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Alpha-Tiere sind sie beide, die Bewerber um den 2. Zürcher Standeratssitz: Verena Diener (Grünliberale) und Ueli Maurer (SVP). (Keystone)
Verena Diener: Hallo, liebe FragerInnen, ich bin bereit zum Start und freue mich auf Eure Fragen.
Zünd, Christoph, Niederweningen: Sehr geehrte Frau Diener, ich staune, mit welcher Ruhe Sie jeweils die sehr ruppigen Angriffe von rechts aufnehmen. Kann Sie nichts aus der Ruhe bringen?
Verena Diener: Oh, doch. Aber ich lasse es die anderen nicht spüren. Die «Nachbereitung» gehört zu meinen persönlichen Hausaufgaben.
Heinz, Zürich: Frau Diener, Sie haben meine Stimme. Aber eigentlich nur wegen Maurer. Wieso konnte sich Ihre Partei nicht mit der SP einigen?
Verena Diener: Weil es uns nicht gelang, vor den Wahlen verbindliche «Spielregeln» mit der SP und den Mitteparteien festzulegen. Wir haben daraus wohl alle einiges gelernt...
ursula, meier, bern: die Weihnachtsbeleuchtung in Zürich ist ein Politikum: wie gefällt sie Ihnen?
Verena Diener: Sie gefällt mir gar nicht. Weihnachtszeit hat für mich mit Wärme und Nähe zu tun. Beides finde ich in der neuen Beleuchtung nicht.
Boesch, Claudia, Zermatt: Werte Frau Diener, was wollen Sie am Flughafen ändern, damit alle, inkl. Deutschland, zufrieden sind?
Verena Diener: Alle zufrieden zu stellen ist unmöglich. Die Lösung liegt wohl in der mittleren Unzufriedenheit und verlangt von allen, auf ihre Maximalforderungen zu verzichten.
Reto Hug, Trimmis: Guten Tag Frau Diener! Meine Frage ist, fahren sie ein Auto, das wenig schluckt? Haben Sie schon einmal ein Tier überfahren?
Verena Diener: Ich habe seit 4 Jahren kein eigenes Auto mehr und bin seit 20 Jahren grossmehrheitlich mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs. Ein Tier habe ich zum Glück noch nie überfahren.
R. Schärer, Zürich: Als Mitglied des Freisinns habe ich Sie bereits brieflich gewählt und wünsche viel Erfolg am Sonntag. Ich denke Gutzwiller/Diener wären ein gutes Duo in Bern. Wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten?
Verena Diener: Super – freut mich, herzlichen Dank.
ursula, meier, bern: Weshalb soll ich Ihnen meine Stimme geben?
Verena Diener: Weil der Kanton Zürich für den 2. Sitz eine politisch breit abgestützte, pragmatische und dialogfähige Frau braucht.
roger montani wollerau: Frau Diener, ich drücke Ihnen die Daumen, Sie machen das souverän. Auch dass Sie sich gegen Chantal Galladé selbstbewusst durchgesetzt haben, finde ich super. Das zeigt, dass Sie politisches Format haben und sich gegen Effekthascherei durchsetzen können.
Verena Diener: Wenn das so weitergeht, glaube ich langsam, dass es uns gelingen kann... Danke!
Kathrin Mullis, Dietlikon: Grüezi Frau Diener! Sie haben meine Stimme. Trotzdem eine Frage; steht die SP jetzt hinter Ihnen oder machen die ihr eigenes Ding?
Verena Diener: Die SP ist und war in einer sehr schwierigen Lage. Trotzdem werde ich von vielen unterstützt, manchmal halt auch nur als «kleineres Übel» – aber das kann ich akzeptieren.
Manuel Brack Bern: Die Grünliberale Partei ist ja etwas mehr gegen rechts gerutscht. Meint man, dadurch Stimmen der CVP zu gewinnen?
