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Eine Frau vor einem Abstimmungsplakat zur Rauchverbots-Initiative (Archiv) (Keystone)
Die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» droht abzustürzen. Die Lungenliga macht dafür «Unwahrheiten» der Abstimmungsgegner verantwortlich.
Zwei Wochen vor der Abstimmung hat die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» deutlich an Zustimmung eingebüsst. Nur noch 41 Prozent der Stimmbürger befürworten die Vorlage, ein Rückgang von fast 20 Prozentpunkten gegenüber der letzten Umfrage vor einem Monat.
Gleichzeitig legten die Gegner von 36 auf 52 Prozent zu. 7 Prozent der Befragten waren unentschlossen, wie die heute veröffentlichte SRG-Trendumfrage ergab.
Zum Meinungsumschwung haben offenbar die Parolenfassungen der Parteien beigetragen: Die Wähler der CVP, der FDP und der SVP kippten gegenüber der letzten Umfrage mehrheitlich ins Nein-Lager – getreu den Parolen der drei bürgerlichen Parteien.
Das wichtigste Argument der Gegner ist, die Initiative sei eine «Zwängerei» und die heutigen Vorschriften reichten aus.
Den Grünen Nationalrat Geri Müller – «in meinem Büro darf geraucht werden» – überrascht das Umfrageergebnis nicht. «Die Gesundheit der Mitarbeitenden ist bereits heute längst gewährleistet», ist er überzeugt.
«Der hohe Verlust erscheint uns wenig plausibel», sagt hingegen Barbara Weber von der Lungenliga. «Wir können uns diese Zahlen fast nicht erklären» – fast, denn mitverantwortlich für den Absturz macht Weber die Kampagne der Initiativgegner, «die Unwahrheiten verbreitet».
Diese hätten behauptet, mit einem Ja würde das Rauchen an allen Einzelarbeitsplätzen oder auch draussen verboten, was schlicht nicht stimme. «Wir haben ein Rechtsgutachten das belegt, dass an einem Arbeitsplatz, wo niemand passiv rauchen muss, weiter geraucht werden dürfte.» (sda/per/vuc)
Heute müssen noch Zehntausende von Gastronomiemitarbeitenden im schädlichen Tabakrauch arbeiten. Sie riskieren Herzinfarkte und Lungenkrebs. Mit der Initiative werden alle Arbeitnehmer in der Schweiz vor Passivrauchen geschützt.
Beim Gesundheitsschutz braucht es eine einheitliche nationale Regelung, keinen kantonalen Flickenteppich. In acht Kantonen gilt die Regelung, wie sie die Initiative verlangt: Öffentlich zugängliche Innenräume und Innenraum-Arbeitsplätze sind rauchfrei. In Restaurants sind unbediente Fumoirs möglich. Diese Lösung ist vernünftig und fair.
Das Rauchen wird nicht verboten. Wer rauchen will, soll das tun können: in Fumoirs, draussen, zu Hause oder auch am Einzelarbeitsplatz, wenn niemand beeinträchtigt wird. Die persönliche Freiheit hört dort auf, wo Dritte geschädigt werden. Das hat nichts mit Zwängerei zu tun.
Angestellte arbeiten selten freiwillig in Raucherlokalen oder bedienten Fumoirs: Heute kann es sich niemand leisten, einen Job nicht anzunehmen. Und es macht einen grossen Unterschied, ob jemand nur selber raucht oder ob er auch noch acht Stunden täglich in verrauchter Luft arbeiten muss. Das Beizensterben ist eine Mär der Gegner. Die Beizenkultur hängt nicht vom blauen Dunst ab.
Ich bin seit über 60 Jahren Gastwirt. Erfolg hatte ich, weil ich meinen Gästen das anbieten konnte, was sie wünschten. Wenn ich sie zu erziehen versuchte, scheiterte ich immer. Eine Mehrheit der Gäste wünschte rauchfreie Lokale. Sie haben sie bekommen; gut so.
Doch jeder dritte Gast möchte nach dem Essen eine Zigarette geniessen. Wie viele meiner Kollegen habe ich für diese starke Minderheit Fumoirs gebaut. Wie das funktioniert, sehen Sie etwa in meinem Restaurant «Le Chef» in Zürich. Raucher und Nichtraucher kommen bestens aneinander vorbei, es herrscht eine entspannte Stimmung.
Alle Mitarbeitenden haben freiwillig zugestimmt, hier zu arbeiten, manche rauchen selber. Ich bin Nichtraucher, Asthmatiker und seit vielen Jahren Mitglied der Lungenliga. Mit meinen Beiträgen möchte ich die Forschung unterstützen, aber keine taliban-mässigen Kampagnen, die weit über das Ziel hinausschiessen.
Liebe Lungenliga, es reicht jetzt. Du hast mit der ersten Stufe der Rauchverbote viel erreicht. Jetzt aber nicht übertreiben! Okay, Rauchen schadet der Gesundheit. Aber wir brauchen Toleranz und Rücksicht. Raucher sind auch Menschen, die Rücksicht verdienen.
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