Gezwitscher aus Bern Twitter erobert das Bundeshaus

Es gibt schnellere Medien als Pressemitteilungen und Parteiverlautbarungen, um über den Politbetrieb zu informieren. Immer mehr Parlamentarier twittern. Und mit dem Start der Frühjahrsession am nächsten Montag dürfte das gezwitscher aus Bern noch lauter werden.

  • Publiziert: 20.02.2012
  • Von Peter Brühwiler

Samstag, 18. Februar, 17.24 Uhr: «Bin an Vorbereitung für UREK am Montag. Erstes Traktandum: Vetorecht für Kantone, welche Tiefenlager für AKW-Abfälle ‹beherbergen› sollen.» Was über Twitter auf den ersten Blick als simple Information daherkommt, wird durch das angeführte «beherbergen» zum Statement eines Atomenergiegegners. Gemacht hat es Bastien Girod (Grüne/ZH).

Er twittere vor allem politische Meinungen und «ab und zu auch etwas aus dem Alltag», sagt er auf Anfrage. Rückmeldungen bekomme er oft. «Die letzte war eine Reklamation, dass ich schon lange nicht mehr getwittert habe.» Die Beanstandung, so scheint es, hat ihre Wirkung entfaltet.

«Nicht mehr wegzudenken»

Vor allem junge Politiker nutzen die Social-Media-Plattform intensiv. Einer der aktivsten ist Girods Parteikollege Balthasar Glättli (Grüne/ZH). «Wir wollen Veto. Klar!», antwortete er nur neun Minuten nach Girods Eintrag. «Ich twittere Aktualitäten wie die Resultate der Bundesratswahlen, Links auf Webseiten und manchmal auch Persönliches», sagt er.

Auch Natalie Rickli (SVP/ZH) ist auf Twitter sehr präsent. «Social Media ist aus der politischen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Wichtige Tweets kann ich auch gerade mit Facebook verknüpfen, so erreicht meine Post per Knopfdruck mehr als 12'000 meiner Follower und Freunde», sagt sie.

Mit Lukas Reimann (SVP/SG) und Cédric Wermuth (SP/AG) gehörte sie vor eineinhalb Jahren zu den Twitter-Politikern der ersten Stunde. Reimann, der wie viele andere Politiker Twitter auch als Informationsquelle benutzt, schätzt an der Plattform die Begrenzung der Einträge auf 140 Zeichen. «Daraus ergibt sich eine Konzentration auf das Wesentliche», sagt er. Weil er über 600 Personen folgt, droht die Übersicht dann und wann trotzdem verloren zu gehen.

«Es kann peinlich werden»

Wo liegen die weiteren Gefahren für Neueinsteiger? «Mit Twitter kannst du nicht allzu viel falsch machen», sagt Cédric Wermuth. Mit einer Einschränkung: «Von Politikern interessiert die Leute vor allem die Information. Wenn einer zu viel Privates twittert, kann das peinlich werden.»

Auch nicht gerade vorteilhaft ist, wenn die als persönlich deklarierten Tweets von einer PR-Agentur verfasst werden. Diese Vermutung legt der Satire Blog «Lupe» im Fall der beiden weiblichen FDP-Aushängeschilder Christa Markwalder (Bern) und Claudine Esseiva (Freiburg) nahe. «Twittern sie nicht genau das gleiche, so doch mehr oder minder zur gleichen Zeit über das gleiche», ist dort zu erfahren.

«Unsinn», sagt dazu Claudine Esseiva. «Christa Markwalder und ich twittern selbst. Wir lassen das nicht über eine PR-Agentur machen. Wir arbeiten viel zusammen und deshalb kommt es vor, dass wir dieselben Artikel und Messages twittern.»

Kommentare (2)

  • Meier  Hans , Schweiz
    Manchmal habe ich den Eindruck je weniger die Leute zu sagen haben und so mehr wird geplappert. Qualität ist halt eben nicht Quantität und so ist manchmal weniger doch mehr. Und gerade Politiker sollten arbeiten und nicht plappern.
    • 21.02.2012
    • 0 Gefällt mir
  • Hans-Peter  Hartmann , Zürich
    Ich finde das die Parlamentarier Twittern dürfen, habe eigentlich mehr Angst das dieser Services von diversen Personen ausgenützt werden könnte um Falschmeldungen zu verbreiten. Und das wehre
    dann sehr schnell ein Fall für den Tatendschützer. Aber ich hoffe nun eigentlich das Unsere Parlamentarier auch wissen was Sie öffentlich machen dürfen. Ich habe ja auch noch die Möglichkeit
    wenn ich etwas aus dem Parlament wiesen will Die Parlaments Infos Abzurufen. Und dann Vergleiche ich jeweils was Sache ist.
    Ich finde überhaupt das alle Depaten Am TV übertragen werden müssten. Also weiter so.
    • 21.02.2012
    • 0 Gefällt mir

Top 3

1 Gemeinsames Sorgerecht Sommaruga gibt wütenden Vätern nachbullet
2 Heisses Spiel von Didier Burkhalter Treibt uns Computer-Krieg in die Nato?bullet
3 Unerwünscher Alt Bundesrat Gruyère-Vereinigung wirft Deiss rausbullet

Politik