Trotz 30'000 Terror-Toten im letzten Jahr Die Welt ist sicherer geworden

Erstmals seit 2010 lag die Zahl der Terror-Opfer 2015 weltweit tiefer als im Vorjahr. Das geht aus einem Bericht der Londoner Denkfabrik Institute for Economics and Peace hervor.

Paris attacks anniversary ceremony play
Zwei Angehörige der Garde der Republik halten am 13. November 2016 Wache vor der Erinnerungstafel zum ersten Jahrestag der Anschläge auf das Konzertlokal Bataclan in Paris. EPA

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Das renommierte Londoner Institute for Economics and Peace (IEP) berechnet mit einem komplizierten Schlüssel jedes Jahr, wo die Folgen von Terroranschlägen weltweit am schlimmsten waren. Am härtesten betroffen waren 2015 die fünf Länder Irak, Afghanistan, Nigeria, Pakistan und Syrien. Dort kamen 72 Prozent aller Terroropfer ums Leben. Entsprechend stehen diese Länder auch an der Spitze des Terror-Rankings. Irak erreicht auf der Skala von 1 bis 10 eine Punktzahl von 9,96.

Die Werte errechnet das IEP aufgrund verschiedener Kennzahlen: Anschläge, Tote, Verletzte und wirtschaftliche Schäden. Letztere sind auch in der Schweiz spürbar. Doch gegenüber dem Vorjahr sind die Folgen gemäss IEP 2015 sogar noch gesunken – ihr Wert hat sich mehr als halbiert. Mit 0,288 Punkten liegt die Schweiz auf Platz 108 der Rangliste. Das ist zwar schlechter als Österreich, aber viel besser als alle anderen Nachbarländer. Italien kommt auf einen Wert von 2,363, Deutschland auf 4,308 und Frankreich auf 5,603 Punkte. 

Frankreichs Spitzenplatz ist Folge der Bataclan-Anschläge 

Der Wert von Frankreich ist Folge der Bataclan-Anschläge in Paris vom November 2015, bei denen 130 Menschen getötet wurden. Damit liegen unsere Nachbarn im Westen auf Platz 29, Deutschland rangiert auf Platz 41 und Italien auf Platz 69.

Das spiegelt auch den Hauptbefund des IEP: Weltweit ist die Zahl der Todesopfer durch Terroranschläge im vergangenen Jahr nämlich zurückgegangen. Insgesamt wurden 2015 beinahe 30’000 Menschen von Terroristen getötet – rund zehn Prozent weniger als 2014. Grund für den Rückgang seien vor allem erfolgreiche Militäroperationen gegen die Islamisten von Boko Haram in Nigeria und gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak.

Anders sieht es für die Mitgliedsländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus: 21 von 35 OECD-Staaten erlebten im Jahr 2015 Terroranschläge. Am schlimmsten traf es Frankreich und die Türkei. Hauptverantwortlich ist der IS. Die Terrormiliz weitete ihre Aktivitäten im Jahr 2015 von 14 auf 28 Länder aus.

Angriffe in Europa von hier Aufgewachsenen verübt

IEP-Forschungsdirektor Daniel Hyslop warnt jedoch davor, Rückschlüsse auf die Herkunft der Attentäter zu ziehen. «Die überwiegende Mehrheit der islamistischen Angriffe in Europa kam von Menschen, die dort aufgewachsen sind.»

Ob sich die Anziehungskraft des IS mit einer Niederlage in seinen Hochburgen im Irak und in Syrien vermindern lässt, ist Hyslop zufolge schwer vorauszusagen. Doch es bestehe Grund zur Hoffnung: Gerade weil der IS beispielsweise sehr konkrete Prophezeiungen für seine Erfolge in der Zukunft mache, könnten militärische Rückschläge die Anhänger desillusionieren. «Es ist sehr gut möglich, dass die Gruppe geschwächt wird, wenn man ihre Anführer ausschaltet», sagte Hyslop.

In westlichen Ländern dagegen seien vor allem langfristige Strategien nötig, um den Terror zu bekämpfen. Jugendarbeitslosigkeit, hohe Kriminalität, leichte Verfügbarkeit von Waffen und fehlendes Vertrauen in demokratische Prozesse seien dort die Hauptfaktoren für die Radikalisierung von Menschen.

Der volkswirtschaftliche Schaden des weltweiten Terrors beläuft sich IEP-Schätzungen zufolge auf gegen 90 Milliarden Franken.

Fälle wie der Münchner-Amok oder der Lastwagen-Terror von Nizza sind nicht erfasst, da diese Taten 2016 stattfanden.

