Thurgau will kein Französisch mehr an Primarschulen: «Mit Englisch schütten wir den Röstigraben zu»

Der Kanton Thurgau will den obligatorischen Französisch-Unterricht an der Primarschule streichen. Welsche Parlamentarier reagieren empört. Und die SP will nun das Sprachengesetz anpassen. SVP-Nationalrätin Verena Herzog findet es ok.

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Das Thurgauer Kantonsparlament heizt den Sprachenstreit an: Es kippt den obligatorischen Französisch-Unterricht aus der Primarschule. Französisch soll erst auf Sekundarstufe unterrichtet werden. Englisch als erste Fremdsprache in der Primarschule hingegen bleibt.

SVP-Nationalrätin Verena Herzog (TG) hat den nun überwiesenen Vorstoss noch als frühere Grossrätin miteingereicht. Sie verteidigt den Thurgauer Entscheid: «Es ist ein Entscheid im Interesse der Kinder, die von zwei Fremdsprachen in der Primarschule überfordert sind. Uns ist vor allem auch wichtig, dass mehr Zeit zur Erlangung besserer Deutschkenntnisse bleibt», sagt Herzog.

Englisch als erste Fremdsprache

Für sie ist klar: «Zuerst sollen die Kinder ihre eigene Sprache richtig lernen, danach Englisch und erst später eine Landessprache – und zwar in allen Landesteilen. Mit Englisch als erste Fremdsprache für alle schaffen wir gleich lange Spiesse und schütten so den Röstigraben zu!» Englisch sei in einer globalisierten Welt wichtig. Und vor allem: «Den Kindern macht Englisch mehr Freude – auch in der Romandie und im Tessin.»

Werde der Französisch-Unterricht auf der Sekundarstufe intensiviert, könnten die Schüler am Ende der Schule gleich gut Französisch wie heute, ist Herzog überzeugt. Und um den nationalen Zusammenhalt zu fördern, brauche es andere Mittel: «Wir müssen den Austausch zwischen den Landesteilen direkt fördern, indem man die anderen Landesteile besucht – zum Beispiel den Landdienst dort absolviert oder die Ferien dort verbringt. Das bringt allen mehr!»

Romands protestieren

In der Romandie kommt der Thurgauer Entscheid allerdings schlecht an. «Ich finde den Entscheid falsch. Man sollte zuerst eine Landessprache lernen», sagt SVP-Nationalrat Jean-François Rime (FR). «Es wäre schlimm, wenn wir unter uns nur Englisch sprechen würden.»

Natürlich sei Englisch für die Kinder einfacher zu lernen, räumt SP-Nationalrat und Lehrer Mathias Reynard (VS) ein. Aber: «Es geht um den nationalen Zusammenhalt und um das gegenseitige Verständnis. Das betrifft nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur.»

SP will Sprachengesetz anpassen

SP-Nationalrat Matthias Aebischer (BE) erinnert daran, dass die Stimmbevölkerung den Bildungsartikel mit 86 Prozent Ja-Stimmen in die Verfassung geschrieben habe. Der Kanton Thurgau verstosse mit seinem Verzicht auf Frühfranzösisch gegen die verfassungsmässig vorgeschriebene Harmonisierung des Schulwesens. «Damit ist für die SP eine rote Linie überschritten», so Aebischer.

Und: «Für die SP ist dieser Dammbruch nicht akzeptabel, jetzt müssen wir die Sprachenfrage auf Bundesebene lösen.» Seine Partei will deshalb spätestens in der Herbstsession Vorstösse einreichen, um das Sprachengesetz dahingehend zu ändern, dass eine zweite Landessprache in der Primarschule verankert wird.

Publiziert am 13.08.2014 | Aktualisiert am 13.08.2014
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SVP-Nationalrätin Verena Herzog (TG).

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36 Kommentare
  • Rolf  Bieri aus Sursee
    14.08.2014
    Es ist beschämen, wenn ich hier die Kommentare lese. Französisch ist KEINE FREMDSPRACHE. In der Schweiz wird Schweizerdeutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch gesprochen. Als erste Fremdsprache wird Hochdeutsch gelehrt und gelernt. In der Primarschule sollte zuerst eine andere Landessprache gelehrt werden und ab der Oberstufe nach Wahl Englisch oder Spanisch.
  • Barbara  Wick aus Ebikon
    14.08.2014
    Jaja, die Kinder seien überfordert... Bei uns war das nie ein Thema und wir leben noch. Ich bin stolz, dass ich mich in Französisch verständigen kann. Auch wenn ich den einen oder anderen Fehler mache; Hauptsache die Leute verstehen mich.
    Ich finde es schade, dass man es immer weiter rausschiebt und evtl. ganz abschafft. Schliesslich lernt man nie so ring, wie als Kind!
    Und wenn ich heute im Büro tagtäglich erlebe, dass die Leute bei franz. anstehen. Schlimm!!!
  • Sandra-Lia  Infanger , via Facebook 14.08.2014
    Würde man in der Schule Französisch lernen, statt die 100000 Ausnahmeregeln und Konjugation, die kein Mensch braucht, so würden die Kinder es auch mit mehr Freude lernen.
  • Peter  Risi aus luzern
    13.08.2014
    Ausgerechnet von einer SVP-Politikerin! Das ist die ultimative Bankrotterklärung an die Willensnation Schweiz. Ich weiss gar nicht was es da zu diskutieren gibt. Französisch ist eine Landessprache und hat Vorrang. Punk, aus, amen!
    • Dominik  Müller 14.08.2014
      Ich sehe das folgendermassen. Eigentlich ist Französisch die Landessprache der Franzosen und Italienisch der Italiener..... In der Schweiz wird Schweizerdeutsch gesprochen, das ist die Landessprache!! Und Englisch ist eine WELT-Sprache.. viele Anleitungen sind auf Englisch und bei viele Firmen ist Englisch an der 2. oder sogar an der 1. Stelle! Wer Französisch lernen möchte, sollte dies freiwillig machen dürfen!! Englisch hat nun einmal Vorrang, finde ich!!
  • K.  Moeri 13.08.2014
    Es wäre Kurzsichtig, die Landessprache aus dem Lehrplan zu kippen, besser wäre noch italienisch dazuzunehmen und rätoromanisch als Freifach! Wer die Entwicklungen in der Welt verstehen kann, wird keinen Pfifferling mehr auf Englisch als Weltsprache setzen. Denn mit der Gründung der BRICS Staaten, wird spanisch einen grossen Stelllenwert haben, auch deutsch wird wichtiger werden, wegen der Technik und Wissenschaften und weil es leichter lehrnbar ist als chinesisch und russisch.
    • Peter  Gadient 14.08.2014
      Herr Moeri, Sie wissen aber schon, dass in keinem der BRICS Staaten Spanisch gesprochen wird. Ob Sie die Entwicklung der Welt verstehen, weiss ich nicht. Nach wie vor aber ist die Weltsprache Nr. 1 Englisch. Ich bin viel gereist und praktisch in jedem Land auch in Südamerika bin ich mit Englisch weitergekommen.
    • Mike  Egger 14.08.2014
      Wenn Sie eine Weltsprache erlernen wollen, dann müssen Sie Chinesisch lernen. Die Chinesisch sprechende Bevölkerung macht aktuell über 20 Prozent der Weltbevölkerung aus!
    • Annika  Gasser 14.08.2014
      Herr Gadient, wir haben Osteuropa, Russland, die Mongolei und Zentralasien besucht, mit Russisch kamen wir weiter als mit Englisch... In Kambodscha sprechen viele gut Französisch