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Am 1. Juli 2009 entschied der Bundesrat, Brigadier Hans-Peter Wüthrich auf den 31. Dezember 2009 nach über 33 Jahren als Berufsoffizier und höheren Stabsoffizier aus der Funktion zu entlassen.
Eine solche Vorruhestandsregelung ist bei Offizieren möglich, die das 58. Lebensjahr erreicht haben. Seine Infanteriebrigade 7 wurde zu einer Reservebrigade zurückgestuft und wird jetzt von Wüthrichs Nachfolger nebenamtlich mit einem Beschäftigungsgrad von 40 Prozent geführt.
200 000 Franken als Vorpension
Doch kaum war Wüthrich im Vorruhestand, gründete er eine eigene Firma und liess sich von der Armee als Berater engagieren – für 1000 Franken im Tag. Dies deckte die «Tagesschau» des Westschweizer Fernsehens TSR auf. Dabei kassiere der frühere Kommandant der 7. Infanteriebrigade im Vorruhestand immer noch ein Jahressalär von 200 000 Franken.
Über die Vorruhestandregelung von Brigadier Wüthrich will Armeesprecher Christoph Brunner nicht reden. Die kenne er nicht. Brunner bestätigt jedoch, dass Wüthrich ein Mandat hat.
«Brigadier Wüthrich wurde beigezogen, weil die Armee unter Hochdruck den Armeebericht erstellen muss» , sagt er . Sein Mandat sei aber betragsmässig ( max. 45 000 Franken) und auch zeitlich beschränkt.
Frührentner muss Ueli Maurer helfen
Der Hintergrund bildet die Reorganisation der Schweizer Armee: Bundesrat Ueli Maurer muss in den Sommerferien einen mehrheitsfähigen Armeebericht ausarbeiten. Darin muss der Verteidigungsminister aufzeigen, wie die Armee künftig aussehen und vor allem wie sie konkret funktionieren soll. Vorgesehen ist laut Maurer eine Verkleinerung des Bestandes von 140 000 Soldaten auf rund 95 000.
Weil die Zeit knapp wird und Wüthrich sofort verfügbar war, holte das VBS den Brigadier. Er habe Interviews mit mit höheren Stabsoffizieren geführt, sagt Brunner. «Die Erkenntnisse aus diesen Interviews fliessen in den Armeebericht mit ein.»
Wüthrich habe die fachliche Kompetenz, das nötige Know-how und das nötige Netzwerk in der Armee, um diese Gespräche zu führen. Es treffe aber zu, dass Dienstleistungsverträge mit Personen im Vorruhestandsurlaub grundsätzlich zu vermeiden seien, erklärte Christoph Brunner.
Armee-Chef André Blattmann steht damit innerhalb eines Monats zum zweiten Mal mit einer umstrittenen Personal- und Lohnpolitik in den Schlagzeilen. Erst Anfangs Juli wurde bekannt, dass er einem Informatiker, den er seit 1979 kennt, einen Beraterposten bescchaffte.
Innerhalb von drei Jahren verdiente dieser sich für seine Expertise rund 740000 Franken. Pikant: Das Berater-Amt wurde niemals öffentlich ausgeschrieben. André Blattmann selber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.