Parteipräsident Christian Levrat (46) zeigt sich derart entzückt vom Genossen aus der Deutschschweiz, dass bereits heftig spekuliert wird, ob und wann Wermuth ihn beerben könnte.

«Ach was», winkt Wermuth ab. «Klar ist das Amt des Parteipräsidenten spannend, aber die Frage nach Levrats Nachfolge stellt sich zurzeit schlicht nicht.» Und überhaupt würden sich da als junger Familienvater noch ein paar schwierige Fragen stellen. Klingt logisch und loyal. Aber nicht wie ein Dementi.

SP hat einen schweren Stand

«Er ist blitzgescheit und ein guter Redner, Rhetoriker und Schreiber, keine Frage», lobt Yvonne Feri (50). Die SP-Nationalrätin kämpft im zweiten Wahlgang um den Einzug in den Aargauer Regierungsrat. Wermuth habe viele Ideen, setze starke Impulse, lobt sie.

Nicht immer sind die ganz grossen Würfe gefragt. Am Freitagnachmittag streift Wermuth durch den Aargau, um die Überreste des Wahlkampfes zu beseitigen. In Gebenstorf steigt er aus dem roten Mobility-Auto und zieht ein ebenso rotes SP-Plakat aus dem Hang neben der Strasse. Die grosse Bühne, auf der Wermuth so gerne glänzt, das Bundeshaus und das Studio der «Arena», all das ist weit weg zwischen Baden und Brugg.

Während sich Wermuth am Plakat zu schaffen macht, analysiert er die geschlagene Schlacht. «Unser Rezept war denkbar einfach, wir gingen die Wähler direkt an. Auf der Strasse bei Standaktionen, zu Hause am Telefon.» Die Mobilisierung der Linken hat die SP geschafft.

Wermuths Partei hat eine schwierige Zeit hinter sich. Seit Jahren findet sie kein wirksames Rezept auf die einfachen Parolen von rechts. «Das muss aufhören», sagt Wermuth. Im Aargau hätten sie gezeigt, wie das funktionieren kann. Beispiel Migrationspolitik. «Hier haben wir uns zu lange weggeduckt. Dabei schätzen es die Menschen, wenn wir die SVP offen angreifen, ihre Sprüche entlarven.» Wenn jemand finde, die drei Prozent Ausländer, die in seinem Dorf leben, seien ein Problem, «müssen wir den Mut haben, zu widersprechen».

Nicht nur Klassenkampf

Für die Partei hat sich diese offensive Taktik ausgezahlt. Nun munkeln manche, dass Wermuth ein weit besserer Wahlkämpfer als Nationalrat sei. «Das Klein-Klein in Bundesbern liegt ihm nicht besonders», sagt ein Fraktionskollege. Er liebe die Grundsatzdiskus-sionen. «Am besten in aller Öffentlichkeit.»

Wermuth widerspricht. «Ich glaube, ich habe in der Finanz- und in der Staatspolitischen Kommission bewiesen, dass ich sehr wohl dossierfest bin und Detailarbeit machen kann.» Aber einfach nur ­Parlamentarier sein, sei ihm zu wenig. «Mich interessiert das grosse Ganze.»

Was würde er denn tun, wenn er an der Spitze der Partei stünde, verantwortlich für das grosse Ganze? «Christian Levrat beherrscht die Sprache des Klassenkampfes hervorragend, das sollten wir weiter pflegen.» Aber es gebe noch andere, gesellschaftliche Themen, welche die SP zu lange stiefmütterlich behandelt habe. «Jedem Arbeiter muss klar sein: Er ist nur frei, solange auch sein schwuler Nachbar frei und gleichberechtigt ist.»

Was nicht länger gehe, sagt der studierte Historiker, sei ein arrogantes und überhebliches Auftreten der Linken. «Hillary Clinton beschimpft die Anhänger Trumps als dumme Ignoranten, das ist ein kapitaler Fehler, das darf uns nicht passieren.» Man müsse die neuen Rechten frontal bekämpfen. «Aber die Ängste ihrer Anhänger darf man nicht lächerlich machen.»

