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Hans Meier, Zürich: Wieso stehen die Grünen nicht zur Konkordanz? Mit 15% Wähleranteil würde euch niemand den Anspruch verwehren, aber so macht ihr euch nur lächerlich.
Luc Recordon: Die Grünen stehen für die politische, nicht nur für die arithmetische Konkordanz. Das bedeutet, dass der Bundesrat in wichtigen Fragen zusammenarbeiten kann. Das ist mit Bundesrat Blocher nicht möglich.
Hausi Hirz, Luggen: Wieso denken Sie, dass sie der bessere Bundesrat sind als Blocher? Was ist überhaupt Ihr Leistungsausweis?
Luc Recordon: Ich bin vielleicht nicht der beste Kandidat, aber im Gegensatz zu Herrn Blocher loyal und sicher besser ausgebildet. Ich bin Physikingenieur und Dr. jur. Rechtsanwalt. Ich bin auch in Wirtschaftsfragen sehr erfahren (Verwaltungsrat der Kantonalbank Waadt).
Fabio Bär, Emmenbrücke: Die Grünen im Bundesrat, wieso nicht! Aber wieso auf Kosten der SVP, die ebenfalls Gewinner der Wahlen sind? Wieso nicht auf Kosten der Verlierer (SP)?
Luc Recordon: Die Zusammensetzung des Bundesrates ist nicht nur eine arithmetische Frage, die Konkordanz auch nicht. Es müssen auch politische Kriterien respektiert werden: Die Bundesräte müssen die Grundwerte unseres Staates respektieren und den sozialen Zusammenhalt pflegen. Das kann man leider von der blocherschen Linie der SVP nicht erwarten.
Rolf Meier, Zürich: Finden Sie es nicht lächerlich, als Mini-Partei einen Bundesratssitz der grössten von der Schweizer Mehrheit gewählten Partei zu attackieren? Sie haben doch keine Chance!
Luc Recordon: Mit 20 Nationalräten/innen und 2 Ständeraten sind wir keine Minipartei. Das ist ungefähr die Stärke, mit der die SVP den ersten Bundesrat erhielt. Das erste Ziel der Kandidatur besteht darin, die andern Parteien gegen die Blocher-Politik aufzurütteln, erst das zweite Ziel ist ein grüner Bundesrat.
Simon, Luzern: Lieber Herr Recordon, was bringen Sie für uns Deutschschweizer, was Herr Blocher nicht bietet?
Luc Recordon: Loyalität, Teamgeist, Respekt der politischen Institutionen, Achtung der Grundwerte und Respektierung aller Menschen, die in diesem Lande leben. Ich bin nicht machtgierig wie Herr Blocher, sondern für die Begrenzung der politischen Macht.
Stefan Berner, Göschenen: In welchem Amt sehen Sie sich im Bundserat?
Luc Recordon: Wenn ich gewählt würde, müsste diese Frage mit den andern Mitgliedern des Bundesrates geklärt werden. Meine Ausbildung als Physikingenieur und Anwalt sowie meine politischen Prioritäten würden es mir erlauben, das UVEK oder das EJPD zu übernehmen.
J.-N. Longchamp, Dietlikon: Meinen Sie nicht, dass mit 3 Romands im Bundesrat die Romandie überräpresentiert wäre z.B. gegenüber dem Tessin?
Luc Recordon: Die geographische Zusammensetzung im Bundesrat verändert sich. Manchmal gab es nur einen Westschweizer Bundesrat, manchmal gab es drei. Die italienische Schweiz ist tatsächlich oft nicht vertreten, was ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.
A. Jost, Solothurn: Sie verlangen, dass BR Blocher alle gleich respektiert, aber genau dies tun Sie ja auch nicht! Ist ein Widerspruch in sich selber, oder?!
Luc Recordon: Ich respektiere und achte alle Menschen in diesem Land. Respektiert werden bedeutet nicht, unbedingt im Bundesrat vertreten zu sein: das ist kein Menschenrecht! Respektiert werden bedeutet zum Beispiel, nicht ständig des Missbrauchs verdächtigt zu werden.
Michael Weinberg, Heuried: Monsieur, wenn Sie im Bundesrat die Umweltpolitik bestimmen könnten, was wäre Ihre erste Massnahme?
