Volksinitiative droht abzustürzen Umfrage: Schwerer Rückschlag für Rauchgegner

  • Publiziert: 12.09.2012
play Eine Frau vor einem Abstimmungsplakat zur Rauchverbots-Initiative (Archiv) (Keystone)

Die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» droht abzustürzen. Die Lungenliga macht dafür «Unwahrheiten» der Abstimmungsgegner verantwortlich.

Zwei Wochen vor der Abstimmung hat die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» deutlich an Zustimmung eingebüsst. Nur noch 41 Prozent der Stimmbürger befürworten die Vorlage, ein Rückgang von fast 20 Prozentpunkten gegenüber der letzten Umfrage vor einem Monat.

Gleichzeitig legten die Gegner von 36 auf 52 Prozent zu. 7 Prozent der Befragten waren unentschlossen, wie die heute veröffentlichte SRG-Trendumfrage ergab.

Zum Meinungsumschwung haben offenbar die Parolenfassungen der Parteien beigetragen: Die Wähler der CVP, der FDP und der SVP kippten gegenüber der letzten Umfrage mehrheitlich ins Nein-Lager – getreu den Parolen der drei bürgerlichen Parteien.

Das wichtigste Argument der Gegner ist, die Initiative sei eine «Zwängerei» und die heutigen Vorschriften reichten aus.

Den Grünen Nationalrat Geri Müller – «in meinem Büro darf geraucht werden» – überrascht das Umfrageergebnis nicht. «Die Gesundheit der Mitarbeitenden ist bereits heute längst gewährleistet», ist er überzeugt.

«Wir können uns das nicht erklären»

«Der hohe Verlust erscheint uns wenig plausibel», sagt hingegen Barbara Weber von der Lungenliga. «Wir können uns diese Zahlen fast nicht erklären» – fast, denn mitverantwortlich für den Absturz macht Weber die Kampagne der Initiativgegner, «die Unwahrheiten verbreitet».

Diese hätten behauptet, mit einem Ja würde das Rauchen an allen Einzelarbeitsplätzen oder auch draussen verboten, was schlicht nicht stimme. «Wir haben ein Rechtsgutachten das belegt, dass an einem Arbeitsplatz, wo niemand passiv rauchen muss, weiter geraucht werden dürfte.» (sda/per/vuc)

Pro: Lungenarzt Otto Brändli

Heute müssen noch Zehntausende von Gastronomiemitarbeitenden im schädlichen Tabakrauch arbeiten. Sie riskieren Herzinfarkte und Lungenkrebs. Mit der Initiative werden alle Arbeitnehmer in der Schweiz vor Passivrauchen geschützt.

Beim Gesundheitsschutz braucht es eine einheitliche nationale Regelung, keinen kantonalen Flickenteppich. In acht Kantonen gilt die Regelung, wie sie die Initiative verlangt: Öffentlich zugängliche Innenräume und Innenraum-Arbeitsplätze sind rauchfrei. In Restaurants sind unbediente Fumoirs möglich. Diese Lösung ist vernünftig und fair.

Das Rauchen wird nicht verboten. Wer rauchen will, soll das tun können: in Fumoirs, draussen, zu Hause oder auch am Einzelarbeitsplatz, wenn niemand beeinträchtigt wird. Die persönliche Freiheit hört dort auf, wo Dritte geschädigt werden. Das hat nichts mit Zwängerei zu tun.

Angestellte arbeiten selten freiwillig in Raucherlokalen oder bedienten Fumoirs: Heute kann es sich niemand leisten, einen Job nicht anzunehmen. Und es macht einen grossen Unterschied, ob jemand nur selber raucht oder ob er auch noch acht Stunden täglich in verrauchter Luft arbeiten muss. Das Beizensterben ist eine Mär der Gegner. Die Beizenkultur hängt nicht vom blauen Dunst ab.

Kontra: Wirte-Legende Fred Tschanz

Ich bin seit über 60 Jahren Gastwirt. Erfolg hatte ich, weil ich meinen Gästen das anbieten konnte, was sie wünschten. Wenn ich sie zu erziehen versuchte, scheiterte ich immer. Eine Mehrheit der Gäste wünschte rauchfreie Lokale. Sie haben sie bekommen; gut so.