Publiziert am 17.11.2016 | Aktualisiert am 24.11.2016
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15 Kommentare
  • Mike  Studer 17.11.2016
    Was heisst denn "Erstmals seit 2010 lag die Zahl der Terror-Opfer 2015 weltweit tiefer als im Vorjahr"?
    Es heisst, dass die Zahl der Terror-Toten von 2011 bis 2014 kontinuierlich gestiegen ist, also 4 Jahre in Folge zugenommen hat und nun das erste Mal rückläufig ist.
  • Horwald  Blattmann 17.11.2016
    Bitte alle hier mal über die Geschichtsbücher! Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es auch bei uns überall Terroristen!!! Es ist statistisch viel sicherer hier als noch vor 20 Jahren!!! Ältere Menschen erinnern sich vielleicht! Das Problem heutzutage sind die Medien, die dafür sorgen, dass sich jeder Vorfall, sei er noch so weit entfernt, in Windeseile verbreitet! Aber bedenkt: Ein Lotto-Sechser, ersticken an Essen uvm. ist statistisch viel wahrscheinlicher als Tod durch Terror!
  • Binder  Gregor 17.11.2016
    Besonders bedenklich finde ich den hektischen Aktivismus der EU, die eine Registrierungspflicht für Nicht-EU-Bürger einführen will. Alle Anschläge in Europa wurden von in Europa wohnhaften Personen durchgeführt - aber eben: hektischer Aktivismus ersetzt geistige Windstille.
    • Sarah  Keller 17.11.2016
      Ist es wirklich geistige Windstille, wenn erkannt wird, dass in Europa wohnhafte Personen erstens nicht immer in Europa gewohnt haben müssen und zweitens nicht harmlos sein müssen, nur weil sie in Europa wohnen? Und dass ihre regen Kontakte zu Noch-Nicht-EU-Bürgern (insbesondere in Zeiten islamischen Terrors und absoluter Hochblüte illegaler Migration) nicht ausschliesslich Gutes bedeuten müssen? Und dass eben genau für diese Fälle eine Registrierung in heutiger Zeit unerlässlich geworden ist?
  • Sarah  Krueger 17.11.2016
    Da sieht man, wie die Medien die Stimmung und die Wahrnehmung in der Bevölkerung steuern, lenken und beeinflussen können. Würde auch nur 2-3 Wochen lang nur über positive Dinge berichtet, würden negative Schlagzeilen weniger hochstilisiert und hochgeschaukelt und über Wochen hingezogen (Clickbaiting?!) hätte die Leserinnen und Leser eine differenziertere, positivere Wahrnehmung unseres Landes und eine positivere Haltung gegenüber ihren Mitmenschen. Davon bin ich überzeugt.
    • Sarah  Keller 17.11.2016
      Wenn Sie Ihre Stimmung und Wahrnehmung durch Medienberichte steuern lassen, dann ist das Ihr Problem und nicht dasjenige der Medien. Ich verlasse mich da lieber auf meine eigenen Beobachtungen und Wahrnehmungen. Auch aus meinem Bekanntenkreis oder meiner Familie. Und diese Beobachtungen (und Fakten) lassen weder eine euphorische Grundstimmung gewissen Mitmenschen gegenüber zu, noch lassen sie mich daran zweifeln, dass die Medien mit ihrer Berichterstattung doch nicht immer so falsch liegen!
    • Victor  Fletcher aus Meilen
      17.11.2016
      Aber sind wir doch ehrlich, die Menschen brauchen Bad-News wie das tägliche Brot! Mord, Raub, Verbrechen, Terror, Horror, etc., regt uns emotionell enorm an und hat auch einen gewissen Unterhaltungswert. Zudem stumpft es uns ab und wir werden empfänglicher für immer schlimmeres! Bad-News werden gefühlt 1000x mehr angeklickt als Good-News. Das schlechte im Menschen scheint uns mehr zu Interessieren als das gute, sei es im Leben oder in der fiction mit Filmen, Games, usw.! Dies wird ausgenützt..
    • Sarah  Krueger 17.11.2016
      Staatskundeunterricht, Frau Keller: es ist weder meine persönliches Problem, noch irgendwelche Verschwörungstheorie - die Medien sind in einem System der Gewaltenteilung nebst Exekutive, Legislative und Judikative die vierte Gewalt. Wir werden täglich von den Bildern, Texten, Diskussionen und Berichterstattungen informiert und ebenso beeinflusst. Das lässt sich nicht bestreiten.
  • André  Baldin 17.11.2016
    Die Welt ist sicherer geworden, aber nicht Europa! Da haben die Terroranschläge massiv zugenommen (gemäss aktueller Tageszeitung)