Abwahl: Das Husarenstück der Freiburg-Connection

  • Publiziert: 13.12.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Simon Spengler

FREIBURG – Wer sind die Drahtzieher bei Blochers Abwahl? Die Zellen des Widerstands liegen am Röstigraben – in Freiburg.

Am Anfang waren es zwei geheime Zellen, die unabhängig voneinander operierten. Bei beiden spielten Freiburger Politiker die zentrale Rolle. Und beide hatten das gleiche Ziel: den ungeliebten Milliardär aus Zürich aus dem Bundesrat zu jagen. Dazu spannten sie erst kurz vor Zieleinlauf zusammen. Ein politisches Husarenstück.

Zelle 1 Der Freiburger CVP-Fraktionschef Urs Schwaller, sekundiert vom Walliser Parteichef Christophe Darbellay.

Ausgangslage: Nach den Wahlen vom 21. Oktober jubelte die SVP, der Rest der Schweizer Politik schien in Lethargie zu fallen. Ein Angriff auf Blocher sei definitiv erledigt, tönte es landauf landab. Noch in der gleichen Woche stemmte sich Schwaller gegen diesen Defätismus: «Ich kann niemanden wählen, der für Sippenhaft eintritt», erklärte er im BLICK und im Westschweizer «l’Hebdo». So packte er seine CVPler bei ihrem christlichen Gewissen. Auch ein Bekenntnis zur Konkordanz und den EU-Verträgen forderte Schwaller ein. Bedingungen, die Blocher nicht erfüllen konnte.

Doch vorerst wurde es ruhig um den Schwaller-Plan. Interne Einzelgespräche begannen. Bis zum letzten Wochenende. Schwaller schloss öffentlich eine Kandidatur gegen Blocher nicht aus. Darbellay leistete in Interviews Sukkurs. Die beiden wussten bereits, dass mittlerweile die Mehrheit der Fraktion bei einer Abwahl Blochers mitmachen würde.

Das Problem der Freiburger CVP-Zelle: Wer hätte am ehesten Erfolg? Soll Schwaller gleich selbst antreten oder besser ein moderater SVP-Kandidat?

Zelle 2 Der designierte SP-Chef Christian Levrat und SP-Ständerat Alain Berset. Nachdem die SP im Wahlkampf verkündet hatte, Blocher nicht zu wählen, machten die Freiburger nun Nägel mit Köpfen. Seit Mitte November testen sie im Parlament verschiedene Namen. Nach und nach wurden weitere Verbündete eingebunden: Fraktionschefin Ursula Wyss, Noch-Präsident Hans-Jürg Fehr. Zuerst setzen sie auf Bruno Zuppiger, einen SVP-Mann auf Blocher-Linie. Dann wird über SVP-Chef Ueli Maurer diskutiert. Ergebnisse werden zwischen SP- und CVP-Zelle ausgetauscht. Verbindungsleute sind wieder 2 Freiburger: SP-Nationalrat Nationalrat Jean-François Steiert, CVP-Frau Thérèse Meyer.

Erst in den allerletzten Tagen kommt der Name Eveline Widmer-Schlumpf ins Spiel. In Absprache mit den Freiburgern führt der Bündner Andrea Hämmerle Sondierungsgespäche. Resultat: Widmer-Schlumpf würde eine Kandidatur nicht von vornherein ablehnen. Der Durchbruch!

Sofort werden auch Verhandlungen mit den Grünen aufgenommen. Die hatten ja bereits angekündigt, ihren Kandidaten Luc Recordon zurückzuziehen, wenn es einen aussichtsreicheren gäbe. Schnell war man sich einig. Jetzt ging es nur noch um eines: so viele Parlamentarier wie möglich zu überzeugen. Noch in der Nacht auf Mittwoch wurde Überzeugungsarbeit geleistet.

Am Schluss hatte die Freiburg-Connection 125 Stimmen zusammen, Blocher war abgewählt.

play Hotel «Bellevue», Bern, gestern Abend: Die CVP tagt wieder. (Peter Gerber)

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