Eveline Widmer-Schlumpf massiv bedroht

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Georges Wüthrich

CHUR – Angst hat Eveline Widmer-Schlumpf nicht. «Aber etwas vorsichtiger als sonst bin ich schon», sagt die Bundesrätin zwei Tage nach ihrer Wahl.

Der Bundessicherheitsdienst und die Bündner Kantonspolizei nehmen die Drohungen per Mail und SMS ernst. Diese erreichten Eveline Widmer-Schlumpf vor allem in ihrer Bedenk-Nacht vor der endgültigen Entscheidung am Donnerstagmorgen.

Am Wahltag wurde deshalb das normale, ohnehin schon massive Sicherheitsdispositiv für neu gewählte Bundesräte noch verstärkt.

«Ich stehe aber nicht unter Dauerschutz», sagte die neu gewählte Bundesrätin zu BLICK. Das Ganze spiele sich diskret ab.

Hat die mutige Frau jetzt Angst? «Nein, ich habe keine Angst, aber ich bin schon etwas vorsichtiger als sonst.» Sie werde jetzt bestimmt nicht irgendwelche einsamen Spaziergänge unternehmen.

Aber Eveline Widmer-Schlumpf will nicht dramatisieren: «Die positiven Reaktionen überwiegen. Pro 100 SMS und Mails gab es jeweils nur ein böses.» Zum Beispiel: «Gehen Sie nicht mehr allein auf die Strasse.»

Wie geht sie damit um? «Natürlich ist das nicht sehr angenehm, aber leider muss man so etwas heutzutage offenbar zur Kenntnis nehmen.»

Woher die Drohungen stammen, kann sie nicht abschätzen: «Dafür hatte ich gar keine Zeit.» Sie waren unterschiedlich gezeichnet: namentlich als SVP-Sympathisanten. Aber es gab auch anonyme Drohungen.

Bundesrätin Widmer-Schlumpf in der «Arena»

Kaum gewählt, stand die neue SVP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf auch schon die erste SF-«Arena»-Sendung durch. Ihre Kernaussagen: «Ich komme aus einem Wasserkanton. Ein Neubau von AKWs hat für mich keine Priorität.» «Als dreifache Mutter setze ich mich für berufstätige Frauen ein: Die Kinderbetreuung ausserhalb der Familie muss verbessert werden.» Aus dem Publikum nörgelte Weltwoche-Boss Roger Köppel, die Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf sei ein undurchsichtiges Manöver des Parlaments gewesen. Doch davon liess sich die neue SVP-Bundesrätin nicht provozieren: «Die Bundesversammlung hat mit meiner Wahl ihr ureigenes Wahlrecht ausgeübt. Daran war nichts undurchsichtiger als vor vier Jahren, als die CVP-Bundesrätin Ruth Metzler abgewählt wurde.» Moderator Urs Leuthard wollte die neue Bundesrätin festnageln: Wie steht sie zur umstrittenen SVP-Ausschaffungs-Initiative? Eveline Widmer-Schlumpf schlagfertig: «Es gibt einige Punkte, die ich unterstützen kann. Aber ich habe diese Initiative nicht unterschrieben. Vielleicht braucht es einen Gegenvorschlag.» (snx)
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