Gripen-Desaster Stürzt Maurer ab?

Dass VBS-Chef Ueli Maurer kritische Testberichte zum Gripen nicht gekannt haben will, schreckt Politiker auf.

  • Publiziert: 13.02.2012, Aktualisiert: 14.02.2012
  • Von Henry Habegger
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Verteidigungsminister Ueli Maurer: Keine Ahnung vom Geheimbericht?

(Peter Gerber)

Der FDP-Sicherheitspolitiker und Oberst im Generalstab, Peter Malama, ist stinksauer: «Wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Dieser Wirbel schadet der Glaubwürdigkeit der Armee.» Und die FDP verlangte gestern ultimativ: «Ueli Maurer muss sich innert 24 Stunden erklären.»

Grund für den Wirbel: In Evaluationsberichten aus dem Jahr 2009, die von der «SonntagsZeitung» publiziert wurde, schnitt der Gripen-Kampfjet lausig ab. In allen sechs getesteten Bereichen wie Luftpolizei oder Aufklärung bekam er die Note ungenügend.

Trotzdem entschied sich der Bundesrat im November auf Antrag von Maurer, für über drei Milliarden den schwedischen Saab-Jet zu kaufen. Und gegen die offenbar weit besseren Kampfjets Rafale (Dassault) und Eurofighter (EADS).

Was Sicherheitspolitiker aller Parteien jetzt aufschreckt, ist die Tatsache, dass Maurer die Gripen-kritischen Unterlagen nicht gekannt haben will: «Die einzelnen Berichte kannte Bundesrat Maurer nicht im Detail», teilte das VBS gestern mit.

Milliardendeal im Blindflug? Die FDP ist geschockt. «Aufgrund welcher Unterlagen hat der Bundesrat denn den Entscheid getroffen?», fragt sie.

Laut Bundesratssprecher André Simonazzi hat die Regierung aufgrund der Unterlagen entschieden, die Maurer vorlegte: «Der Bundesrat hat mehrmals über dieses Sujet gesprochen, aufgrund der eingereichten Unterlagen des VBS.» Wenn Maurer die Berichte nicht kannte, dann kannte sie also auch der Bundesrat nicht. Für FDP-Nationalrat Malama ist klar, wer die Verantwortung trägt: «Ein VBS-Chef muss solche strategischen Geschäfte im Detail kennen.»

«Wir wollen wissen, warum Maurer die Berichte nicht kannte», sagt SVP-Sicherheitspolitiker Thomas Hurter. «Ob sie ihm vorenthalten wurden, oder ob sie nicht relevant waren.» Er ist Präsident der Subkommission, die den Kampfjet-Entscheid untersucht und nun Einblick in die Geheimberichte erhält.

Malama verlangt, dass der Bundesrat den Kampfjet-Entscheid überprüfe. Hurter hält das nur für nötig, wenn sich Fehlverhalten zeigen sollte. Oder wenn wesentliche Fakten nicht berücksichtigt wurden.

In Luftwaffenkreisen relativiert man die Berichte um den Flop-Gripen. Sie seien überholt, gäben den Stand vor vier Jahren wieder. Die von der Schweiz vorgesehenen Gripen der neuen Generation seien technologisch auf einem höheren Niveau und entsprächen bei Auslieferung den Anforderungen praktisch zu 100 Prozent. Das habe Schweden so zugesagt.

Maurer wollte sich gestern nicht äussern. Er wolle sich zuerst ins Bild setzen, hiess es im VBS. Heute soll es soweit sein. 

Malama verlangt inzwischen, dass der Bundesrat den Kampfjet-Entscheid überprüfen und in Kenntnis aller relevanten Unterlagen neu fällen soll.

Maurer muss sich erklären

Kommentar von Clemens Studer, Stv. Chefredaktor

 

Braucht die Schweiz neue Kampfflieger? Bis vor gut einem Jahr sah es danach aus, als gäbe es dazu keine Eile. Nicht einmal der Verteidigungsminister drängte darauf. Selbst die GSoA meinte, sie habe das Ziel ihrer Initiative für ein Kampfjet-Moratorium erreicht und zog im November 2010 das Begehren naiv zurück.

