TV-Pfarrerin Sibylle Forrer greift «absurde Initiative» an Heiliger Zorn gegen Anti-Homo-Initiative der EDU

In zwölf Tagen stimmen die Zürcher über die EDU-Initiative zum Schutz der Ehe ab. Die Initiative will in der Zürcher Kantonsverfassung festschreiben, dass die Ehe ausschliesslich Mann und Frau vorbehalten sei. «Scheinheilig», kritisiert nun TV-Pfarrerin Sibylle Forrer.

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Pfarrerin Sibylle Forrer stellt sich auch aus religiösen Gründen gegen die EDU-Initiative, welche die Ehe als Beziehung zwischen Mann und Frau in der Zürcher Verfassung festschreiben will. ZVG

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Eine Scheidungsrate von rund 50 Prozent. Wilde Ehen, zwei Väter, zwei Mütter und volle Wartezimmer beim Paartherapeuten: ein Graus in den Augen der Zürcher EDU. Mit ihrer Initiative will die Partei nun «die Aufweichung der Ehe» verhindern und sie für gleichgeschlechtliche Paare prophylaktisch verbieten. «Die Ehe ist ausschliesslich Mann und Frau vorbehalten», soll in der Zürcher Kantonsverfassung festgeschrieben werden.

«Es steht uns nicht zu, Liebe zu qualifizieren», sagt TV-Pfarrerin Sibylle Forrer (36). play
«Es steht uns nicht zu, Liebe zu qualifizieren», sagt TV-Pfarrerin Sibylle Forrer (36). Manuela Matt

Jetzt regt sich heiliger Zorn gegen die EDU-Vorlage. An vorderster Front TV-Pfarrerin Sibylle Forrer (36), landesweit bekannt durch das «Wort zum Sonntag» auf SRF. «Diese Initiative ist absurd und scheinheilig», sagt die junge Geistliche. «Wovor soll denn die Ehe geschützt werden – und was heisst ‹eine natürliche Ehe?›», fragt die reformierte Pfarrerin aus Kilchberg ZH. Und stellt klar: «Ob es sich um eine heterosexuelle oder gleichgeschlechtliche Ehe handelt, ist völlig egal. Liebe ist immer Liebe, es steht uns nicht zu, Liebe zu qualifizieren.» Die Liebe sei ein Segen von Gott, darum fordere sie «die Ehe für alle.»

«Ehe zwischen Mann und Frau» statt «Tutti-Frutti-Familien»

Ebenfalls religiös argumentiert Michael Welz (48). Für den Zürcher EDU-Kantonsrat und vierfachen Vater «entspricht die Institution der Ehe zwischen Mann und Frau der natürlichsten Schöpfungsordnung», wie er auf seiner Homepage schreibt. «Oder der natürlichen Gegebenheit», wie er BLICK auf Nachfrage erklärt. «Darum brauchen wir dringend einen Labelschutz für die Ehe.»

In Bundesbern gebe es zu viele Bestrebungen, die Ehe aufzuweichen. «Mit unserer Initiative verhindern wir, dass die Polygamie in der Schweiz üblich wird. Und erschweren Schwulen und Lesben, Väter respektive Mütter zu werden.» Ohne eine klare Definition der Ehe als Beziehung «zwischen Mann und Frau» würden «Tutti-Frutti-Familien» Tür und Tor geöffnet.

«Die Ehe für Gleichgeschlechtliche würde denselben Familienanspruch wie für gewöhnliche Ehepaare nach sich ziehen», so Welz. «Wir wollen kein künftiges Familienchaos! Die Ehe von Mann und Frau soll bleiben, was sie ist, sie ist bewährt und die beste Grundlage für die nächsten Generationen.»

Breit abgestütztes Gegenkomitee

Der EDU und Welz entgegen stellt sich das Komitee Gemeinsam weiter Zürich – breit abgestützt durch FDP, CVP, GLP und BDP. Sogar die christlich basierte EVP hat die Nein-Parole beschlossen.

