Trotz Gaswagen-Katastrophe in Bulgarien stellt sich der Ständerat gegen ein Verbot Kann das auch hier passieren?

BERN - Am Wochenende explodierte in Bulgarien ein Tankwaggon, giftiges Gas trat aus. Auch in der Schweiz verkehren Züge mit hochgiftigem Chlor. Jetzt hat der Ständerat über ein Verbot entschieden.

Nach Bulgarien-Katastrophe: Ständerat gegen Verbot für Gift-Transporte play
Solche Bilder wie in Bulgarien wollen Genfer Politiker nicht sehen. Deshalb fordern sie ein Verbot von giftigen Chlortransporten. Petar Petrov

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Ein lauter Knall, «dann sah ich eine zehn Meter hohe Flamme und Rauch», erzählte ein Dorfbewohner von Hitrino. In dem bulgarischen Dorf explodierte dieses Wochenende ein Güterzug. Rund 30 Menschen wurden verletzt, das Dorf wurde evakuiert, da immer noch Gas austrat.

Auch in der Schweiz fahren gefährliche Güterzüge. Jedes Jahr transportieren die SBB 25'000 Tonnen flüssiges Chlor am Genfersee entlang. Gas, das in Frankreich hergestellt und ins Wallis zur Lonza in Siders und Syngenta in Monthey transportiert wird, wo es weiterverarbeitet wird. Dies ärgert Politiker aus Genf und der Waadt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Die Staatsräte Nuria Gorrite (SP, VD) und Antonio Hodgers (Grüne, GE) warnen seit der Entgleisung eines Güterzugs in Daillens VD im April 2015 – damals trat Salzsäuere aus. Verunglückte ein Güterzug mit chlorgefüllten Zisternenwagen in den Ballungszentren Lausanne oder Genf und tritt Gas aus, komme es zu einer Katastrophe, argumentieren die Staatsräte. In einer Standesinitaitive des Kantons Genf fordern sie vom Parlament, dies zu verbieten. Doch der Ständerat sieht es anders, heute hat er das Geschäft abgelehnt.

Sterberate von 99 Prozent

Die Befürchtungen der Genfer und Waadtländer Politiker sind berechtigt, denn Chlorgas ist hochgiftig, schon kleinste Mengen können zum Tod führen. Weil Chlor schwerer als Luft ist, breitet es sich am Boden aus. Im Umkreis von 300 Metern liegt die Sterberate bei 99 Prozent, Todesfälle kann es im Umkreis von 2500 Metern geben

Früher wurde das Gas im Wallis hergestellt. Würde man wieder vor Ort produzieren, müsste man 70 Millionen Franken investieren, heisst es bei Lonza. Der Walliser Regierung weiss um die Gefahr durch die Transporte, will aber die 3000 Stellen im Lonza-Werk schützen. Auch der Bund zögert bei einem generellen Verbot von Chlor-Transporten, stattdessen hat er Sicherheitsmassnahmen getroffen: Die Züge dürfen nur nachts und mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h fahren.

Sichere Kesselwagen

Die Bundesämter für Umwelt (Bafu) und Verkehr haben mit Wirtschaftsverbänden und den SBB eine Erklärung herausgegeben. Für Bafu-Vizedirektor Josef Hess hat die Vereinbarung «einen grossen Stellenwert». Er betont: «So rasch als möglich, spätestens aber ab dem 1. Januar 2019, dürfen für Chlortransporte nur noch Kesselwagen eingesetzt werden, die besser sind, als es die internationalen Vorschriften verlangen», wie der «Tages-Anzeiger» zitiert.

Anders klingt es von der Genfer Grünen-Nationalrätin Lisa Mazzone. «Die Industrie soll das Chlor wieder vor Ort produzieren. Der Bund muss die Transporte verbieten.» Um dies zu erreichen, hat Mazzone, als sie noch im Genfer Kantonsparlament politisierte, eine Standesinitiative lanciert. 

«Wir kamen zum Schluss, dass die Vereinbarung zwischen Bund und Unternehmen genügt», begründet FDP-Kommissionspräsident Olivier Français die Entscheidung, das Geschäft abzulehnen.

Publiziert am 13.12.2016 | Aktualisiert am 13.12.2016
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16 Kommentare
  • Adrian  Frey 14.12.2016
    Ob das auch bei uns passieren kann ist ja keine Frage?! Es war zwar damals, am 08. März 1994 in Zürich-Affoltern, "nur" ein mit Benzin beladener Zug und es gab glücklicherweise keinen Toten zu beklagen, aber die materiellen Schäden war immens. Siehe hier; https://www.youtube.com/watch?v=uvu16p-4fYw
  • Michael  Tomov aus Koror
    14.12.2016
    Was Chlorgas kann, hat man im 1. Weltkrieg gesehen aber leider wieder vergessen. Nur nachts fahren? Gute Idee, dann sind alle zuhause und schlafen, so merken sie nicht, wie sie vergast werden. Und ein Verbot? Wieso? Es geht um Profit und der ersetzt bekanntlich in den Köpfen der Gierigen viele Menschenleben.
  • Fritzpeter  Friedli , via Facebook 13.12.2016
    Angeblich ist die Produktion von flüssigem Chlor bei Lonza in Siders und Syngenta in Monthey zu wenig attraktiv, die Rendite zu wenig hoch um 70 Millionen zu investieren. Da nimmt man den Transport mit höherem Risiko in Kauf. Doch der Ständerat sieht es anders, heute hat er das Geschäft abgelehnt. Super entscheid aus der warmen Ständeratstube zu Bern. Hoffen wir doch, es geschieht nie, auch nicht bei Nacht und bei Tempo 40KmH. Der Stoff CHLOR UN-Nummer 1017 Gefahrnummer 265, bitte nachlesen!
  • Nelson  Meyer , via Facebook 13.12.2016
    Solche hochgiftigen Transporte gehören sofort verboten, das mal ganz sicher. Mittelfristig gehört die ganze chemische industrie verboten in der Schweiz. Das Land ist einfach zu dicht besiedelt. Stellen sie sich ein zweites Schweizerhalle vor, das ist grausam. Und was stellen diese Firmen her? Glyphosat und andere für die Natur und Bienen hochgiftige Stoffe oder viel zu teure Medikamente. Nur um viel Gewinn einzufahren. Gewinn für die Aktionäre, Gefahr und Angst für die Bevölkerung.
    • Urs  Schaad aus Zürich
      13.12.2016
      Ich weiss nicht, ob Sie überleben könnten, wenn die chemischen Produkte in der Schweiz konsequenterweise verboten wären. Das Aktionärsgewinngeschafel lenkt vom eigentlichen Problem ab: Sie wollen ein Gratisprofiteur sein. No risk, just fun, am liebsten auf Kosten anderer. Schauen Sie Ihre Gerät an, mit welchem Sie Ihren Kommentar geschriebn haben. Risiko, Armut, Chemie, Sondermüll, schlecht Arbeitsbedingungen: Alles bei den andern. Hauptsache billig.
  • Walter  Greber aus Greifensee
    13.12.2016
    Mann kann nicht alles Regeln mit Verboten und Gesetzen es ist nicht die Lösung wie man die Probleme im Leben löst. Mann sucht nach den Ursachen und Handhabt diese nicht wie unsere Politiker ein Problem hervor bringen und dann sagen; wir brauchen mehr Geld sonst können wir es nicht lösen.