
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
In keinem einzigen Kanton wird die Vorlage zur Änderung des Umwandlungssatzes angenommen. 72,7 Prozent Nein: Drei von vier Schweizer Stimmbürgern lehnen die Rentensenkung ab.
So deutlich das Resultat, so hitzig auch die ersten Reaktionen auf das Volks-Nein.
Das Volk habe die «bittere Pille» nicht schlucken wollen, weil das Vertrauen in die Politik fehle, glaubt der Wirtschaftsdachverband economiesuisse enttäuscht.
Volk als Realitätsverweigerer?
Noch weiter geht der Schweizerische Arbeitgeberverband. Er kritisiert die grosse Mehrheit der Stimmbürger und unterstellt ihnen «Realitätsverweigerung zu Lasten der Jüngeren.»
Worte eines schlechtem Verlierers? Der Arbeitgeberverband bleibt bei seiner Haltung: «Leider ist es nicht gelungen, den Souverän von der Notwendigkeit einer Korrektur zu überzeugen.»
Nicht Jung gegen Alt ausspielen
Ganz anders sehen das naturgemäss die Sieger. Das Resultat sei eine Abfuhr für die Pläne jener Politikerinnen und Politiker, die meinen, Sozialabbau damit begründen zu müssen, dass sie Alt und Jung gegeneinander ausspielen», sagt der Gewerkschaftsbund.
Und die Grünen werten das Nein sogar als «ein Zeichen der Solidarität zwischen den Generationen».
Neuer Streit um Rentenalter lanciert
Sollten jetzt Forderungen nach einer Erhöhung des Rentenalters laut werden, so ist Unia-Kopräsident Andreas Rieger überzeugt: «Wer sich mit dem Volk in Sachen Rentenalter anlegen will, bekommt genauso fest aufs Dach wie die Befürworter heute.»
Der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) dagegen sieht nur einen Weg nach dem Nein zum Mindest-Umwandlungssatz bei der Zweiten Säule: «Die Korrektur muss nun über eine Rentenaltererhöhung erfolgen.»
Der negative Abstimmungsausgang ändere nichts an der Tatsache, dass sowohl die staatliche als auch die berufliche Altersvorsorge finanziell abgesichert werden müssten. Neben einem höheren Rentenalter gäbe es zwei weitere Möglichkeiten: Mehreinnahmen und Leistungskürzungen.
Eine Erhöhung des Rentenalters sei nicht mehrheitsfähig, sagte der SVP-Sozialpolitiker auf Anfrage der SDA. Deshalb seien Beitragserhöhungen das einzige Mittel, wenn die Mittel bei der Zweiten Säule nicht mehr ausreichten. Dies wiederum gereiche allerdings zum Nachteil des Wirtschaftsstandortes.
Schwaller will Linke in die Pflicht nehmen
CVP-Ständerat Urs Schwaller will nach dem klaren Nein zum Umwandlungssatz bei der beruflichen Vorsorge nun die Linke in die Pflicht nehmen. Die Leute würden älter und die Linken seien nun die Antwort schuldig, wie so hohe Renditen erzielt werden könnten, sagte er im Schweizer Fernsehen SF. «Hier wird uns die Realität schnell einholen.»
Die Antwort der SP folgt auf den Fuss. Sie stellt noch am Abstimmungssonntag vier Forderungen auf. So will sie mehr Transparenz, strengere Anlagevorschriften (hochriskante Hedge Funds sollen verboten werden), eine Limitierung von Verwaltungskosten und Gewinnen sowie eine unabhängige Aufsichtsbehörde. (sda/roc)