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Bastien Girod beantwortet die Fragen der Blick.ch-Leser. (Markus Ehinger)
albert bänziger zürich: Was machen sie gegen die Armut (Altersarmut) in der Schweiz?
Bastien Girod: die renten sollten gegen altersarmut schützen. die AHV muss entsprechend gestärkt werden.
Zollinger F., Zürich: Denken Sie nicht auch, dass die SNB mit ihrem Entscheid den Franken an den Euro zu binden langfristig gesehen einen grossen Fehler gemacht hat? Sprich sind wir jetzt nicht gewissermassen der Europäischen Zentralbank ausgeliefert?
Bastien Girod: Ich denke der entscheid war richtig. die exportierende wirtschaft wäre sonst immer stärker unter druck gekommen. es ist wichtig das wir schauen das die realwirtschaft in der schweiz bleibt. wenn wir nur noch banken und finanzsektor haben sind wir viel anfälliger auf krisen.
Baul, Remo, Rünenberg: Aber wenn immer mehr Autos geleast werden, belastet dies die Umwelt ebenfalls. Ich bin mir sicher, bis zu 30% der Autos, welche auf den Strassen sind, sind geleast. Muss man da nicht auch etwas unternehmen?
Bastien Girod: ich bin eher dafür dass die effizienz aller autos zu erhöhen wie das der gegenvorschlag zu offroader initiative will. damit reduziert sich auch die umweltbelastung der geleasten fahrzeuge.
Andreas Lander, Goldau: Ihre Offroader Initiative wurde ja zurückgezogen, planen Sie etwas Neues in dieser Richtung?
Bastien Girod: Ja, wir sammeln zur Zeit Unterschriften für eine grüne Wirtschaft! Habe die Initiative stark mitgeprägt und bin Ko-Präsident des Komitee.
Zollinger F., Zürich: Herr Girod, ist der Beitritt zur EU noch ein Thema bei den Grünen?
Bastien Girod: die Grünen sind für ein »EU, aber«. das heisst wir würden es gut finden wenn die schweiz in der EU mitmachen würde, aber auch um dinge in der EU zu verändern die uns nicht passen. aber wie gesagt, ich akzeptiere das die Mehrheit der Bevölkerung im Moment kein Beitritt will und bin deshalb für die nächsten 4 Jahre auch nicht für Aufnahme der Beitrittsverhandlungen.
Marcel Odermatt, Zürich: Der Vertrag von Lissabon beisst sich in viererlei Hinsicht mit der Schweizer Verfassung. Wie soll die Schweiz bei einem Beitritt damit umgehen? Wie geht ihr Gewissen damit um?
Bastien Girod: fragen sie mich das in 4 oder mehr jahre wenn das thema des EU beitritts wieder aktuell sein sollte.
Marcel Odermatt, Zürich: Wie ich Ihrer Antwort auf meine letzte Frage entnehmen kann, sind Sie zwar für einen EU-Beitritt, haben aber noch keine Ahnung was die Schweiz dafür aufgeben kann oder was das für die Schweiz vollumfänglich heisst?
Bastien Girod: ich habe in meinem buch »green change – strategien zur glücksmaximierung« ein kapitel zum thema geschrieben. lesen sie das doch, und scheiben sie mir was sie meinen. ich habe mir da durchaus gedanken gemacht.
Andreas Lander, Goldau: Wie stellen Sie sich eine Schweiz ohne AKWs vor? Würde Ihre Partei im Falle eines Atomausstiegs eine Vergrösserung des Grimselstausees zustimmen bzw. sogar neue Wasserkraftwerke bauen? Oder würden Sie lieber mit Windkraftwerken das Landschaftsbild nachhaltig verschandeln?
Bastien Girod: das kann nicht generell beantwortet werden. es braucht sicher sowohl noch unbebaute täler wie auch landschaften ohne windräder. trotzdem besteht noch ein enormes ausbaupotential für beide energieformen. kommt dazu, dass es für windenergie auch pumpseicherung (stauseen) braucht um schwankungen auszugleichen.