Doch jeder dritte Gast möchte nach dem Essen eine Zigarette geniessen. Wie viele meiner Kollegen habe ich für diese starke Minderheit Fumoirs gebaut. Wie das funktioniert, sehen Sie etwa in meinem Restaurant «Le Chef» in Zürich. Raucher und Nichtraucher kommen bestens aneinander vorbei, es herrscht eine entspannte Stimmung.

Alle Mitarbeitenden haben freiwillig zugestimmt, hier zu arbeiten, manche rauchen selber. Ich bin Nichtraucher, Asthmatiker und seit vielen Jahren Mitglied der Lungenliga. Mit meinen Beiträgen möchte ich die Forschung unterstützen, aber keine taliban-mässigen Kampagnen, die weit über das Ziel hinausschiessen.

Liebe Lungenliga, es reicht jetzt. Du hast mit der ersten Stufe der Rauchverbote viel erreicht. Jetzt aber nicht übertreiben! Okay, Rauchen schadet der Gesundheit. Aber wir brauchen Toleranz und Rücksicht. Raucher sind auch Menschen, die Rücksicht verdienen.

Beliebteste Kommentare

  • Milo  Baechtold , via Facebook
    Seit Tausenden von Jahren wird geraucht. Ein Wunder, dass die Menschheit noch nicht ausgestorben ist bei all diesen vielen Passivraucher-Toten.
  • Antonio  Ceresa , via Facebook
    persönliche Freiheiten hören da auf wo dritte geschädigt werden.. bei so einer Aussage muss ich einfach lachen. Seine Auffassung in Sachen "schädigen" sollte man in dem Falle auch auf jeglichen Personenverkehr, Luftfahrt, sämtliche Arten des Einkaufs im Bereich der Lebensmittel usw sofort verbieten. Schliesslich konsumiert man ja auch ungewollt schädliche Stoffe, welche Krebs verursachen können. Irgendwann muss auch mal Schluss sein mit dieser Panikmacherei mit der Gesundheit! Oder müssen wir in 5 Jahren eine Sonderbewilligung beantragen für einen Big Mac...

Alle Kommentare (33)

  •   Heinz Knauser , z.Zeit in Thailand
    Ich mag nicht mehr darüber schreiben!
    Die einzigen Hetzer das ist die Lungenliga!
    Die Quittung für die zwängerei bekommen Sie am 23 September!
    Bin nicht Raucher aber so geht es nicht!
    • 14.09.2012
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  •   Heinz Knauser , z.Zeit in Thailand
    Eines Tages merken es auch die Meckerer, wenn die AHV Beiträge steigen!
    Hauptsache Sie können gut Atmen in den Abgasen der Städte!
    Muttis bringt eure Kinder nicht mit dem Auto zur Schule , dann ja dann habt Ihr einen Beitrag geleistet !
    • 13.09.2012
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  • rene  spring , Villigen
    Geht endlich an die Urne und wählt, ihr Nichtraucher, sonst geht nachher wieder das grosse Jammern los!
    • 13.09.2012
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  • Tanja  Bütler , Basel , via Facebook
    Schade, dass sich viele Leute von Schlagworten wie "Zwängerei" mehr beeinflussen lassen als von guten Argumenten. Es geht hier darum, schweizweit eine vernünftige Lösung umzusetzen, die sich in vielen Kantonen bereits bewährt hat, die Arbeitnehmer schützt und Gesundheitskosten spart. JA!!! Jede Stimme zählt jetzt!!!
    • 13.09.2012
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  • Paul  Stutz-Romer , Stäfa
    Leute die im Gastgewerbe eine Stelle annehmen,wissen im Voraus hier wird geraucht.Diese Leute haben auch einen Bildungsweg hinter sich und wissen ganz genau was auf sie zukommt.Aber es gibt eine Sorte Menschen,die sind von sich so voreingenommen und Besserwisser, aber in der Schweiz braucht es schlicht und einfach diese Besserwisser nicht,die die anderen Eidgenossen schrittweise bevormunden wollen.
    PS.Ich war auch starker Raucher,bin aber seit ca 20 Jahren Nichtraucher .Ich warte auf den Moment wo uns vorgeschrieben wird,wann zu welcher Zeit wir wievielmal die Toilette aufsuchen dürfenGewässerschutz
    • 13.09.2012
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