Verena Diener: Nein. Uns ist es ein Anliegen, aufzuzeigen, dass ökologische Anliegen und ökonomische sich nicht als Widerspruch verstehen müssen. Unsere liberale Grundhaltung bedingt automatisch eine Mitteposition.
Paulo Santangelo, Zürich: Frau Diener, was würden Sie tun, wenn Sie uneingeschränkete Handlungsfreiheit im Bezug auf Privatverkehr, Umweltabgaben, Ölpolitik hätten?
Verena Diener: Ich würde eine ökologische Steuerreform durchführen, ohne dabei aber die Staatsquote zu erhöhen. Das heisst, dass die Besteuerung der Arbeit vermindert werden könnte. Und dann würde ich die Kostenwahrheit stärker ins Zentrum stellen. Das würde unseren Energiekonsum nachhaltig verändern.
Huber, André, Zürich: Sehr geehrte Frau Diener, was sind Ihre Lösungsvorschläge betreffend Jugendkriminalität?
Verena Diener: Das neue, verschärfte Jugendstrafrecht gibt uns die notwendigen Grundlagen. Jetzt gilt es dieses auch konsequent anzuwenden und auch das Geld zur Verfügung zu stellen, damit der Vollzug rasch und effizient umgesetzt werden kann.
ursula, meier, bern: Gestern veröffentlichte TeleZüri ein Voting-Ergebnis: 80% der Zuschauer stimmten für Maurer, 20% für Sie. Nimmt Ihnen das die Hoffnung auf einen Platz im Ständerat?
Verena Diener: Ich bin allen Umfragen gegenüber sehr skeptisch. Der Sonntagnachmittag wird es zeigen. Das Resultat kann sehr knapp werden.
Müller Theo, Maur: Niemand entlastet den Mittelstand und Doppelverdiener und Rentner. Können Sie das ändern?
Verena Diener: Der Mittelstand trägt zur Zeit wirklich am stärksten. Ich bin auch darum der Meinung, dass wir die Individualbesteuerung vorantreiben sollten.
D. Ugolini, Embrach: Sie haben die jüngere Generation im Rennen um den Ständeratssitz ausgeschaltet. Wie gedenken Sie sich für uns jüngere Generation als Familie mit 3 Kindern einzusetzen in Sachen: Krippenplätze, zukunftsgerichtete Energien (insb. Förderungsbeiträge Solarenergie)
Verena Diener: Chantale Galladé hatte leider keine breite politische Unterstützung für den 2. Wahlgang und darum wurden mir die besseren Chancen zugesprochen, mehr Stimmen zu erhalten als Ueli Maurer.
Günter, Sarac, Spreitenbach: Sind sie für mehr Polizisten in Zürich?
Verena Diener: Das Vertrauen in unsere Sicherheit und Ordnung muss gestärkt werden. Eine Massnahme kann zum Beispiel auch heissen mehr Polizisten in der Unterstützungs-Rolle– wie die englischen Bobbies.
Fabio Kern, Emmenbrücke: Was sind Ihre Pläne, wenn Sie am Sonntag nicht gewählt werden? Würden Sie sich weiter politisch einsetzen?
Verena Diener: Klar werde ich mich politisch weiter engagieren. Wir werden in den nächsten vier Jahren viel zu tun haben in der Grünliberalen Partei.
B. Koch, Hagendorn, Kt. Zug: Grüezi Frau Diener, erstmal viel Glück für den Sonntag. Haben Sie eine Ahnung, ob und wann im Kanton Zug eine GLP geplant ist?
Verena Diener: Wir haben in praktisch allen Kantonen Interessenten. Melden Sie sich bitte bei Martin Bäumle. Er koordiniert die Kontakte.
Liebe Frau Diener, was wäre Ihre erste Handlung im Ständerat?
Verena Diener: Ich würde eine Vertrauensbasis schaffen mit den anderen Ständerätinnen und Ständeräte. Darauf lässt sich nachher konstruktive Politik machen.
