Grosse Umfrage: Wie viel verdienen unsere Parlamentarier? Sie legen die Karten auf den Tisch

  • Publiziert: 10.05.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Simon Spengler und Georges Wüthrich

BERN – Politiker legen fest, wie hoch die Rente ist, wie viel Kindergeld gezahlt wird, wer wie viel Steuern abzuliefern hat. Aber was verdienen unsere Politiker selbst? 59 Parlamentarier legen die Karten auf den Tisch.

Wie leben unsere Politiker? Um das herauszufinden, schickte BLICK allen National- und Ständeräten einen Fragebogen zu ihrem Zivilstand, Kinderzahl, Wohnsituation und Einkommen zu. 123 Politiker aus allen Parteien antworteten, 100 gaben detailliert Auskunft.

Aber wenn es ums Geld geht, hört der Spass für viele auf. Bei dieser Frage kniffen viele – Schluss mit Transparenz. Nicht gross erstaunt, dass die Multimillionäre im Parlament wie die Fabrikanten Peter Spuhler (SVP, 48) und Johann Schneider-Ammann (FDP, 55) oder Spekulant Hans Kaufmann (SVP, 58) vornehm über ihren Geldbeutel schweigen. Aber auch Linke und Grüne, die am Rednerpult immer Transparenz von anderen fordern, werden beim eigenen Lohn zu spiessigen Kleinbürgern. SP-Präsident Hans-Jürg Fehr (58) schweigt sich darüber genauso aus wie die Grünen-Chefin Ruth Genner (51).

Dabei hätten Letztere gar nicht viel zu verstecken. Sie leben beide von ihrem Nationalratsmandat (rund 90000 Franken) und ihrem Lohn als Parteichefs. Laut Auskunft der Parteizentralen bekommt Genner 11000, Fehr 50000 Franken im Jahr.

Immerhin: Für 59 Parlamentarier ist das eigene Portemonnaie keine heilige Privatsache. Als einziger Parteipräsident steht Christophe Darbellay (CVP, 36) zu seinem Lohn: 175000 Franken. Spitzenreiter ist er damit noch lange nicht, sondern Philipp Müller (FDP, 54) mit einem Einkommen von 1,4 Millionen: «Ich habe kein Problem mit Transparenz. Es ist öffentlich bekannt, was ich mache und es ist öffentlich bekannt, dass ich von morgens bis abends chrampfe.»

Im Durchschnitt geben die Politiker ein steuerbares Einkommen von 86550 Franken an. Sie verdienen also einiges mehr als das Volk, das sie gewählt hat. Der Schweizer Durchschnitt beträgt laut Finanzdepartement 53228 Franken.

Am unteren Ende der Einkommensskala steht mit einem steuerbaren Einkommen von 32000 Franken EDU-Mann Christian Waber (59): «Mein Einkommen ist nur vorübergehend so niedrig, weil ich Schulden aus meiner früheren beruflichen Tätigkeit als Baumeister abziehen kann», sagt er. Aber mehr als 100000 habe er nie verdient. «Wir leben nicht in Saus und Braus, aber bettelarm bin ich nicht. Eher ein reicher Armer.» Nur über eines will Waber nicht reden, nämlich, wie viel er seiner Kirche, der Heilsarmee, spendet: «Hier soll die Rechte nicht wissen, was die Linke tut.»

Mitarbeit: Manuela Mosimann

Wohnen Sie in einer Miet- oder Eigentumswohnung oder in einem eigenen Haus?

Eigenes Haus: 57 Eigentumswohnung: 22 Mietwohnung: 15 Haus gemietet: 1 keine Angabe: 5Durchschnitt SchweizMietwohnungen: 65 ProzentEigenes Haus: 35 Prozent (davon mehr als drei Viertel Einfamilienhäuser)Hier zeigt sich ein tiefer Graben zwischen dem Volk und seinen politischen Repräsentanten. Während im Schweizer Schnitt nur jeder Dritte Wohneigentum besitzt, wohnen von den Politikern drei von vier in den eigenen vier Wänden. Und das quer durch alle Parteien – wobei die Zahl der Mieter bei den Linken höher ist. Kein Wunder, hat der Hauseigentümerverband so viel Einfluss.

Wie viele Personen leben in Ihrem Haushalt?