Luc Recordon: Ich würde zuerst eine ehrgeizige Klimapolitik auf die Beine stellen. In den folgenden Bereichen wäre viel mehr zu tun: Energiesparmassnahmen, eine viel stärkere Förderung der erneuerbaren Energien, Unterstützung des öffentlichen Verkehrs.
King Basel: Herr Recordon, sind Sie dafür, dass das Kiffen grundsätzlich legalisiert wird?
Luc Recordon: Ja, ich bin gegen die Kriminalisierung des Kiffens. Aber ich befürworte eine starke Prävention und einen guten Jugendschutz.
Fabian Fuhrer, Zürich: Wie ist Ihre politische Tätigkeit mit der Position als Verwaltungsrat einer Bank vereinbar?
Luc Recordon: Interessante Frage! Für einen Grünen ist ein Sitz in einem Bankverwaltungsrat nur möglich, wenn man etwas für eine umweltfreundliche Bankenpolitik, z.B. gute corporate governence, grüne Anlagefonds, vorteilhafte Kredite für energiesparende Umbauten einbringen kann. Zudem ist die Waadtländische Kantonalbank im Mehrheitsbesitz der öffentlichen Hand und nicht exklusiv profitorientiert.
Walti Frick, Zürich: Wie würde Ihre Co2-Bilanz im Bundesrat aussehen? Verzicht auf Dienstfahrzeug, verzicht auf Auslandsbesuche mit Flugzeug etc.
Luc Recordon: Ein Totalverzicht ist wahrscheinlich nicht möglich. Aber ich würde, wie schon heute, vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
Jackson, Pratteln: Was ist Ihrer Meinung nach Ihr grösster Pluspunkt im Vergleich mit Christoph Blocher?
Luc Recordon: Die Respektierung der Grundwerte unseres Landes und aller Menschen, die da leben.
Timo Schneider, Thierachern: Wie stellen Sie sich die Förderung der erneuerbaren Energie vor und wie werden Sie versuchen, Energie zu sparen?
Luc Recordon: Es braucht einen Gesamtplan des Bundes unter Mitarbeit der Kantone mit ehrgeizigen Zielen, z.B. den raschen Ersatz von rasch energieverschwendenden Apparaten und Fahrzeugen, Minergie-Plus-Standard für alle neuen Gebäude, eine ökologische Steuerreform.
Ron, Zug: Welchen privatwirtschaftlichen Leistungsausweis bringen Sie mit?
Luc Recordon: Ich arbeite seit 25 Jahren als unabhängiger Unternehmer, als Ingenieur und als Jurist und Anwalt. Zudem habe ich während dieser Zeit verschiedene Verwaltungsratssitze wahrgenommen, sowohl bei KMUs wie auch bei Grossunternehmen (waadtländer Kantonalbank).
Aargauer, Aargau: herr recordon, ich fahre gerne auto, ich fliege gerne, ich bin gegen die eu, ich schiesse gerne, ich bin für tieferen benzinpreis, habe ich deswegen keinen anspruch, durch christoph blocher im bundesrat vertreten zu sein? bin ich ein schlechter mensch?
Luc Recordon: Ich habe kein Recht, Ihre Person zu beurteilen, noch weniger, Sie zu verurteilen! Umgekehrt hat niemand das Recht, persönlich im Bundesrat vertreten zu sein.
Carlo Magro, Eggenwil: Sollte ein Bundesrat nicht aus der Partei austreten und nur noch im Dienste des Volks tätig sein?
Luc Recordon: Interessante Frage. Auszutreten ist zuviel verlangt, aber ein/e Bundesrat/in sollte eine gewisse Distanz zur eigenen Partei haben. Genau das hat Bundesrat Blocher nicht.
Luca Pirlo, Zürich: Was spricht gegen Atomenergie?
Luc Recordon: Das Hauptproblem ist die ungelöste Entsorgungsfrage. Zudem ist Atomkraft ein grosses Risiko und keine erneuerbare Energie (Uran ist begrenzt). Zudem: die CO2-Bilanz der Atomenergie ist viel schlechter als meist angenommen.
Hans Müller, Bern: Gibts im Falle ihrer Wahl eine neue Frisur?
Luc Recordon: Schon getan!
Moderator: Liebe Leserinnen und Leser, das wars! Wir bedanken uns, auch im Namen von Ständerat Luc Recordon, für Ihre Fragen.