Behaltet die Nerven! Bleibt kompromisslos! An die Säcke! Blochers Befehlsausgabe am Bodensee

  • Publiziert: 05.01.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Marcel Odermatt
play Ankunft: Samstagmorgen, 07.40 Uhr: Das Ehepaar Blocher trifft in Horn TG ein. (Karl-Heinz Hug)

Im Bundesrat ist er weg – für seine Partei aber weiter das Mass aller Dinge: Christoph Blocher gab an der Kadertagung im Hotel Bad Horn den Tarif durch.

Die hundert SVP-Kaderleute mussten 200 Franken hinblättern. Dafür bekamen sie am Wochenende im Hotel Bad Horn einiges geboten: Oppositions-Workshops der Hardliner um Christoph Mörgeli (47, ZH), aufmunternde Worte von Ex-Nationalrat Walter Frey (63), ein fünfgängiges Galadinner, ein Referat von SVP-Intimus und «Weltwoche»-Chef Roger Köppel (42) und zum Schluss noch den herbeigesehnten Auftritt von Partei-Übervater Christoph Blocher (67) und Gattin Silvia (63).

Auf die brennendste Frage erhielt die Parteielite aber auch am Samstag keine Antwort. Welche Rolle will Blocher künftig in der Partei spielen? Strebt er das Parteipräsidium an? Auch vier Wochen nach seiner Abwahl lässt er die SVP-Funktionäre weiter zappeln. «Ich werde mich wohl an der Albisgütli-Tagung in zwei Wochen dazu äussern», sagte Blocher am Rande des Treffens zu SonntagsBlick.

Der Parteispitze bleibt nichts anderes übrig, als sich zu gedulden. Kritik am zögernden Blocher? Das wagt keiner. «Er allein entscheidet», sagt Nationalrat Toni Brunner (33, SG), der auch als möglicher Kandidat für das Präsidium gehandelt wird. «In der SVP würde Blocher niemand das Recht absprechen, das Amt einzunehmen», sagt Ständerat This Jenny (55, GL).

In den Pausen wurde denn auch eifrig spekuliert, welche Entscheidung Blocher fällen wird. Der Entschluss dürfte ihm tatsächlich nicht leicht fallen. Er wird am 11. Oktober 68 Jahre alt, das Parteipräsidium ist Knochenarbeit, die sehr viel Energie braucht. Will er sich das nach seinem Bundesrats-Job wirklich antun? Einen wichtigen Einfluss hat Blochers Ehefrau Silvia. Im SonntagsBlick-Interview (oben) lässt sie erstmals durchblicken, dass sie sich freuen würde, wenn ihr Mann in Zukunft etwas kürzertreten würde.

Der Ex-Magistrat machte in Horn nicht das ganze Programm mit. Er reiste erst am Samstagmorgen früh an. In seiner Audi-A8-Limousine – mit privatem Chauffeur, wie Blocher betonte. In seinem dreiviertelstündigen Referat fackelte er nicht lange. Er rief die Kaderleute auf, den Oppositionskurs kompromisslos durchzuziehen und jetzt «an die Säcke» zu gehen. «Die Partei muss jetzt die Nerven behalten», sagt er – auch in Anspielung an die ungeklärte Frage seiner künftigen Position in der SVP.

Die Botschaft kam an, obwohl viele der SVP-Politiker kaum geschlafen hatten. Walter Frey, dessen Emil Frey Gruppe das Hotel Bad Horn besitzt, spendierte die Getränke für das Nachtessen, und dies sorgte für Stimmung. Zahlreiche Tagungs-Teilnehmer zog es anschliessend in die Hotelbar, die die letzten erst um fünf Uhr morgens wieder verliessen. Auch ein zünftiger Kater lässt sich offenbar besser ertragen, wenn ein Christoph Blocher zugegen ist.


Warum sind Sie immer dabei, Frau Blocher?

Silvia Blocher über die politische Zukunft ihres Mannes. Und ihr Befinden nach seiner Abwahl.

Frau Blocher, viele Menschen fragen sich: Warum sind Sie immer dabei, wenn Ihr Mann auftritt?
Silvia Blocher:
Aus Interesse an der Politik und an der Partei. Diese Tagung im Hotel Bad Horn findet jedes Jahr statt. Ich war schon früher ein paar Mal mit dabei, und ich fand es immer sehr anregend.

Welche Rolle wird Ihr Mann künftig in der SVP übernehmen?
Da müssen Sie schon meinen Mann fragen.

Was raten Sie ihm?
Sagen wir es so: Ich fände es sehr schön, wenn er wieder Zeit zum Rosenschneiden hätte. Die hat ihm in den letzten Jahren gefehlt. Und das macht er gerne.

Die Abwahl Ihres Mannes ist bald vier Wochen her. Was empfinden Sie heute?
Ich war in den letzten Jahren immer angespannt und hatte häufig Nackenschmerzen. Im Nachhinein führe ich das auf das politische Klima in Bern zurück.

Wie meinen Sie das?
Mein Mann wurde mit Sperberaugen beobachtet. Was er auch machte – er wurde kritisiert. Das hat sich bei mir mit körperlichen Beschwerden bemerkbar gemacht.

Und jetzt?
Seit der Abwahl sind die Schmerzen wie weggeblasen. 

INTERVIEW: MARCEL ODERMATT

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