Publiziert am 30.10.2016 | Aktualisiert am 22.11.2016
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20 Kommentare
  • -  -.- 31.10.2016
    Der Zögling und Liebling der Massenmedien kommt wieder zu Zug - wöchentlich ca. 1x mindestens. Es dient zur Empörung und zum Spiel "teile und herrsche". Es wird bald etwas schreckliches passieren, denn diese Zustände in denen wir leben, hätten längst schon mit Vernunft und Herz gelöst werden sollen. Jeder weiss das innerlich, spürt es sehr gut. Der Tag an dem das Chaos losbrach...die Politiker werden sich daran ewig erinnern müssen.
  • Uriella  Bianca aus Utopia
    31.10.2016
    es ist höchste Zeit endlich eine rabiate Mitte Partei zu gründen, die sich in erster Linie für Einheimische und für den Beibehalt eines Rechsstaates einsetzt. Man sollte endlich durchsetzen, dass auch Schweizer Bürger berechtigte Anliegen vorbringen können ohne sich den pubertären Fremdenfeindlichkeits Vorwürfen auszusetzen. Solche Szenen wie im Koch Areal und vor der Reithalle haben nichts mit Kultur zu tun, eher mit pubertärem Audbegehren gegen Autoritäten.
  • Ruth  Bellido aus Zèrich
    31.10.2016
    Ständig die gleiche Leier bezüglich er habe nie gearbeitet und als Hausbesetzer verurteilt. 1. Ein Studium ist sehr wohl eine beachtliche Leistung, ansonsten wären wohl die meisten Kommentatoren nicht an einem solchen gescheitert. 2. Berufspolitiker sind um einiges erstrebenswerter als vom Lobbyismus gezeichnete SVP-ler. 3. Wer in der Jugend nicht auch mal über die Grenzen gegangen ist, kann nicht wirklich davon sprechen das Volk zu verstehen. Will ich den einen schon immer braven Politiker?
    • Albert  Inglin 31.10.2016
      Bellido@: Berufspolitiker sind die Totengräber der direkten Demokratie. Es gibt auch noch andere junge Politiker, die ein Studium abgeschlossen haben und einen anderen Leistungsausweis vorweisen können. Wermuth spreche ich die Intelligenz nicht ab - intelligente Leute gibt es aber auch ohne Studium, vielleicht ist der eine oder andere von Ihnen erwähnte Kommentator dabei? - aber ein bisschen praktische Erfahrung im Wirtschaftsleben würde ihm schon gut tun.
    • stefan  boeni 31.10.2016
      NEIN, ein Studium ist in keiner art & weise eine Leistung. oder ein freipass, habe selber Master & Berufslehre, der weg des politiker, vor allem wenn es die SP betrifft, kommt aus dem VOLK, dass ist ein Arbeiter. Ah ja, dass heisst jugendliche welche gegen staat, Ordnung und Eigentum angehen, sowie nachher einen Bundeshaussitz anstreben? Gerade die Brutstädte BADEN, hat bewiesen mit Grüssel Politker, wie sehr sie mit der Zeit gehen. Es bedarf Menschen die sich der Verantwortung bewusst sind.
  • Dani  Rosso 31.10.2016
    Also das Plakat das er da hält gefällt mir besonders gut... letzten Freitag bekam ich per Post einen Brief von der Gemeinde... darin geht es um die Einsparungen an der Schule meines Kleinen....
    • Dani  Rosso 31.10.2016
      An die Daumen runter Drücker.... der Brief ist eine Tatsache.. genau so wie die Einsparungen alles hoch offiziell von der Gemeinde... Wollen sie es einfach nicht wahrhaben... oder wieso Daumen runter... finden sie es ok so zu werben obwohl in der Realität es etwas anders aussieht...sein Sieg ist mir egal, mag es ihm sogar gönnen.. doch wie gesagt... schwarz auf weiss hab ich den Beweis.... von dem her für mich unglaubhaft...
  • Gian  Schumacher aus Köniz
    31.10.2016
    ein Sieg für Linksextreme und ein Verlust für Ü50-er und Einheimische, die unter seiner Politik leiden werden.