Tag der Menschenrechte «Ein Katastrophen-Jahr»

Heute ist Human Rights Day. Viel zu feiern gibt es nicht. Demokratie und Rechtsstaat seien auf dem Rückzug, sagen Experten. Die Landeskirchen fordern ein Umdenken.

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Zum Gedenken an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, wird am Samstag der Tag der Menschenrechte gefeiert.

Doch zu feiern gibt es nicht viel, wie der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte sagt: «2016 war ein katastrophales Jahr für die Menschenrechte», so Prinz Zeid al-Hussein. Er spricht von einem nie dagewesenen Druck auf die Menschenrechte.

Mehr Kriege, mehr Opfer

Nach einer Phase der Beruhigung um die Jahrtausendwende gibt es heute wieder mehr Kriege und Konflikte, mehr Todesopfer, mehr Flüchtlinge und eine zunehmende Zahl von Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.

Gemäss der Nichtregierungsorganisation Freedom House befinden sich seit zehn Jahren auch Demokratie und Rechtsstaat auf dem Rückzug. Einst demokratische Länder rutschen ab in die Kategorie der halbfreien Staaten. Und früher halbfreie Länder sind heute unfrei (siehe Grafik).

Diese Länder haben sie nicht anerkannt: Zum Tag der Menschenrechte play
Freiheits-Index der NGO Freedom House für das Jahr 2016. Quelle Freedom House /Ringier Infografik

Gegen den Machbarkeitswahn

Auch die Schweizer Landeskirchen nehmen den Tag zum Anlass, auf Probleme hinzuweisen. Die Globalisierung und die rasanten technologischen Entwicklungen hätten die Welt «verfügbar» gemacht, so die Diagnose des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, der Schweizer Bischofskonferenz und der Christkatholischen Kirche der Schweiz.

Satelliten- und Informationstechnologien würden jeden Winkel der Erde sichtbar machen, Biotechnologien erlauben tiefe Einblicke in das Leben selbst. Dass damit fast alles wissenschaftlich erklärbar erscheine, erfüllt die Vertreter der drei Landeskirchen mit Sorge: «Wir sind dabei, uns und unsere Umwelt restlos zu entzaubern, getrieben von der Idee, nichts mehr dem Zufall zu überlassen.»

Die Satten bestimmen über die Hungrigen

Das gelte zumindest für jene, die auf der nördlichen Erdhalbkugel leben. Den Preis dafür würden andere zahlen: «Opfer himmelschreiender Gewalt und Ungerechtigkeit, gegenüber den Folgen des Klimawandels und als Machtlosigkeit derjenigen, die nicht mitreden und entscheiden dürfen», so die Kirchenmänner.

Immer mehr würden allein Geburtsort und Herkunft würden darüber entscheiden, ob jemandem ein Leben auf der Sonnen- oder Schattenseite bevorsteht. Dadurch masse sich ein Teil der Menschheit völlig selbstverständlich an, über die Leben eines anderen Teils zu entscheiden: «die Satten über die Hungernden, die Mächtigen über die Ohnmächtigen, die Geborenen über die Ungeborenen. Und es ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Hochbetagten rechtfertigen müssen.»

Echtes Umdenken gefordert

Angesichts dieser Bedrohungen würden Appelle an die Menschenwürde nicht ausreichen. «Stattdessen ist ein Umdenken nötig, dem ein anderes Handeln folgt», fordern die Landeskirchen. (sf)

Publiziert am 10.12.2016 | Aktualisiert am 30.12.2016
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6 Kommentare
  • Fritzpeter  Friedli , via Facebook 12.12.2016
    Wir haben längst verloren, die Vermassung weltweit wird kommen mit und ohne Initiativen. Wir sind längst in der Abhängigkeit der Globalisierung, das Gefälle von der 1. zur 2. zur 3. und 4. Welt nimmt ein Ausmass an, dass die weltweite Wanderungsbewegung nicht mehr stoppen kann. Weltbevölkerung im Jahr 2100 Uno erhöht Prognose auf elf Mrd. Menschen Uno rechnet im Jahr 2100 mit einer Weltbevölkerung von 11,2 Mrd. Deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Afrika wird sich in 84 Jahren ver4fachen!
  • Rolf  Gurtner aus Münsingen
    11.12.2016
    Die Katastrophe heisst einzig: Mensch. Wir vermehren uns wie die Karnickel und konsumieren, als hätten wir hunderte Planeten zur Verfügung. Jeder weiss, dass es so niemals weitergehen kann. Aber es wird munter weitergemacht. Bin bloss noch gespannt, was zuerst schlappmacht; die Natur oder die Wirtschaft.
  • Peter  Stierli aus Geroldswil
    10.12.2016
    2016 war ein Katastrophen Jahr!? Spätestens in 7,5 Milliarden Jahren wird die Erde naturbedingt nicht mehr existieren, also noch viel Zeit für viele Katastrophen Jahre. Ich würde gerne unsere Welt in tausend Jahren sehen und es wäre dann auch interessant, Meinungen von Experten und Kirchen zu hören.
  • Annemarie   Setz 10.12.2016
    Wenn man sieht, was für Menschen Länder regieren oder neu regieren wollen, glaubt man wohl kaum, dass 2017 besser wird. Es geht nur noch um Macht, Einfluss, strategische Ziele. Das gilt für Ost und West, von Nordkorea bis nach Syrien, Ukraine, USA. Menschen und ihre Sorgen und Nöte sind bedeutungslos geworden. Man kann nur immer noch hoffen, dass die Einsicht irgendwann kommt, dass es um unsere Erde, die Umwelt, die Menschen und auch die Tiere geht, und nicht nur ums Geld. Wer weiss?
  • Rolf  Neeracher , via Facebook 10.12.2016
    Gib und dir wird gegeben, Geben ist seliger denn nehmen und wie all die Redewendungen gehen haben alle etwas Wahres. Solange jedoch die Satten, Mächtigen oder auch Eliten immer weniger geben (zB Lohn, Anerkennung, Fürsorge, Bildung, Pflege) oder für das Gegebene immer mehr Verlangen (Kosten, Effizienz, Einsatz), hat man schlicht und einfach auch nichts mehr von alledem zum den Bedürftigen weiter zu geben. Die Bedürfnispyramide gilt für alle, nicht nur für Bedürftige.