Tierpark-Direktor Bernd Schildger will in die Berner Stadtregierung Der linkste SVP-Politiker der Schweiz

Bernd Schildger fällt im Wahlkampf bisher fast nur mit linken Positionen auf – kandidiert aber für die SVP.

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Tierparkdirektor Bernd Schildger versucht als SVP-Kandidat mit linken Positionen einen Sitz in der Stadtberner Regierung zu ergattern. Peter Gerber

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Die nationale SVP-Prominenz stänkert oft und gern über die rot-grün regierte Bundesstadt. Über den «Schandfleck Reitschule», die vielen Velowege und den «Raubzug am Steuerzahler». Doch ausgerechnet in Bern kämpft der wohl linkste SVP-Politiker der Schweiz um den Einzug in die Stadtregierung am 27. November: Tierparkdirektor Bernd Schildger.

Der gebürtige Deutsche fällt im Wahlkampf fast nur mit linken Positionen auf. Vier seiner bislang fünf Wahlkampfvideos sind inhaltlich meilenweit von seiner Partei entfernt. In Verkehrsfragen überholt er gar die Grünen links. Schildger fordert eine komplett verkehrsfreie Altstadt.

Monstertrams

«Für Touristen aus Japan ist es völlig unverständlich, dass sie in der Altstadt von Monstertrams am Flanieren gehindert werden», erklärt er. Als Hauptverkehrsmittel für die Berner will er stattdessen eine U-Bahn bauen. In einem anderen Wahlkampfvideo nervt sich der SVP-Kandidat, dass die Berner Strassen für Velofahrer sehr gefährlich seien.

Im Chor mit den Linksparteien fordert Schildger mehr Freiräume für Jugendliche in städtischen Gebäuden. Auch beim Wohnungsbau will er staatlich eingreifen und Generationenhäuser oder integrierte Kindertagesplätze fördern.

«Ich bin für klare Regeln für die Reitschule, aber gegen eine Schliessung»

Alles Rezepte aus linker Küche! Ihm sei egal, aus welcher Richtung gute Ideen kämen, sagt der Paradiesvogel dazu. In der Tat scheint der SVP-Mann vom SVP-Programm wenig zu halten. Denn sogar beim wichtigsten Thema der Stadtberner SVP, der Schliessung des alternativen Kulturz entrums Reitschule, schert er aus: «Ich bin für klare Regeln für die Reitschule, aber gegen eine Schliessung.»

Man könne den Jugendlichen nicht das letzte Refugium wegnehmen. Er fühle sich bei der SVP dennoch «am richtigen Platz», sagt der 60-Jährige. Denn Rot-Grün werde immer dogmatischer.

Der Vizepräsident der Berner SVP, Thomas Fuchs, hält trotz der linken Positionen an Schildger fest. «Wenn wir in Bern einen Sitz holen wollen, brauchen wir auch Kandidaten, die Mitte-links Stimmen holen.»

Riskante SVP-Taktik

Man habe mit Erich Hess und anderen auf der Liste genügend Auswahl. Diese SVP-Taktik ist riskant. Wenn der Tierpark-direktor viele Stimmen aus anderen Lagern holt, könnte er am Ende vor Hardliner Hess gewählt werden – und den FDP-Mann verdrängen. Dann stünde die Stadtregierung inhaltlich noch weiter links als heute.

Selbst eine ultralinke Regierung ist möglich – wegen fehlender Listenverbindung von SVP und FDP. Politologe Georg Lutz hat die Wahl mit Modellrechnungen durchgespielt. Die Mehrheit von Rot-Grün-Mitte sei unbestritten, sagt er. Sehr knapp werde der Kampf um den fünften Sitz: «Bei stabilen Wähleranteilen im Vergleich zu 2012 hat das Rot-Grün-Mitte-Bündnis sogar Aussichten auf den fünften Sitz.»

Dann sässen in Berns Stadtregierung Ursula Wyss und Michael Aebersold (beide SP), Franziska Teuscher und Alec von Graffenried (beide Grüne) sowie CVP-Mann Reto Nause, der für die Atomausstiegs-Ini­tiative der Grünen kämpft.

Publiziert am 22.10.2016 | Aktualisiert am 11.01.2017
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8 Kommentare
  • Bernd  Brand aus Bern
    22.10.2016
    Bis jetzt war mir Herr Schildger als Person sehr sympatisch. Seine interessanten Anmerkungen in den vielen Interviews konnte ich eigentlich alle unterschreiben. Was er aber jetzt im Wahlkampf spricht, kann ich absolut nicht verstehen. Ich erkenne ihn nicht mehr in seinen Worten. Kann fast nicht glauben, dass er dies wirklich so gesagt hat.
    Ich finde es sehr schade.
  • Bernd  Brand aus Bern
    22.10.2016
    Bis jetzt war mir Herr Schildger als Person sehr sympatisch. Seine interessanten Anmerkungen in den vielen Interviews konnte ich eigentlich alle unterschreiben. Was er aber jetzt im Wahlkampf spricht, kann ich absolut nicht verstehen. Ich erkenne ihn nicht mehr in seinen Worten. Kann fast nicht glauben, dass er dies wirklich so gesagt hat.
    Ich finde es schade.
  • Rolf  Gurtner aus Münsingen
    22.10.2016
    Herr Schildger ist eine sehr integre Person. Und er hat Recht. In der Hauptgasse kurieren pro Stunde über hundert (!!!) Busse und Trams. Ausserhalb der Stosszeiten sind die fast leer. Früher wurden Wagen abgehängt, was bei den "modernen" Riesenkästen nicht möglich ist. Daher kein Platz mehr für den Fussgänger. Das ist der tägliche Bernerische Rotgrünwahnsinn, den es an der Urne zu bekämpfen gilt!
    • Reto  Burri 22.10.2016
      Genau, und wer bezahlt eine UBahn in einer Stadt, in der sie kaum zu realisieren ist?
  • Annemarie   Setz 22.10.2016
    Also wenn das eine Vertreter der SVP ist, dann verstehe ich die Politik-Welt in der Schweiz nicht mehr. Als Vertreter einer schweizerischen Volkspartei alles links überholen, den Bernern eine unterirdische Bahn und den ganzen Umbau in der Altstadt zumuten und diese immer wieder in Negativschlagzeilen geratene "Reitschule" begünstigen. Mir ist die derzeitige Berner Regierung auch unsympathisch, aber was dieser Politanwärter sich vorstellt ebenso.
  • Daniela  Ponti 22.10.2016
    Die Parteizugehörigkeit sagt doch so viel über einen Menschen nicht aus. Mir ist auch nicht wichtig was jemand sagt, sondern was er tut. Handelt er im Sinne der Schweizer Jugend, der Schweizer Bevölkerung und hölt er den Sozialstaat nicht aus - bin ich fest an seiner Seite. Die Berner Regierung ist mir deshalb momentan ein Gräuel.
    • Aron  Ottiger 22.10.2016
      Warum immer nur Schweizer Jugend, wir stehen da wo wir sind,nicht wegen der Jugend, sondern wegen den Senioren, also bitte auch was tun und mit Respekt für die Senioren, nur so neben bei. Und nein, ich bin noch nicht Senior.