Felix Eberlein, Degersheim: Hallo Herr Girod. Vielleicht sprengt meine Frage den Rahmen eines Chats: Als Familienvater einer 7köpfigen (übrigens Autofreien) Familie möchte ich von einem grünen Politiker gerne wissen, was für Perpektiven in Bezug auf die Erhaltung der Natur und des Lebensraums Schweiz in Bezug auf den wirtschaftlichen Druck überhaupt möglich sind? Was für Visionen sind da und wie könnten sie nachhaltig umgesetzt werden?
Bastien Girod: der ökologische umbau der wirtschaft ist machbar. die technologien dazu sind eigentlich bekannt. das problem ist, dass die umweltverschmutzung heute immer noch nichts oder zuwenig kostet. damit sind grüne produkte oft teurer obwohl sie tiefere umweltkosten haben.
Moser Fred Bern: Ist für Sie die Überfremdung, Islamisierung und Masseneinwanderung auch ein wichtiges Problem?
Bastien Girod: mit diesen schlagwörter kann ich wenig anfangen. aber es besteht in den verschiedenen bereichen sicher ein handlungsbedarf. die diskussion um lösungen statt polemik sollte da ins zentrum rücken.
Sandrino B., Luzern: Wie wollen Sie unsere Wirtschaft »grüner« bzw. umweltfreundlicher machen, so dass sie trotzdem Profit bringt? Welche Mittel sehen Sie vor?
Bastien Girod: das gute an der grünen wirtschaft ist ja, das grüne produkte früher oder später zu einem exportschlager werden. wenn die grünen märkte wachsen so stark wie keine anderen märkte. weil immer mehr länder begreifen das die wirtschaft umweltverträglich sein muss.
Marcel Odermatt, Zürich: Was halten Sie von den Jugend Ausschreittungen in Zürich? Wie soll das brodelnde Problem gelöst werden?
Bastien Girod: schwierig. gewalt ist sicher nicht zu legitimieren. polizei muss sicher durchgreifen. das ist krawall tourismus. die müssten etwas sport machen um ihre aggressionen ab zu bauen...
P.H. Zürich: Herr Girod, wodurch soll der fehlende Atomstrom in Zukunft substituiert werden? Wie hoch werden realistischerweise die Anteile von Sonnen- und Windkraft sein?
Bastien Girod: AKW machen ja 40% des Stromverbrauchs. Dank starker Stromeffizienz nimmt stromverbrauch nicht zu sondern ca. 10% ab. dann langfristig 20% solar (entsprich 20 quadratmeter pro person). weitere 5% dank biomasse aus landwirtschaftsabfälle und wald. und 5% aus wind. wenn uns technischer durchbruch bei geothermie gelingt könnten dies auch bis zu 20% beitragen.
Daniel Schwizer, Besenbüren: Tut mir leid, die Antworten sind mit zu oberflächlich und zu pauschal, dann nähme mich noch wunder, welches ist der Hauptgrund, warum die Schweiz der EU beitreten soll, nur 1 Grund, der überzeugen soll und auch jeder versteht.
Bastien Girod: die EU krise zeigt ja, dass wenn es der EU schlecht geht, leidet auch die schweiz. ich würde gerne mitbestimmen wie auf eine solche krise reagiert wird (oder das eine solche gar nicht entsteht). gleiches in der umwelt- und wirtschaftspolitik, welche schweiz betrifft, wir aber nicht mitreden können.
Fridolin Bettiga, Siebnen: Warum sind Sie links? Ich bin rechts und grün. Aber für mich gibt eis keine Partei. Die Grünen sind mir zu links. Die GLP zu wischi-waschi. Finden Sie nicht auch, dass man eine Grüne SVP haben sollte?
Bastien Girod: Grüne SVP wäre sicher besser als heutige SVP.. es ist für mich unverständlich wie eine Partei dauernd von Heimatschutz spreche kann und sich null-komma-garnichts für den schutz der landschaft, gletscher, gewässer und sauberen luft einsetzt.
Sandro F., Zürich: Herr Girod, wie sehen Sie die Chancen auf eine baldige Entkriminalisierung von cannabishaltigen Produkten, und wie stehen Sie persönlich zu diesem Thema?
Bastien Girod: nach der volksabstimmung zum thema ist das für paar jahr vom tisch. ich bin aber für eine entkriminalisierung, weil damit erwachsene weniger bevormundet würden aber gleichzeitig der jugendschutz und die prävention verbessert werden könnte.
