Wahl-Posse in Bern «Dr. Strangelove» sorgt einmal mehr für Ärger

Er war als Aussenseiter ins Rennen um das Amt des Berner Stadtpräsidenten eingestiegen – nun steigt er wieder aus. Stefan Theiler sorgt für Wirbel in der Bundesstadt.

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Stefan Theiler zog seine Kandidatur als Berner Stadtpräsident zu Gunsten der Frauen zurück – und verärgert damit seine Wähler. Thomas Rickenbach

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Nächsten Sonntag wählen die Bernerinnen und Berner ihren Stadtpräsidenten. Oder ihre Stadtpräsidentin. Denn unter den acht Kandidaten sind auch zwei Frauen: Ursula Wyss (SP) und Franziska Teuscher (Grünes Bündnis). Zu ihren Gunsten hat am Donnerstag einer der sechs Männer seine Kandidatur zurückgezogen – der parteilose Stefan Theiler, in Bern auch bekannt als «Dr. Strangelove». Theiler führt einen DVD-Laden mit diesem Namen in der Berner Altstadt. Dort sorgt der Querkopf immer wieder für Aufmerksamkeit – mit dem Nichtbeachten von Regeln oder kulturellen Veranstaltungen in der Gasse vor seinem Laden.

Er wolle den «Weg für die Frauen» frei machen, begründet Aussenseiter-Kandidat Theiler seinen Rückzug und fordert die Wähler auf, Teuscher oder Wyss die Stimme zu geben. Es müsse verhindert werden, dass der ehemalige Grünen-Nationalrat Alec von Graffenried gewählt werde, den Theiler «vage, energielos und uninspiriert» findet.

Seine Wähler fühlen sich betrogen

Dass er nun einen Sturm der Entrüstung erntet, hat aber nicht mit dem Angriff auf von Graffenried zu tun. Sondern damit, dass seine Wähler sich betrogen fühlen: «Das heisst, meine Stimmen waren für gar nichts?» empört sich einer auf der Website der Zeitung «Der Bund», der offenbar schon gewählt hat.

Wie die Stadtkanzlei gegenüber dem «Bund» sagt, kann Theiler aber gar nicht so einfach von der Wahl zurücktreten. Die Kandidatur sei weiterhin gültig, so Vizestadtschreiberin Monika Binz. Sie könne «im jetzigen Zeitpunkt nicht mehr zurückgezogen werden», erklärt sie. Erst wenn Theiler gewählt sei, könne er erklären, die Wahl nicht anzunehmen.

Unklare Rechtslage

Das Ganze wird noch paradoxer, wenn man bedenkt, dass Theiler mit seiner Kandidatur erst dazu beigetragen hat, dass die Wahl einer Frau im ersten Wahlgang unwahrscheinlicher wird. Und hier fängt die Posse erst richtig an: Für den unwahrscheinlichen Fall, das Theiler im ersten Wahlgang gewählt würde, die Wahl jedoch ausschlagen würde, müsste die Stadt nochmals an die Urne – mit entsprechenden Kosten. 

Wahrhaft kompliziert wird es aber, wenn Theiler auch eine Wahl in den Gemeinderat – die Stadtregierung, für die man als Stapi-Kandidat automatisch kandidiert – ebenfalls ablehnen würde. Ob dann erneut gewählt werden müsste, ist «nicht ganz eindeutig», wie Vizestadtschreiberin Binz sagt. Denn im Proporz-Verfahren würde eigentlich der nächste von der Liste nachrücken. Theilers Mitstreiter auf seiner Liste «Berner Welle» haben das bereits ausgeschlossen.

Von Graffenried und Hess verhindern

Für diesen Fall bleibt eine Hoffnung: Theiler hat erklärt, die Wahl in den Gemeinderat anzunehmen, wenn er damit von Graffenried oder SVP-Nationalrat Erich Hess, der ebenfalls kandidiert, in der Stadtregierung verhindert. Im wahrscheinlichsten Fall hat Bern einfach eine Wahlposse mehr erlebt an dieser an Wahlpossen nicht armen Ausmarchung. (sf)

Publiziert am 19.11.2016 | Aktualisiert am 19.11.2016
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