BERN – Zeit heilt Wunden. Deshalb wird es an der heutigen Fraktionssitzung der SVP zu keiner Spaltung kommen. Der Blocher-Schock muss zuerst verdaut werden.
Die beiden SVP-Bundesräte Eveline Widmer-Schlumpf (51) und Samuel Schmid (60) werden fehlen. Sie sind ja in der Fraktion nicht mehr erwünscht. Ob der abgewählte und noch bis Ende Jahr amtierende Christoph Blocher (67) kommt, ist noch offen. Eingeladen ist er jedenfalls.Sie steckten gestern nach Beginn der dritten Sessionswoche eifrig die Köpfe zusammen: Die Berner mit den Bernern. Es sind ja längst nicht alle auf der Schmid-Linie. Und die Bündner mit den anderen.Wie die Dynamik so spielt: Zu Beginn überhäufte man sich noch mit möglichen Anträgen: Die Verbannung der beiden Bundesräte aus der Fraktion rückgängig machen. Bildung einer neuen Fraktion oder zumindest einer Unterfraktion, die sich mit den beiden Bundesräten regelmässig trifft. Auswechseln aller bereits nominierten moderaten Fraktionsmitglieder durch Scharfmacher.Gegen Abend bildete sich bei den moderateren Kräften eine, militärisch gesprochen, erste Auffangsstellung: Rettung der bereits nominierten Kommissionsmitglieder!Der Fokus richtet sich in erster Linie auf die Sicherheitspolitische Kommission (SiK). Hier soll der gemässigte Zürcher Bruno Zuppiger (55) Präsident werden. Er ist von der Fraktion bereits nominiert.Daneben sollen weiterhin auch gemässigtere Vertreter, wie die Bernerin Ursula Haller (59) oder der frühere Berufsmilitär Roland Borer (56), in der Kommission wirken, die alle Parlaments-Geschäfte von SVP-Bundesrat Samuel Schmid vorberät.Gestern liess man die Milch also wieder runter: Die SVP-Spitze weiss nach dem Rauswurf der beiden Bündner Brigitta Gadient (47) und Hansjörg Hassler (53) ganz genau, wie heikel das ist. Zieht sie diese Übung durch, riskiert sie die Spaltung.In Sachen Kommissions-Sitze alles so zu lassen, wie man es vorbereitet hat, ist deshalb ein erster Kompromiss auf dem Weg zur Beruhigung.