Walliser Thierry, Künten: Wie stehen Sie zur Erneuerung der Armee? Die Linke ist ja eher dagegen, jedoch wäre es viel sinnvoller, die neuen Geräte und Fahrzeuge anzuschaffen, da diese viel weniger umweltbelastend sind.
Bastien Girod: noch besser für die finanzen und die umwelt wäre es doch wenn gar nicht erst soviele teure militär-übungen durch geführt werden.
Markus Müller, Oberwinterthur: Warum darf die Swisscom mit Volkes Geldern die SRG im TV-Markt direkt konkurrenzieren (Bsp. Fussball-Rechte)? Es gab doch mal einen Grund, weshalb man die PTT und die SRG »getrennt« hatte?! Was ist Ihre Meinung?
Bastien Girod: telekommunikationsmarkt ist ja liberalisiert und swisscom ist marktteilnehmer mit gleichen rechten wie sunrise und orange..
Hans Muster Oftringen: Sie sagen, dass die Grünen erneuerbare Energien nicht bekämpfen. Wie erklären Sie sich dann, dass Umweltverbände bereits zwei geplante Biomasse-Heizkraftwerke der AXPO, um ein konkretes Beispiel zu nennen, verhindert haben und diverse Projekte, vorallem im Bereich Kleinwasserkraft, blockieren ?
Bastien Girod: ich kenne die konkreten beispiele die sie nennen zu wenig. allgemein ist aber zu sagen, dass umweltverbände nichts verhindern können. sie können nur verlangen das ein projekt das gesetz einhält. sonst werden ihre einsprachen abgewiesen und das projekt kann realisiert werden. deshalb sind eher die gesetze zu ändern (z.B. gewisse kulturdenkmal bestimmungen welche solaranlagen auf dächer nicht zu lassen).
Martin TG: Mir ist aufgefallen, dass in meinem Umfeld viele »Grüne« zwar keine Offroader fahren, dafür aber ziemlich alte Autos. Ist denen bewusst, dass sie damit die Umwelt stärker belasten als solche mit einem Neueren? Was sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich?
Bastien Girod: kann schon sein, dass leute die ihr auto wenig gebraucht ein älteres auto haben, welches noch ältere technologie verwendet und deshalb pro km die luft mehr verschmutzt.
felix straub, zug: Herr Girod warum kommt uns bei Ihrem Namen nur die Offroader-Initiative in den Sinn?
Bastien Girod: das müssen sie sich selber fragen. ich war in den letzten jahr nun wirklich zu vielen themen aktiv.
meier, heinz zürich: Wollen Sie immer noch der EU beitreten?
Bastien Girod: ich akzeptiere das bevölkerung das im moment nicht will. sehe aber gleichzeitig, dass wir mitbestimmung verlieren wenn wir nicht in der EU sind. diese frage muss deshalb immer wieder diskutiert und neu beurteilt werden. für nächste 4 jahre ist EU beitritt aber kein thema.
Marcel Odermatt, Zürich: Zum Thema Ausländerpolitik. Was halten Sie vom uneingeschränkten Zuzug von Ausländern. Wie viele Bürger verträgt die Schweiz bzw. deren Bevölkerung?
Bastien Girod: heute ist der zuzug nicht uneingeschränkt. es darf nur in die schweiz wer hier arbeit hat (plus seine familie). die meisten kommen wegen der wirtschaft. ich finde wir müssen uns überlegen wie das bevölkerungswachstum (inkl. zuwanderung) langfristig reduziert werden kann ohne EU bilaterale und humanitäre verantwortung zu gefährden. habe hierzu einen vorstoss gemacht!
M. Isler, Kreuzlingen: Wie möchten Sie gegen die Ausländerproblematik vorgehen?
Bastien Girod: es gibt hier unterschiedliche bereiche. viele probleme sind nicht spezifisch für ausländer. beispielsweise kriminalität muss allgemein bekämpft werden. wichtig ist sicher integrationspolitik und flankierende massnahmen gegen lohndumping, wohnungsmangel etc,
Max Muster Widnau: Herr Girod, wie stehen sie zu den im Moment diskutieren Gaskraftwerken, die den Atomausstieg der Schweiz erleichertern sollen?
Bastien Girod: die grünen sind klar gegen gaskraft.
