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Ich weiss nicht, ob Moritz Leuenberger den SonntagsBlick abonniert hat. Ich weiss nur, dass er einmal im Interview mit der «Aargauer Zeitung» über seine Lesegewohnheiten sagte: «Ich bin kein verbohrter Politik-Maniac, der den ganzen Tag nur an seine Neat denkt. Ich sehe die Zeitung als Ganzes mit Annoncen und Werbung, und Werbefilme liebe ich ohnehin sehr. Im Kopf gestalte ich ständig welche.»
Sympathisch, der Mann.
Weniger Sympathisch sind die neusten Pläne zur Fernsehwerbung aus seinem Departement. Sie legen die Vermutung nahe, dass Medienminister Leuenberger seine seltsame Leidenschaft gern mit der ganzen Schweiz teilen möchte: Werbefilme schauen.
Um der SRG zusätzliche Millionen zu verschaffen, soll der Bundesrat die Werbevorschriften vor 18 Uhr und nach 23 Uhr lockern: Neu soll das Fernsehen Sendungen, die mindestens 30 Minuten dauern, durch Reklamespots unterbrechen dürfen. Zwischen den Sendungen ist Werbung sowieso erlaubt. Bei geschickter Programmierung heisst das konkret: Werbung im Viertelstundentakt.
Das ist gut für die SRG, die ihre Finanzlöcher stopfen will. Das ist vielleicht auch gut für Leuenberger, der Werbespots liebt. Aber ist es gut für die Schweiz? Für Sie und mich?
In unseren Nachbarländern gehen die staatlich geförderten Fernsehanstalten in die entgegengesetzte Richtung. ARD und ZDF sind ab 20 Uhr komplett frei von Werbung. Und auch der ORF schickt seine Zuschauer nicht mitten in der spannendsten Szene zum Kühlschrank. Kein Wunder, dass Blockbuster, die gleichzeitig auf mehreren Sendern laufen, von vielen Schweizern am liebsten auf dem österreichischen Kanal verfolgt werden.
Vielleicht sollten wir wieder mal ein wenig lauter darüber nachdenken, was wir für 1,1 Milliarden Gebührenfranken von unseren Staatssendern erwarten. Präzise, schnelle Nachrichten. Seriöse Informationen. Recherche und Qualität. All das, wofür Trash-Sender meistens kein Geld übrig haben.
Mehr Unterbrecherwerbung ist das Letzte, was das Profil des öffentlich-rechtlichen Fernsehens schärfen könnte.
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Phillipe Pfister, stv. Chefredaktor SonntagsBlick.