Tessiner haben Schiss vor Schweizerdeutsch in Schule: «Das Ende der mehrsprachigen Schweiz?»

An einigen Schulen im Kanton Genf müssen Schüler bereits Schweizerdeutsch büffeln – jetzt zittern die Tessiner vor dem «Svizzero tedesco». CVP-Nationalrat Marco Romano sagt warum.

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Tessiner Politiker gegen Schweizerdeutsch in Schule
  play «Wenn das so weitergeht, ist es das Ende der mehrsprachigen Schweiz», fürchtet Marco Romano. (Keystone)
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«Diese Entwicklung erschreckt mich», sagt Marco Romano. Der Tessiner CVP-Nationalrat spricht die Tatsache an, dass Genfer Schüler der Orientierungsstufe eine «sensilbilisation aux dialects» erhalten – also Schweizerdeutsch lernen müssen.

So etwas dürfe es in seinem Kanton nicht geben, sagt der vor drei Wochen 30 Jahre alt gewordene Romano. Nachdem er den entsprechenden Artikel auf Blick.ch gelesen hatte, reagierte er rasch und wendete sich an der Bundesrat.

Zu viele Dialekte für Tessiner?

Blick.ch liegen Romanos Anfragen vor, die Innenminister Alain Berset (SP) wird beantworten müssen. Romano will vom Bundesrat wissen, wie er die Tendenzen zu mehr Schweizerdeutsch beurteilt.

Artikel 4 der Bundesverfassung definiere schliesslich die Landessprachen, von denen alle Schweizer Bürger zumindest eine beherrschen sollten: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Da stehe nichts von Schweizerdeutsch, so Romano.

Nur schon die Vielzahl der Dialekte – «für uns Tessiner tönen die schon sehr unterschiedlich» – würde es für Italienischsprechende unmöglich machen, sich differenziert ausdrücken zu können und sich so mit den Deutschschweizer zu verständigen.

Doch die Kommunikation zwischen Romands, Tessinern und Deutschschweizern sei für das Land von zentraler Beduetung.

Englisch zwischen Landsleuten – «das Ende der Schweiz»

Er habe es im Parlament und vor allem in der Verwaltung schon erlebt, dass bei Treffen zwischen Deutschschweizern und Romands Englisch gesprochen wird, weil keiner auf die Sprache des anderen ausweichen will, klagt Romano.

Würden Tessiner kein «richtiges» Deutsch mehr sprechen, könne es zwischen seinem Kanton und der Deutschschweiz auch so weit kommen.

«Wenn das so weitergeht, ist es das Ende der mehrsprachigen Schweiz», fürchtet Romano, der wegen einem Gleichstand erst per Losentscheid in den Nationalrat kam.

Er geht davon aus, dass der Bundesrat die Autonomie der Kantone in den Vordergrund stellen wird – doch diese Argumentation sei «absolut nicht korrekt», sagt er. «Der Bund muss die Mehrsprachigkeit fördern und steuern» findet er.

Deutsch dank deutscher Mutter

Romano selbst spricht hervorragend Deutsch, sogar Schweizerdeutsch beherrscht der Tessiner. Das verdankt er seiner deutschen Mutter. Diese sprach Deutsch mit ihm, er antwortete aber stets auf Italienisch.

Romanos Angst ist nicht ganz unbegründet: In einem Vorstoss im kantonalen Parlament forderte ein SP-Parlamentarier, Schweizerdeutsch als Freifach in den Lehrplan zu integrieren.

Er fand damit allerdings keinen Anklang bei der Regierung. Diese liebäugelt aber damit, freiwillige Schweizerdeutsch-Intensivkurse in den Sommerferien anzubieten, schreibt die «NZZ».

Berset wird Romano am Montag in der Fragestunde Red und Antwort stehen müssen.

Welchen Deutschschweizer Dialekt sollten die Romands und Tessiner lernen?»

Beliebteste Kommentare

  • Niki  Strub , via Facebook
    Schweizerdeutsch als Fremdsprache zu lernen ist jetzt so was von daneben. Da hat irgend ein Politiker wohl zu heiss gebadet.
  • Manfred  Mann , Oberägeri
    Wenn ein Tessiner und auch ein Romand Schweizerdeutsch versteht ist das ja gut und schön, aber lernen sollte er es nicht müssen. Es bringt ihm viel mehr, wenn er Hochdeutsch lernt, denn kann er sich mit viel mehr leuten unterhalten als "nur" mit Deutschschweizern. Und auch wir Deutschschweizer verstehen ja Hochdeutsch. Ich finde, diese elenden und unnützen Versuche an den Schulen und Schülern sollten endlich mal aufhören.

Alle Kommentare (10)

  • Esther  Bosshart , via Facebook
    Warum muss das Schweizerdeutsch sein. Was ist das wieder für ein blödsinnige Idee. Seien wir doch froh, dass sich Fremsprachige sich in Hochdeutsch verständigen können.
    Oder müssen sie sich denen anpassen, die nicht fähig sind Hochdeutsch zu sprechen.
    • 01.12.2012
    • 20
    • 1
  • Hans  Plüss
    Die Weltsprache Nr. 1 ist nun mal Englisch! In sämtlichen Schulen sollte als erste Fremdsprache englisch gelehrt werden, unabhängig vom Sprachgebiet. Es bietet weltweit allen nur Vorteile. So kann ich mich problemlos mit einem Romand oder Tessiner unterhalten.
  • Zane  Snozzi , Rothrist
    Seit 1291 hat es immer gut funktioniert... nur in den letzten 10 Jahren stellen sich die Schweizer dermassen dumm an, dass es bald keine Schweiz mehr gibt... Wo sind die Politiker, die noch Bodenständig sind? Und genug Herz und Grips haben, die Schweiz wieder zu einer echten Schweiz zu machen??
    • 30.11.2012
    • 29
    • 4
  • Morgan  Schwab , via Facebook
    Es reicht, wenn Deutsch, Italienisch, Französisch, Rätoromanisch und/oder Englisch in der Schule angeboten wird. Diesen Dialektwahn finde ich ziemlich erschreckend. Warum ? Weil auch die Tessiner, und die Romands uns noch verstehen sollen. Daher : Kein Dialekt in der Schule, auch nicht im Kindergarten. Und : Gehörlose müssen von den Lippen ablesen können. Das kann man bei Dialekt kaum. Wenn dann Dialekt eingeführt wird.. Integration ade..
  • Sepp  Rimensberger
    Sollen es wie in der Deutschschweiz machen,eine zweite Landessprache ist sicher nicht schlecht,das muss ja kein spezieller Dialekt sein.
    • 30.11.2012
    • 53
    • 4
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