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Die Parteistrategen waren sich im Wahljahr einig: Wer reüssieren will, muss auf «Swissness» setzen. So behauptete die SVP «Schweizer wählen SVP», die Freisinnigen politisierten im Wahljahr «Aus Liebe zur Schweiz» und die CVP war überzeugt, dass es «Keine Schweiz ohne uns» gebe.
Schliesslich war hüben und drüber zu hören, dass die Schweiz konservativer geworden sei. Doch: Der Trend scheint sich nicht zu bestätigen.
Gewonnen haben die Wahlen Parteien, die mit relativ nichtssagenden Slogans antraten. Die BDP sah sich als «Die neue Kraft» und die Grünliberalen wollten «Natürlich» gewählt werden. Die Sozialdemokraten warben zwar in den Nationalfarben, aber ohne inhaltlichen Bezug zur Schweiz: plus drei Sitze im Nationalrat.
Politologin Regula Stämpfli ist das Waterloo der «Schweiz»-Parteien auch aufgefallen. Sie warnt aber davor, das schlechte Resultat auf die Slogans zu reduzieren. «Sie entscheiden keine Wahlen, sondern sind ein Faktor unter vielen. Es hat sich aber gezeigt, dass ‹Swissness› als Brand nicht ausreicht.»
Stämpfli beobachtet eine Trendwende von der Nationalisierung hin zur Themenorientierung. Im aktuellen Wahlkampf habe das vor allem die SP gemerkt und erfolgreich angewendet.
Ist die Schweiz also nicht konservativer geworden? Zumindest nicht durch diese Wahlen, sagt die Berner Politologin.
«Es existiert in der Schweiz einfach ein riesiger Stadt-Land-Gegensatz. Die Städte sind sehr offen und modern, die ländlichen Gegenden aber unheimlich konservativ.» Komplett abschreiben will Stämpfli die «Swissness» deshalb nicht.
Ihr Berufskollege Mark Balsiger glaubt, dass sich die bürgerlichen Parteistrategen verschätzt haben. «Das Thema Schweiz stand im Wahlkampf nie im Vordergrund, deshalb haben auch die Slogans nicht verfangen. Es gab keinen Diskurs darüber, was die Identität der Schweiz ist und wo sie als Land hin soll.»
Deshalb hätten die Slogans keinen Einfluss auf den Wahlausgang gehabt. «Nur in einem Fall – ‹Schweizer wählen SVP› – gab es in den Medien eine gewisse Resonanz.»
Dass der Slogan aber zum schlechten SVP-Resultat beigetragen haben könnte, will Balsiger nicht gelten lassen. «Wieso sollte ein Teil der Wählerschaft davon plötzlich angewidert sein? «Schweizer wählen SVP» passt ja perfekt in die sonstige Bildsprache, die seit 20 Jahren mit Schwarz-Weiss-Gegensätzen operiert.»