Schadet der Wahlkampf der Schweiz?

  • Publiziert: 17.10.2007, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Marcel Zulauf

ZÜRICH – Sind wir ein einig Volk von Rassisten? Ausländische Medien haben diesen Eindruck: Nazi-Karikaturen und hämische Berichte zeichnen ein wüstes Bild von unserem Land.

Die internationale Wochenausgabe der «New York Times» ging bisher am weitesten: Ein Mann macht aus dem Schweizer Kreuz ein Hakenkreuz. Der Nazi-Vergleich sorgte für einen Sturm der Entrüstung. Der Verband Präsenz Schweiz – verantwortlich für den Auftritt unserer Heimat im Ausland – findet die Karikatur überhaupt nicht lustig.

Die bitterböse Zeichnung ist nur der Gipfel dessen, was in den vergangenen Wochen über die Schweiz in ausländischen Medien berichtet wurde.

Schuld an der kritischen Berichterstattung ist der derbe Wahlkampf. Nicht nur die im Ausland als fremdenfeindlich empfundene Kampagne der SVP wurde dort mit Erstaunen beobachtet. Auch die wüsten Ausschreitungen in Bern wurden aufmerksam verfolgt.

Stellt sich die Frage: Schadet dieser Wahlkampf dem Ansehen der Schweiz?

Gut möglich. Immerhin betitelte der britische «Independent» bereits im August unser Land als «Europas Herz der Dunkelheit» und widmete den Vorstössen von rechts – Minarettverbot und Ausschaffungsinitiative – mehrere Seiten (Blick.ch berichtete).

Sogar innerhalb der Grenzen sorgte der Wahlkampf für rote Köpfe und harsche Worte. Bundesrat Pascal Couchpin (FDP) sagte, das politische Klima erinnere ihn an den Faschismus der 1930er-Jahre.

Was meinen Sie: Schadet der Wahlkampf dem Ansehen der Schweiz? Schreiben Sie uns!

Üble Polit-Propaganda

Für «Spiegel Online» ist der elektronische Wahlkampf der SVP ein Beispiel übler Propaganda. Auf der SVP-Homepage kann man in einem Computerspiel schwarze Schafe jagen. Dies sei ein Konzept, das auch die Terrororganisation Al Kaida und die Tierschutzgruppe Peta anwenden würden.

Man kann mit dem SVP-Geissbock Zottel entweder Schweizer Pässe auffangen, «bevor sie in falsche Hände geraten», oder auch die «schwarzen Schafe dorthin zurückkicken, woher sie gekommen sind». Die weissen Schafe soll man «bitte nicht behelligen», steht in der Spielanleitung. (zum)

«Ihr wollt doch auch keine Kirchtürme bei euch»

In einem Interview mit «Spiegel Online» rechtfertigt sich SVP-Bundesrat Christoph Blocher für die umstrittene Wahlkampagne seiner Partei. Es habe ihn verwundert, dass die Schäfchenplakate vier Wochen hingen, ohne dass irgendjemand sie anstössig gefunden habe. Er verneint, dass das schwarze Schaf einen Afrikaner darstelle: «Alle wissen: Das ‹schwarze Schaf› sind kriminelle Ausländer, die man ausschaffen muss.» Die SVP-Strategen hätten sich gar überlegt, das rausgekickte Schaf weiss anzumalen und die anderen schwarz, weil sie offenbar mit dem Rassismus-Vorwurf gerechnet haben. «Aber ein schwarzes Schaf ist nun einmal schwarz», verteidigt der Justizminister das Plakat. Vor einer Abwahl aus dem Bundesrat will er sich nicht fürchten: Er sähe in der Opposition heute viel mehr Möglichkeiten als früher. Als der Interviewer auf die Anti-Minarett-Initiative zu sprechen kommt, sagt Blocher, er könne sich dazu offiziell nicht äussern. Um es dann doch zu tun: Er kenne kein muslimisches Land, das Kirchtürme zulasse. «Wir müssen den Muslimen sagen – erstens: Wir sind eine Demokratie. Zweitens: Wir sind eine christliche Nation. Ihr hättet es doch auch nicht gerne, wenn wir bei euch Kirchtürme bauen würden.» (hhs)

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