Wer ist Eveline Widmer-Schlumpf?

  • Publiziert: 13.12.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Simon Hehli

BERN – Poltern liegt ihr nicht, der neuen Bundesrätin. Als Sachpolitikerin machte sie sich in Graubünden einen guten Namen – und selbst Ueli Maurer überschüttete sie einst mit Lob.

«Bauchweh» hat Eveline Widmer-Schlumpf den Vertretern der harten Zürcher SVP-Linie mit ihrem Kampf gegen das Steuerpaket schon vor vier Jahren bereitet, wie Generalsekretär Gregor Rutz im Juli 2003 gegenüber der «NZZ am Sonntag bekannte. Bereits damals kursierte der Name der Bündnerin als mögliche zweite Bundesrätin – bevor die SVP dann Christoph Blocher durchdrückte.

Damals bekam Widmer-Schlumpf auch prominente Unterstützung: Sie sei eine «sehr valable Kandidatin, eine der kompetentesten Politikerinnen hierzulande», lobte Parteipräsident Ueli Maurer. Trotz dieses Leistungsausweises lässt er die frisch gewählte Bundesrätin nun, vier Jahre später, im Regen stehen.

Sie bekommt es mit einem ganz anderen politischen Klima zu tun als ihr Vater Leon, der von 1980 bis 1987 für die damals noch ziemlich behäbige SVP im Bundesrat sass – doch bringt sie alle Voraussetzung mit, den Job zu meistern. Ein Job, der dadurch erschwert wird, dass ihr ein Grossteil der SVP-Fraktion den Rücken kehrt.

Aufgewachsen ist die 51-Jährige in Felsberg bei Chur, zusammen mit zwei Schwestern. Nach der Matura 1976 studierte sie Jus in Zürich und doktorierte 1990. Ihre politische Karriere begann sie 1989 als Vizepräsidentin der SVP Graubünden, neun Jahre später schaffte sie den Einzug in die Bündner Regierung.

Als Finanzdirektorin erwarb sich die pragmatische SVP-Frau im Steinbock-Kanton einen hervorragenden Ruf, weit über die Grenzen ihrer Partei hinaus. Aufs nationale Parkett trat sie mit ihrem kompromisslosen Kampf gegen das Steuerpaket, gegen das sie ein Kantonsreferendum orchestrierte – 2004 gab ihr das Volk mit Zweidrittels-Mehrheit Recht.

Die Anwältin – verheiratet mit einem Bauingenieur und Mutter von drei Kindern – wird in Bern ganz andere Töne anschlagen als ihr polternder Vorgänger. «Ich bin eine Sachpolitikerin», erklärte sie heute Morgen.

Als zentrales Kriterium für ihre Wahlannahme nannte die neue Bundesrätin den Respekt und die Toleranz – Worte, die nicht unbedingt zum Wortschatz des Anti-Gutmenschen Blocher gehören. Man müsse tolerieren, dass auch einmal jemand anderes Recht haben könne.

Ob die Mitte-Links-Vertreter mit ihrer Strategie, die Blocher-SVP in die Opposition zu verbannen, Recht hatten, wird sich weisen. Klar ist aber, dass Eveline Widmer-Schlumpf mit der Annahme der Wahl nun allen SVP-Hardlinern massive Bauchschmerzen bereitet – nicht nur Gregor Rutz.

Die neue Bundesrätin im Medienrummel

Zitate von Widmer-Schlumpf von ihrer Pressekonferenz vom Vormittag

«Ich werde mich bemühen, Kontakt mit der SVP-Fraktion zu halten. Ich hoffe, wir werden einen Weg finden fürs Gespräch.»

«Ich habe die Rolle der Blocher-Feindin nicht gesucht. Aber jetzt habe ich ja gesagt, und dazu steh ich. Mit allen Konsequenzen.»

«Ich habe zuvor nie zugesagt, eine solche Wahl anzunehmen (was der Bündner SP-Nationalrat Andrea Hämmerle behauptet), und ich habe nie offiziell auf eine Annahme verzichtet (was SVP-Generalsekretär Gregor Rutz behauptet).»

«Mir war immer klar, ohne Fraktion würde es schwer werden. Deswegen habe ich um die Bedenkzeit gebeten.»

«Ich habe aber die Unterstützung der Bündner SVP zugesichert bekommen und auch andere Bundeshausfraktionen wollen mit mir zusammenarbeiten.»

«Mein Vater hat mir keine Ratschläge gegeben.»

«Ich habe in der Nacht auf heute 1200 Mails und SMS bekommen – und daher wenig geschlafen.»

«Ich habe Christoph Blocher als Unternehmer immer sehr geschätzt.» (snx)

Nicht die erste Bundesrats-Dynastie

BERN – Vor Eveline Widmer-Schlumpf ist in der Geschichte des Bundesstaates erst einmal ein direkter Nachkomme eines früheren Regierungsmitglieds in den Bundesrat gewählt worden. Der Waadtländer-FDP Vertreter Eugene Ruffy schaffte es 1893 in die Landesregierung. Sein Vater, Victor Ruffy, war 1867 Bundesrat geworden, hatte das Amt aber nur zwei Jahre inne, bis er 47-jährig an einer akuten rheumatischen Entzündung starb. Auch Sohn Eugene blieb nur sechs Jahre im Amt, da er 1899 Direktor des Weltpostvereins wurde. (AP)

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