Spycher, Daniel Zürich: Guten Tag Frau Diener. Was halten Sie von Gentechnik?
Verena Diener: Ich bin sehr zurückhaltend gegenüber Gentechnologie. Grenzen, die einmal überschritten sind, bleiben geöffnet. Was wissen wir über mögliche Folgen?
Ryter, Michael Winterthur: Ich habe mir auch schon überlegt aktiv in der GLP mitzuwirken. Wie nah sind Sie bei den einzelnen Regionalparteien?
Verena Diener: Ich bin überall anzutreffen. Gerade die Basis soll die Politik mitprägen und am Puls der direkten Information sein.
Keller Daniel, Zürich: Für mich politisieren Sie am breiten Volk vorbei. Wieso sollte ich Sie wählen?
Verena Diener: Ich weiss nicht, was für Sie das breite Volk ist. Können Sie mir das noch etwas näher erläutern?
Ryter, Michael Winterthur: Könnten Sie sich vorstellen, die 1. grünliberale Bundesrätin zu werden?
Verena Diener: Diese Ambitionen habe ich nicht. Der Bundesrat darf aber durchaus noch stärker verjüngt werden.
Edgar Fehr, Sempach: Welche Lösung wünschen Sie sich für die Fraktionsbildung: mit EVP oder mit CVP?
Verena Diener: Wir gehören zur politischen Mitte und ich würde diese auch fraktionsmässig gerne verstärken. Eine grosse Koalition hätte auch den Vorteil, dass die Kommissionssitze anders und zwar zugunsten der Mitte verteilt würden. Wir werden das hoffentlich erreichen dieses Wochenende.
Markus Salzmann, Schlieren ZH: Wie sieht es aus mit den Finanzen für den Wahlkampf – es scheint mir, dass auf den Plakatwänden das Lachen des Ueli viel präsenter ist?
Verena Diener: Finanziell hat er auch mehr zu lachen. Ich habe das finanzielle Risiko für beide Wahlgänge selber zu tragen, werde aber von unzähligen Menschen mit Spenden unterstützt. Das macht grosse Freude.
Markus Fehr Aarau: Wieso, Frau Diener, hatten Sie nicht die Vernunft, einer jüngeren Politikerin den Platz zu ebnen?
Verena Diener: hätte ich gerne gemacht, wenn Frau Galladé die Chance gehabt hätte, den Sitz zu erlangen. Da sie aber keine breite Unterstützung erhielt, wäre dies nicht möglich geworden.
Stefan Wyss, Uster: Wie wollen Sie effektiv gegen Rassismus und Rechtsradikale vorgehen? Sehen Sie Gefahr in rechtsradikalen Gruppierungen?
Verena Diener: Alle extremen Gruppierungen sind gefährlich, weil sie meist aggressiv sind. Das konsequente Einfordern unserer rechtsstaatlichen Regeln ist ein Muss. Die notwendigen Gesetze dazu haben wir.
Christian Wartmann, Zürich: Sie haben als Person meine Stimme. Wie können Sie sich jedoch als Partei ein eigenes Profil erarbeiten, um sich nach links und nach rechts stärker abzugrenzen?
Verena Diener: Das wird unsere Hausaufgabe der nächsten 4 Jahre sein und ich hoffe, dass uns das in guter, überzeugender Art gelingen wird.
Felix Kronenberger, Dietikon: Ist die grünliberale Partei nur deshalb erfolgreich, da sie zwei salonfähige Forderungen «grün» und «liberal» verbindet?
Verena Diener: Wir haben heute schon mehr als 700 eingeschriebene Mitglieder. Sie alle bestätigen, dass für sie die liberale Grundhaltung und die Verknüpfung von Ökologie und ökonomie die wichtige Basis für ihren Beitritt zur Politik ist.