Eine: 13 Zwei: 33 Drei: 17 Vier und mehr: 37 Schnitt Politiker: 3,04 Schnitt Schweiz: 2,25Die hohe Zahl der Zweipersonenhaushalte bei Politikern erklärt sich durch ihr Alter. Bei vielen sind die Kinder schon ausgezogen, die Eltern sind allein in ihrem Häuschen zurückgeblieben. Wegen der überdurchschnittlichen Kinderzahl von Politikern gibts aber auch auch viele grössere Haushalte. Mit sieben Personen führen Kurt Fluri (FDP, 51) – fünf Kinder – und Hansjörg Walter (SVP, 56) – vier Kinder und ein Angestellter – die grössten Haushalte. Bei der nächsten Haushaltsdebatte im Nationalrat sollten sie doppelte Redezeit erhalten – sie beweisen tagtäglich, wie ein Haushalt im Lot bleibt.

Ist Ihr Partner berufstätig? Falls ja, in welchem Umfang?

Ja: 69 Davon Teilzeit: 37 Nein: 31Sowohl die Frauen von Politikern als auch die Männer von Politikerinnen sind mehrheitlich berufstätig. Die Männer bis auf sieben in einem Vollzeit-Job, die Frauen zu zwei Dritteln in Teilzeit. Von denen, die keinem Beruf nachgehen, ist der Grossteil pensioniert. Der hohe Grad an Berufstätigkeit der Partner erklärt sich auch dadurch, dass die Kinder oft schon erwachsen sind.

Leben Sie in der Stadt, städtischer Agglomeration oder auf dem Land?

Stadt: 36 Agglo: 17 Land: 47Durchschnitt Schweiz Stadt: 42 Prozent Agglo: 31 Prozent Land 27 ProzentPolitiker lieben die Landruhe – Stress haben sie in Bundesbern offensichtlich genug. Während im Schweizer Durchschnitt nur jeder Vierte auf dem Land lebt, ist es bei der Politikergilde fast jeder Zweite. «Ich bin immer froh, wenn ich von Bern nach Hause komme», gibt die überzeugte Landbewohnerin Brigitte Häberli (CVP, 48) zu. «Ich ziehe die Gemeinschaft und die Geborgenheit auf dem Dorf der anonymen Stadt vor», so Häberli.Ganz anders SP-Jungstar Evi Allemann (28): «Ich brauche das pulsierende Leben der Stadt und schätze die Mobilität mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.»

Fazit: Profil des Schweizer Durchschnitts-Parlamentariers

Er ist: männlich verheiratet wurde nie geschieden hat drei Kinder die Kinder gehen selten in eine Krippe oder Hort die Frau ist Teilzeit berufstätig wenn er ein Haustier hat, dann am ehesten eine Katze wohnt in einem Einfamilienhaus auf dem Land hat ein steuerbares Einkommen von 86550 Franken.

Zweifacher Zwillingsvater in der FDP

BERN – Was die grosse BLICK-Umfrage sonst noch alles ans Tageslicht beförderte: Amüsantes und Überraschendes. Der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri (51) ist gleich zwei Mal Vater von Zwillingen geworden. Sie sind heute 9 und 2 Jahre alt. Und auch der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga hat Zwillinge, 19 Jahre alt. Ein bekannter Nationalrat hat im höheren Alter noch ein «Nachzüglerli» bekommen. Der Waadtländer Kommunist Josef Zisyadis (51) ist vor einem Jahr Vater von einem Mädchen geworden. Altersunterschied zum zweitjüngsten von vier Kindern: 14 Jahre... Die Umfrage rief auch in Erinnerung, dass im Parlament ein Waadtländer Ehepaar sitzt: Ehemann Michel Béguelin (71) im Ständerat und Marlys Dormond Béguelin (57) im Nationalrat. Beide sind in der SP. CVP-Nationalrat Pierre Kohler (43) aus dem Jura verzichtet ab November auf sein Amt, um seiner Frau einen verantwortungsvollen Posten zu ermöglichen... Schliesslich zieht sich die Katzenliebe quer durchs Parlament. Nicht nur bei SP-Nationalrätin Barbara Marty Kälin (53) mit ihren acht Katzen Täppeli, Beluga, Sputnik, Tontin, Pajass, Meon, Pirulil und Gaia (im BLICK). Im Leben der SVP-Familie Hans Fehr (60) in Eglisau ZH spielt die schwarze Katze Pinette eine zentrale Rolle. Bei SP-Nationalrätin Christine Goll (50) geht Nachbars Katze ein und aus und SVP-Nationalrätin Ursula Haller (59) hat vor einem halben Jahr ihren 17-jährigen Kater Caesar verloren.

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