Unfallversicherer setzt auf Big Data Die Suva weiss jetzt, ob Sie süchtig nach Medikamenten sind

Unfallversicherer Suva analysiert mit Computer-Power Hundertausende von Rechnungen: So finden die Experten Hinweis auf Medikamenten-Missbrauch, Fehlverschreibungen und falsche Leistungen. Letztes Jahr hat die Suva so 200 Millionen Franken eingespart.

Geben Apotheker bald rezeptpflichtige Medikamente ab? (Symbolbild) play
Dank der Analyse von Rechnungen will die Suva ab dem kommenden Sommer Medikamentenmissbräuche aufdecken. KEYSTONE/Gaetan Bally

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Ab Sommer 2016 kann die Suva mit neuen Algorithmen systematisch den Missbrauch von Medikamenten identifizieren. Das gab der Unfallversicherer gestern bekannt. Schon heute kontrolliert die Unfallversicherung, ob der Preis eines Schmerzmittels stimmt und ob es zur betreffenden Diagnose passt. Neu wird sie dank Big Data aber auch automatisch nachvollziehen, ob sich die Dosis in einem vernünftigen Rahmen bewegt. So fliegen etwa Patienten mit Suchtverhalten auf, die mit Tricks an mehr Medikamente gelangen, als verschrieben wurden. Laut Suva-Sprecherin Gabriela Hübscher erkennt das System beispielsweise, wenn Patienten ihre Schmerzmittel-Rezepte gleich bei mehreren Apotheken einlösen.

Für die Suva ist Big Data kein Neuland. Bereits seit 2013 kann die Suva systematisch Leistungen erkennen, die nicht zu den angegebenen Verletzungen passen. Dazu gehören beispielsweise Medikamente, die keinen Zusammenhang mit dem Unfall haben, etwa solche gegen Grippe, Zuckerkrankheit oder Gicht. Weiter findet das Computersystem Unstimmigkeiten bei den Abrechnungen mit dem Fallpauschalensystem Swiss DRG. Sprecherin Hübscher erklärt dazu: «Es gibt Fälle, die liegen an der Grenze zwischen zwei Diagnosegruppen und fallen durch einen minimalen Unterschied entweder in die eine oder andere Kategorie.» Die Kostenfolge könne aber mehrere 10 000 Franken sein. Auch hier analysiert die Suva aus Millionen von Daten den typischen Verlauf medizinischer Fälle. Weicht ein Fall davon ab, kommt vom System ein Hinweis.

Dazu benötigt die Suva aber keine individuellen Daten oder persönliche Informationen über die Patienten. Sprecherin Hübscher erklärt warum: «Wir haben für jeden Heilungsverlauf eine Modellvorstellung.» So sei aufgrund von jährlich rund 50'000 Knieverletzungen recht klar, wie lange eine solcher Fall normalerweise daure, welche Therapien und Medikamente dafür nötig sind. «Wenn in der Rechnung aber plötzlich statt Schmerzmittel oder Blutverdünner Herzmedikamente auftauchen, meldet das System die Abweichung.» Damit ist klar: Die Suva nutzt ausschliesslich anonymisierte Daten aus den Rechnungen, um ihre Analysen zu machen. Die Versicherten müssen sich also nicht davon fürchten, dass die Unfallversicherung sie als «gläserne Patienten» behandelt.

290'000 Rechnungen zurückgewiesen

Seit Anfang Jahr kann die Suva zudem Kennzahlen von Leistungserbringern wie Spitälern oder Ärzten errechnen. Dafür analysiert eine Software das Abrechnungsverhalten vergleichbarer Leistungserbringer. Hübscher nennt dazu ein Beispiel: «Verschreibt ein Arzt jedem seiner Patienten Vitamintabletten, egal ob zweckmässig oder nicht, macht uns das System darauf aufmerksam und wir klären diesen Fall ab.»

Durch den Einsatz von Big-Data-Technologien sparte die Suva im Jahr 2015 über 200 Millionen Franken. Das sind 40 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. «Unser oberstes Ziel als selbsttragendes Unternehmen ist es, die Prämiengelder unserer Kunden korrekt und fair einzusetzen», sagt Hübscher. 2015 kontrollierte die Suva allein 2,5 Millionen Rechnungen von insgesamt 600'000 laufenden Fällen. Rund 290'000 Rechnungen wies sie zurück – also in etwa jede Achte.

Auch Krankenkassen setzen auf Big Data

Auch Krankenversicherer setzen auf neue Datentechnologien. Sowohl bei der CSS als auch bei der Concordia durchlaufen die Rechnungen von Ärzten, Spitälern oder anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen laut der «Neuen Luzerner Zeitung» erst eine systematische Prüfung durch Computer, die mit Angaben zu üblichen Kosten gefüttert sind. Fallen der Software Abweichungen auf, werden sie von Mitarbeitenden genauer überprüft.

Die Suva hat ihre Datenanalyse-Kapazitäten seit 2013 stetig ausgebaut. Bisher hat die Versicherungsanstalt rund zwei Millionen Franken in die Technologien investiert. Mit Blick auf das jährliche Sparpotenzial ist der Betrag mehr als gut investiert. Sprecherin Hübscher sagt dazu:  «Die Kontrolle von heute ist die Prämie von morgen.» Oder anders gesagt: Jeder Franken, den die Suva nicht ausgibt, nützt den Versicherten. Dies, weil damit die Prämien nicht erhöht werden müssen. 

Publiziert am 09.03.2016 | Aktualisiert am 17.06.2016
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  • Martin  Huerlimann 09.03.2016
    Kein Arzt in der Schweiz verschreibt bei einem Knieproblem ein Herzmedikament,oder eines für Diabetes.Ohne Rezept kein Bezug.
    Diese Geschichte glaube ich nicht.
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    09.03.2016
    200 Millionen Franken spart man nicht wegen betrügerisch bezogener Grippemedikamenten oder überflüssigen Vitaminpillen. Dieser Artikel wird auf harmlos getrimmt. Was ist, wenn ein verletztes Knie langsamer verheilt als die Norm? Wird dann der Arzt gestraft oder Patient als Simulant hingestellt? Soll sich dann ein Arzt noch bemühen und der Sache auf den Grund gehen, wenn die SUVA schon im voraus weiss, wie man ein kaputtes Knie korrekt behandelt? Mit solchem schaffen sich Versicherungen selber ab
  • Niels  Huggli aus Zug
    09.03.2016
    Ich dachte, dass sei die Aufgabe der Polizei Kriminalität aufzudecken. Es ist gut, dass gegen Süchtige etwas getan wird. Niemand hat diese Leute gezwungen süchtig zu werden, darum sollten die das auch selber bezahlen.