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Nach der überraschenden Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf anstelle von Christoph Blocher durfte heute praktisch jeder namhafte Bundespolitiker vor dem Journalistenpulk den Paukenschlag kommentieren – nur der grosse Verlierer des Tages tauchte nirgends auf.
Von Blocher gibt es bis morgen Vormittag nichts zu hören. Der Justizminister wolle mit einer Stellungnahme abwarten, bis alles gelaufen sei, sagte sein Sprecher Livio Zanolari. Nehme Widmer-Schlumpf ihre Wahl nicht an, werde Blocher erneut kandidieren, gab Blochers Sprachrohr wenigstens bekannt.
Nicht viel gesprächiger war der sichtlich gezeichnete SVP-Präsident Ueli Maurer. Die spärlichen Worte hatten jedoch Gewicht. Bundesrat Samuel Schmid sei ab sofort ein Bundesrat ohne Fraktion, sagte Maurer in einem Gespräch mit Schweizer Radio DRS (Blick.ch berichtete).
Maurer begründete die «Entlassung» aus der Fraktion damit, dass sich Schmid habe vereidigen lassen, statt die Wahl abzulehnen. Schmid selbst wollte dies nicht kommentieren. Auch Widmer-Schlumpf werde fraktionslos bleiben, falls sie ihre Wahl annehme, liess die SVP weiter verlauten. An eine Spaltung der SVP in einen liberalen und einen Blocher-treuen Flügel glaubt Maurer nicht.
Mit seiner Einschätzung stösst Maurer bei den anderen Bundesratsparteien auf Unwillen: Sie lehnen eine erneute Kandidatur Blochers ab. Die SVP solle im Falle eines Neins von Widmer-Schlumpf das Ergebnis akzeptieren und eine Alternativkandidatur präsentieren, sagte beispielsweise FDP-Präsident Fulvio Pelli gegenüber dem Schweizer Fernsehen.
Es wäre dann ein ähnlicher Fall wie 1993, als die Bundesversammlung anstelle der offiziellen SP-Kandidatin Christiane Brunner den Neuenburger Francis Matthey wählte – dieser aber zugunsten der neuen Kandidatin Ruth Dreyfuss verzichtete. (SDA/hhs)