NDB-Chef Markus Seiler und seine Nebenjobs Stürzt Maurer über seinen Geheimdienst-Chef?

Markus Seiler scheint für alles Zeit zu haben. Nur nicht für seinen Job. Und der VBS-Chef schaut weiter nur zu.

  • Publiziert: 00.00 Uhr, Aktualisiert: 08.53 Uhr
  • Von Henry Habegger
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NDB-Chef Markus Seiler ist extrem nebenbeschäftigt.

(Keystone)
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Seilert er sich selber aus dem Bundesrat ab? Ueli Maurer, Verteidigungsminister.

(Keystone)

Als hätte er als Chef des windschiefen Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) nicht genügend zu tun. Wie der «Sonntag» berichtet, kandidiert NDB-Chef Markus Seiler (44, FDP) in Spiez BE für einen Gemeinderatssitz (Exekutive).

VBS-Chef Ueli Maurer (SVP) ist informiert, und seine Sprecherin hielt fest: Seiler müsste als NDB-Chef zurücktreten, falls er am 4. November gewählt würde und die Wahl annähme.

So weit wird es nicht kommen, denn Seiler ist nur Lückenfüller auf der FDP-Liste. Und der Skandal um geklaute Geheimdienstdaten in Seilers Nachrichtendienst war kaum hilfreich.

Seiler hat diverse Ämter inne

Aber der als Karrierist geltende Seiler hat noch mindestens drei weitere Nebenjobs. Er ist Vizepräsident der Spiezer FDP. Er ist Mitglied des Spiezer Kirch­gemeinderats, wo er Finanz- und Personalkommission leitet.

Nebenbei sitzt er auch im Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften (SGVW), die von Bundeskanzlerin Corina Casanova präsidiert wird. Das lohnt sich. Noch im Januar 2012 konnte Seiler den Dank der abtretenden Spiezer Kirchgemeinderatspräsidentin  entgegennehmen. Sie hielt im Kirchenblatt fest, Seiler sei «in schwierigsten ­Herausforderungen immer zur Stelle gewesen».

Ob Seiler auch in seinem Brotjob in Bern immer zur Stelle war, ist fraglich. Im Mai 2012 spazierte ein Informatiker unbemerkt mit Unmengen von geklauten Daten aus dem Haus, ohne dass Seiler und seine Leute etwas merkten. «Im Nachrichtendienst gibt es kein Risikomanagement», hielt die Geschäftsprüfungsdelegation der Räte kürzlich fassungslos fest.

Ausser für Journalisten, die er seit dem Datenklau boykottiert, ist Seiler vermutlich der weltweit am besten erreichbare Geheimdienstchef: Seine Büronummer ist sowohl auf der Website der Kirche wie auch der des SGVW publiziert, inklusive E-Mail-Adresse.

«Nachrichtendienst – Sicherheitsfaktor oder Risiko?»

Heiter wirds Ende Oktober, wenn Seiler vor der Zürcher FDP unter dem eher mutigen Titel «Nachrichtendienst – Sicherheitsfaktor oder Risiko?» referiert. Markus Seiler scheint für alles Zeit zu haben, ausser für seinen Job. Aber VBS-Chef Maurer hat Seilers Nebenjobs abgesegnet. Der Zeitaufwand halte sich in «vertretbaren Grenzen», so eine VBS-Sprecherin.

Nur wird die Luft für Maurer selbst auch immer dünner. Die Datenklau-Affäre droht auf ihn zurückzufallen. Spätestens im Dezember, wenn er zum Bundespräsidenten gewählt werden will. Ein Amt, das ihm viele Politiker ohnehin nicht zutrauen.

Will Maurer gehen?

Stürzt Maurer über seinen Geheimdienst-Chef? Oder will er stürzen?

Nach wie vor gibt es Insider, die behaupten, Maurer würde lieber heute als morgen als Bundesrat zurücktreten. Einige meinen, er gehe nach dem Präsi­dialjahr.

Andere sagen, Maurer wolle sich selbst abseilen. Er suche der SVP zuliebe einen Abgang mit Getöse, even­tuell noch 2012. Passen würde das, denn bald hat Maurer Anrecht auf eine volle Bundesratsrente. Die kriegt, wer vier Jahre in der Regierung war. Bei Maurer ist es am 31. Dezember 2012 so weit.

Beliebteste Kommentare

  • Paul  Meier , via Facebook
    Nachdem das Herbeischreiben der SVP Niederlage im Aargau nicht geklappt hat folgt hier ein weiterer Versuch die SVP schlechtzuschreiben. Und was das Herausspazieren mit Unmengen von Daten betrifft sollte sich Blick über die Kapazitäten von Mobilen Speichermodulen informmieren. Es ist nicht mehr so dass man stapelweise Disketten oder Sicherungsbänder braucht dazu.
  • Hans  Berner , Bern
    Oh, ist das schon die nächste Ringier Attacke auf die SVP? Da dürfen wir ja alle gespannt sein, was das noch alles kommt.

Alle Kommentare (24)

  • Walter Hermann  Fröhlich-Gantenbein , via Facebook
    Die Bunderatsrente müsste grundsätzlich volksverträglich geregelt werden, wie sich dies in einer Demokratie gehört. Was ist offensichtlich nicht der Fall ist, z.B. Fall Metzler, Kopp etc.etc.etc.
    • 22.10.2012
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  • Philipp  Rittermann
    unterschied bundesrat heute und bis noch vor 4 jahren: vor 4 jahren haben sie sich gegenseitig die stühle abgesägt. heute deckt jede/r jede/n. resultat: die heutige situation ist noch schlimmer, weil die resultate der mauscheleien später ans licht kommen. wir schweizer haben wieder eine kritische und ehrliche landesregierung verdient. die damen und herren im heutigen bundesrat müssten allesamt "ausgeschafft" werden.
    • 22.10.2012
    • 22
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  • Franz  Steiger
    Passt doch gut zur besten Armee der Welt: der beste Geheimdienst der Welt! Wenn Maurer jetzt auch noch die Schweizer Sportler zu den besten der Welt macht, dann wird er als bester Bundesrat der Welt - sorry, Schweiz - in die Geschichte eingehen.
    Und falls er wirklich bald gehen will, kann er sich endlich einen Lebenstraum erfüllen und bei Wetten Dass Gräser essen gehen.
  • Hampi  Buschor , Lachen , via Facebook
    Klar will er aufhören! Sonst "müsste" er noch Bundespräsident werden! Das Parlament wär ja eh zu ängstlich um ihn nicht zu wähen. Und diese Lachnummer möchte Ueli dem Parlament wohl ersparen!
  • René  Müller
    Es ist erstaunlich wieviele die SVP verteidigen. Habt ihr alle den Lehrgang von SVP Nationalrat Hans Fehr besucht? Wie schreibe ich einen Leserbrief? Wie antworte ich auf Leserbriefe? In der Schweiz darf man alles. Nur nicht die SVP oder deren Mitglieder kritisieren. Da ist man bereits ein Landesverräter.
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