Daniel Schwizer, Besenbüren: Ich bin nicht befriedigt mit dieser Antwort! Schon seit längerer Zeit will man an mehreren Orten Windräder, Wasserkraftwerke etc bauen, die Grünen bekämpfen dies immer, das passt nicht zusammen!!! ist nicht ehrlich!
Bastien Girod: schauen sie bitte wieviel projekte nicht realisiert werden wegen einsprachen von umweltverbänden und wieviele wegen der blockierung des förderdeckels. sie werden sehen das die allermeisten wegen der bürgerlichen blockierung der förderung nicht realisiert werden.
Baul, Remo, Rünenberg: Weshalb wollten Sie die Offroader Initiative starten? Was halten Sie von Leasing? Wie sieht es mit Ihrer Ausländerpolitik aus?
Bastien Girod: offroader: wegen bedenken bezüglich klimabelastung und gefahr. leasing: von mir aus, ausser für jugendliche die sich dabei verschulden. ausländerpolitik: grosses thema, fragen sie bitte spezifischer.
P.H. Zürich: Warum muss »grün" in der Politik immer automatisch links bedeuten? Nur weil man für die Umwelt einsteht, muss man noch lang nicht gegen freie Marktwirtschaft sein? Oder etwa doch?
Bastien Girod: ich finde das links-recht schema eh veraltet. finde auch das umweltschutz nicht unbedingt links ist. umweltschutz hat auch etwas konservatives, bewahrendes.
benderm eric, bern: lieber Herr Girod, wie stehen sie zu einer Liberalisierung des Strommarktes?
Bastien Girod: ich finde es gut mehr kostenwahrheit im strommarkt zu haben, das wird mit der liberalisierung erreicht.
Pascal Frei, Münchwilen: Sicherlich waren Sie schon einmal an einem Samstag um Mitternacht am Hauptbahnhof in Zürich?! Wie war Ihre Gemütslage? Haben Sie doch sicher zig Ausländer herumlungern sehen?! Sieht so Ihre Schweiz aus?
Bastien Girod: ich habe in meinem leben zweimal eins in die fresse bekommen. beide mal von schweizer.. aber natürlich gibt es auch von ausländer kriminalität. ob von schweizer oder ausländer: ich bin für null toleranz bei gewalt. dafür möchte ich beispielsweise auch mehr polizei. leider wurde das in zürich von den brügerlichen abgelehnt (sparübung).
Daniel Schwizer, Besenbüren: Beziehen Sie auch Strom aus der Steckdose? Ist es nicht kontrovers, AKWs abzuschalten und gleichzeitig alle Bauten zu bekämpfen, die alternativen Strom produzieren würden?
Bastien Girod: ich beziehe bei ewz erneuerbaren strom. aber das ist nicht was ich von anderen verlangen. die politik muss die weichen für die erneuerbaren stellen. wir bekämpfen erneuerbare nicht. das grösste problem ist der förderdeckel (KEV). der muss weg.
Behrer Marc, Basel: Herr Girod, denken Sie, dass die Grünen in Zukunft das Tabuthema Ausländerpolitik etwas selbstkritischer sehen werden? Man gewinnt immer noch der Eindruck, dass dieses Thema eher idealistisch statt realistisch angegangen wird.
Bastien Girod: einverstanden. habe dazu in der woz einen artikel geschrieben. wobei es nach mir nicht darum geht ideale aufzugeben, sondern zu zielkonflikten stellung zu nehmen und antworten zu finden.
Reto Fritschi, Zürich: Mir ist die Umwelt sehr wichtig. Gleichzeitig bin ich freiheitsliebend und liberal. Nennen Sie mir einen Grund, warum ich statt den Grünliberalen die Grünen wählen sollte.
Bastien Girod: gemäss rating der NZZ am sonntag sind die grünen gesellschaftliberaler als die grünliberalen. wir sind auch freiheitsliebend und wollen diese nur einschränken wenn damit die freiheit anderer geschützt wird.
Roth, Phil, Aarau: Warum unterscheiden Sie sich als Grüner optisch mittlerweile kaum mehr von einem SVP, FDP oder CVP-Mann?
Bastien Girod: ich will nicht gleich beim ersten anblick opposition schaffen. die leute sollen mich nicht einfach schubladisieren können, dann achten sie besser auf was ich sage.