BERN – Das Bundesgericht will Pokerturniere nur noch in Casinos zulassen. Nationalrat Lukas Reimann mag das nicht hinnehmen – und hat noch ein Ass in der Hand.
Der Entscheid des Bundesgerichts kam gestern wie ein Schock für Schweizer Pokerspieler: Private Veranstalter dürfen keine Pokerturniere der populären Variante «Texas Holdem» mehr organisieren. Begründung: Nicht die Geschicklichkeit sei für den Erfolg entscheidend, sondern reines Glück. Als Glücksspiel sind öffentliche Pokerturniere deshalb künftig nur noch in lizenzierten Casinos erlaubt.
Marc Horisberger, beim Card Casino Thun zuständig für den Pokerbetrieb, will den Entscheid nicht hinnehmen, wie er gegenüber Blick.ch erklärt. Er und Gleichgesinnte überlegen sich, ob sie eine Volksinitiative zur Rettung ihrer Pokerturniere lancieren sollen.
Horisberger verlangt zumindest eine Übergangsfrist von fünf Jahren, wie sie einst beim Verbot von Spielautomaten in den Beizen gewährt wurde. «Schliesslich stehen auch mehrere hundert Vollzeitstellen bei den Turnierbetreibern auf dem Spiel.»
Unterstützung bekommen die Pokerspieler aus Bundesbern – vom St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann (28). « Das Spiel ist fast so beliebt wie Jassen: Mehrere hunderttausend Leute spielen heute Poker, viele davon auch an Turnieren. Ich sehe nicht ein, warum wir sie alle kriminalisieren sollten», sagt er.
Reimann hat noch ein Ass in der Hand: eine Motion, die er bereits 2008 eingereicht hatte und welcher der Nationalrat vor drei Monaten zustimmte. Dabei geht es zwar um private Pokerrunden unter Freunden – und nicht einmal das Bundesgericht will diese verbieten.
Doch Reimann will die Motion so umbauen, dass das Parlament Pokern zum Geschicklichkeitsspiel erklären kann. Die Gelegenheit dazu erhielte er, falls der Ständerat seiner Motion in der Herbstsession ebenfalls zustimmt und der Bundesrat daraufhin einen Gesetzesentwurf ausarbeiten müsste.
Dieser Entwurf würde dann in die Rechtskommission des Nationalrates kommen, in der auch Reimann sitzt. Seine Änderungswünsche kann er dort nach Belieben einbringen – und zwar relativ rasch.
«Ich habe mir auch überlegt, eine neue Motion einzureichen. Aber so langsam wie die Mühlen in Bern mahlen, wäre ich damit viel zu spät gekommen», erklärt der jüngste Nationalrat. Offene Türen rennt er damit im Parlament nicht gerade ein. So heisst es bei den Sozialdemokraten, dass es derzeit wirklich drängendere Probleme gebe.
Aber Hoffnung für die Pokerfreunde gibt es: Immerhin hat sich im März bei der Abstimmung über die Motion im Nationalrat auch SP-Chef Christian Levrat auf die Seite von Reimann geschlagen.
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Jusstudent Lukas Reimann will das Gesetz ändern, um den Entscheid des Bundesgerichts rückgängig zu machen. (Karl-Heinz Hug)
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