«Mir reichen vier bis fünf Stunden Schlaf»: Das liess Ueli Maurer in der Vergangenheit verlauten. Maurer, angestrebter Chef der «besten Armee der Welt», erzählte, er stehe jeden Tag um halb fünf Uhr auf – auch am Sonntag.Damit steht er nicht alleine da. «Ich brauche nur wenig Schlaf. Vier Stunden genügen», berichtete CVP-Präsident Christophe Darbellay. Sion-Präsident Christian Constantin begnügt sich mit «drei, vier Stunden». Und André Dosé versuchte die Swiss mit lediglich drei Stunden Schlaf zu retten. «Während der Woche komme ich mit drei, vier Stunden Schlaf aus», erzählte Christoph Blocher einst dem BLICK. Doch unlängst gab er zu, dass er durch die Komplott-Vorwürfe, die in der Affäre Roschacher/Holenweger seitens der
Bundesanwaltschaft gegen ihn erhoben worden waren, etliche schlaflose Nächte verbracht habe. Deshalb habe er das rezeptpflichtige Beruhigungsmittel Rohypnol genommen.«Schlaf bleibt auf der Strecke»Das Kurzschlafen als Trendfalle für die oberen Zehntausend? «Ja, die Tendenz ist schon so, dass von Kaderleuten immer mehr Leistungszeit erwartet wird», erklärt der Psychologe Roger Willi vom Schlaflabor in Zürich-Fluntern, «und dass dabei der Schlaf auf der Strecke bleibt.»Aber können Politiker und Topmanager so ihren Jobs richtig nachkommen? Ueli Maurer, so erzählt die Classe politique, nicke immer öfters ein. Müde und abgekämpft wirke er, hiess es in der «SonntagsZeitung». An Bundesratssitzungen sei er bereits fünf Mal eingenickt. Ebenso an Kommissionssitzungen und öffentlichen Anlässen. Er selbst spricht von Power-Naps. Das sei seine Erholung. Und ausserdem kriege er alles mit.«Irgendwann nickt jeder ein»Wirklich? «Ob er während des Power-Naps Wichtiges verpasst, kann ich natürlich nicht beurteilen», sagt Roger Willi. Grundsätzlich sei ein Power-Nap etwas Gutes. «Der Körper versucht, sich so den verlorenen Schlaf zurückzuholen.»Von einer Schlafdauer von vier Stunden pro Nacht hält der Experte aber längerfristig nichts: «Körperlich ist das nicht gesund und empfehlenswert», so Willi. «Irgendwann nickt jeder ein.» Es gebe zwar Kurzschläfer, die gut mit fünf oder sechs Stunden Schlaf auskämen. Doch früher oder später kompensiere der Körper das. «Und wenn jemand einnickt, dann ist das ein deutliches Zeichen für Schlafmanko.»Also kann man Ueli Maurer nur raten, von Napoelonschen Gewohnheiten wegzukommen. Der schlief auch nur vier Stunden. Und liess sich zitieren: «Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das Kostbarste stehlen: die Zeit.» Doch ein Dieb ist der Schlaf wahrlich nicht. Schon gar nicht, wenn ausgerechnet während eines Nickerchens das Loch in der Militärkasse gestopft würde. Und Maurer hätte es verschlafen. (spj)