Dani, Züri: Ein junger Kollege von mir wurde von mehreren Ausländer verpügelt und ausgeraubt. Was sollen wir gegen solche Leute machen?
Verena Diener: Konsequent durchgreifen. Übergriffe dürfen nicht bagatellisiert werden. Gewalt ist heute ein grosses gesellschaftliches Problem, das uns alle angeht.
Tobias Kalle Aellig, Basel: Liebe Verena Diener: Werden Sie nach den Wahlen in Zürich als Ständerätin der Schweiz «Grüne Steuern» einführen und dafür die Vermögenssteuer senken und so international legalisieren?
Verena Diener: Ich denke nicht, dass die Vermögenssteuer zu senken ist, sondern die Besteuerung der Arbeit ist zu senken. Auch aus Gründen unserer demografischen Entwicklung.
Felix Kronenberger, Dietikon: Ich hoffe Sie werden gewählt. Aber: trübt es Ihre Freude, wenn Sie nur als das geringere Übel gewählt würden und nicht, weil Sie von sich aus überzeugen?
Verena Diener: Ich habe nicht den Anspruch, allen Leuten zu 100% zu entsprechen. Das ist unmöglich. Es geht aber am Sonntag um eine zentrale Weichenstellung. Das gilt es zu bedenken.
Zollinger Markus, Zürich: Sie scheinen über weite Strecken eher lustlos zu agieren. Täuscht mich mein Eindruck oder kandidieren Sie primär, um Maurer zu verhindern?
Verena Diener: Schad, sind Sie nie an eine Wahlveranstaltung gekommen sind. Dann hätten Sie mein Engagement «hautnah» mitbekommen.... aber Sie werden noch Gelegenheit dazu haben.
Daniel Korner, Aarau: Was sagen Sie zum Vorwurf, das die Grünliberalen nur erfolgreich sind, weil sie sich nicht entscheiden können (links oder rechts)?
Verena Diener: Höre ich zum ersten Mal. Es müsste mir erklärt bekommen, wie dieser Vorwurf entstehen kann.
Markus Salzmann, Schlieren ZH: Wie zeigt sich Ihre «Verbindung» zur Wirtschaft; Verwaltungsratssitze, Mandate; Gesundheitswesen, KK, Pharma und andere?
Verena Diener: Gehen Sie bitte auf meine Homepage: www.verenadiener.ch dort finden Sie alle Angaben. Details sprengen den Rahmen hier.
Fabio Kern, Emmenbrücke: Sind Sie für ein neues AKW in der Schweiz oder nicht? Wenn nicht, was bieten Sie für eine Alternative?
Verena Diener: Es wird kein neues AKW brauchen, wenn wir die Energieeffizienz rasch verbessern, mit der Energie grundsätzlich sparsamer umgehen und die erneuerbaren Energien fördern. Das zeigen seriöse Studien.
Hans, Zürich: Werden sie Herrn Maurer gratulieren, wenn er die Wahl gewinnt?
Verena Diener: Selbstverständlich.
Liebe Frau Diener, ich arbeite und zahle alle meine Steuern regelmässig, was spricht dagegen, dass ich mir in meiner Freizeit ab und zu einen Feierabend-Joint gönne?
Verena Diener: Ab und zu einen Feierabend-Joint finde ich nichts dramatisches. Regelmässigen Konsum finde ich persönlich nicht sinnvoll, weil es letztendlich Abhängigkeit zeigt und ich schätze Freiheit und Unabhängigkeit als hohes Gut ein.
Hans, Zürich: Sind sie für strengere Alkoholkontrollen?
Verena Diener: Beim Verkauf? Selbstvertändlich.
Verena Diener: Da ich um 13 Uhr mit dem Zug Richtung Bern muss, kann ich leider keine weiteren Fragen beantworten. Schade. Hat mir Spass gemacht und ich möchte Ihnen allen herzlich danken fürs Mitmachen. Herzlich Verena Diener