«Wir haben mit Widerstand gerechnet», so die Initianten. «Gegner erwarteten wir jedoch aus dem links-grünen und dem gesellschaftsliberalen Lager. Dass sich nun die EVP offiziell auch zu diesen Gegnern zählt, enttäuscht uns.» Im Zürcher Kantonsrat geschlossen für die Initiative stimmte neben der EDU einzig die SVP.

Der Widerstand wächst nun auch in prominenten Reihen. Allen voran setzt sich die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (56) gegen die Initiative ein. «Wer heiraten will, soll heiraten können. Punkt. Ausgrenzung und Diskriminierung von Lesben und Schwulen sind Vergangenheit. Die Zukunft heisst Gleichstellung. Auch in der Ehe», lässt sich Mauch vom Gegenkomitee zitieren.

Publiziert am 15.11.2016 | Aktualisiert am 15.11.2016
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19 Kommentare
  • Paul  Neidhart aus Zürich
    16.11.2016
    einfach ablehnen! die Religiösen nerven zusehends :-(
    die Ehe regelt zivilrechtlich das Erben etc. - mehr ist da nicht.
    • Seo  O. 16.11.2016
      Nicht? Ehepaare können nur gemeinsam adoptieren; nicht verheirateten Personen ist die gemeinschaftliche Adoption nicht gestattet. Eine Adoption und die Aufnahme zur Adoption dürfen nur erfolgen, wenn die gesamten Umstände erwarten lassen, dass sie dem Wohl des Kindes dienen. Es geht hier nicht um Religion, sondern um das Wohl von Kindern! Sorry, Männer in Frauenköstümen, "Liebesparaden" mit Häschenkostümen - das kann nicht dem Kindeswohl dienen!
  • Markus  Thalmann aus Luzern
    16.11.2016
    Es gibt einen ganz klaren Grund warum die Ehe zwischen Mann und Frau eine natürliche ist. Partner alleine sind keine Familie sondern eine Partnerschaft, dazu gehören Kinder dann ist es eine Familie. Und Mann und Frau sind die nun mal die einzige Kombination um Kinder zu zeugen, somit sind Ehen zwischen Gleichgeschlechtlichen nicht natürlich. Diese Hetze von Minderheiten gegen die Mehrheit nervt allmählich.
  • Annemarie   Setz 16.11.2016
    Ich habe überhaupt nichts gegen Homosexuelle und gegen ihre Partnerschaften, aber dass sie derart stur auf dem Wort Ehe beharren finde ich ganze einfach nicht richtig. Sollen sie doch ihre Liebe und Partnerschaft leben, aber nicht auf dem Stand einer Ehe beharren. Und eine Pfarrerin, die sich für diese Ehe einsetzt, hat meiner Meinung nach nicht den richtigen Beruf. Es sei denn die Bibel bedeute heute in diesem Beruf nichts mehr.
    • Seo  O. 16.11.2016
      Ja, man hört oft: "wir sind ein christliches Land" oder "hier gelten christliche Werte". Aber leider ist es so - und ich als Muslime sage "leider" - dass die christlichen Werte hier in vielen Bereichen sehr schnell vergessen werden.
  • Sandie  Collins , via Facebook 16.11.2016
    Diejenigen Argumente, die sich gegen eine Öffnung der Ehe ausprechen, weil man dann Kinder und Tiere auch heiraten dürfe, find ich ganz ehrlich die schlimmsten. Zeigen sie doch auf, wie intolerant und engstirnig viele in unserer Gesellschaft noch denken. Schliesslich geht es hier immernoch um Erwachsene, selbstbestimmte Menschen.
    Werder Tiere noch Kinder sind in der Lage, selbst zu bestimmen und das Argument, deshalb eine Grenze ziehen zu wollen, ist hanebüchen!
  • Alain  Dodane , via Facebook 16.11.2016
    Ich finde es immer wieder krass wie intolerant doch die ach so toleranten Katholiken sind! Ich schäme mich richtig für diese Menschen, welche wohl auch noch glauben, dass der Mensch von Adam und Eva abstammt, die Erde eine Scheibe ist und sich die Sonne um die Erde bewegt!
    Heutzutage haben solch engstirnige, kleinkarierte, aber absolut bigotte Menschen in der Schweiz eigentlich nichts mehr verloren!!