 

Vor knapp einem Jahr dann spürten bürgerliche Armee-Politiker den Frühling und die Wahlen. In einer Hauruck-Übung erhöhten sie innert weniger Monate die möglichen Militärausgaben auf fünf Milliarden Franken, damit ein Kampfjet gekauft werden kann.

 

Ueli Maurer sonnte sich still im unerwarteten Glück. Und verkündete im letzten November, der Bundesrat habe sich auf seinen Antrag hin für den Gripen entschieden. Der neue Schwede entspreche den Anforderungen der Schweiz und habe das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Schon damals gab es hörbares Gegrummel aus armeefreundlichen Kreisen. Militärexperten aus der SVP liessen gar verlauten, bei den Bundesratswahlen statt Ueli Maurer einen anderen SVP-Politiker wählen zu wollen.

 

Weil bei Rüstungsgeschäften nie ganz klar ist, welche Politiker aus welchen Gründen für welches Produkt weibeln, stiessen die Maurer-Kritiker nicht auf grosses Interesse. Man vermutete vor allem schlechte Verlierer am Werk. Im Nachhinein muss man sagen: Das war ein Fehler.

 

Denn was in den letzten Tagen auf den Tisch gekommen ist, lässt Schlimmes befürchten. Besonders, dass Maurer selbst nicht über alles im Bild sein will.

 

Ueli Maurer muss einiges erklären in den nächsten Tagen. Sonst wird es eng. Zuerst für neue Kampfjets. Dann für den VBS-Chef.

Kommentare (32)

  • Fritz  Mathys , Bösingen
    Das ist wirklich eine sonderbare Einkaufspolitik, welche das VBS unter BR Ueli Maurer betreibt. Da wird zuerst dem Bundesrat auf der Basis eines offenbar schlechten Modells, dem sogenannten CD-Typ, eine Beschaffung beantragt um nachher, nach Bekanntwerden der negativen Testberichte, zu sagen es gäbe nun ein viel besseres Modell. Was am neuen Modell des Typs EF besser sein soll, wissen wohl selbst die verantwortlichen Militärs nicht. Zum Glück ist dieser Fauxpas nicht alt BR Samuel Schmid passiert, sonst wären nun nebst der SP und den Grünen auch die SVP gegen eine Flugzeugbeschaffung.

    Fritz Mathys, Bösingen
    • 14.02.2012
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  • Walter Hermann  Fröhlich-Gantenbein
    Es wird tatsächlich Zeit, dass die Politiker aufwachen, welche die Anschaffung von Kampfflugzeugen am Volk vorbei schmuggeln wollten.
    • 14.02.2012
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  • Stephan  Wyss
    Worum geht es denn eigentlich in dieser Sache? Der Gripen ist sicher nur der Vorwand. Ich bin in keiner Weise SVP-Sympatisant, dennoch vermute ich, dass gewisse Politkreise versuchen Ueli Maurer loszuwerden. FAkt ist doch, dass der Gripen eine vernünftige Lösung ist. Es ist ein Kampfjet der bereits vielerorts in der Welt im Einsatz ist, was seine Tauglichkeit mehr als nur beweist. Das Flugzeug kann auf unbefestigten Pisten starten und landen, können Raffale und Eurofighter beide nicht. Der Jet ist bezahlbar, ein Argumenr das in Zeiten wie den jetzigen sicher grossen Wert hat. Wiso soll der Staat dem Bürger vorleben, dass man immer alles haben und kaufen kann was man will, obschon das Geld nicht da ist? Dies wäre ein falsches Signal! Dann sind da noch unserer Militärpiloten, die bisher immer bekommen haben was sie wollten. Dies geht nun jetzt mal nicht mehr und somit sind die Piloten wohl gekränkt weil es jetzt mal bescheidener zur Sache geht als bisher. Desweiteren noch der Fakt, dass ich dagegen bin, dass die Scheiz ein Flugzeug kauft, dass, ausser im Entwicklungs- und Herstellungsland, noch keinen Käufer gefunden hat. Wer kauft schon etwas, dessen Tauglichkeit noch nie wirklich bestätigt wurde? Nicht zuletzt wäre dann auch doch die Sache, dass Raffale und Eurofighter von Staaten gebaut werden die es sich auf die Flagge geschrieben haben, die Schweiz in ihrer Eigenschaft als souveränen Staat abschaffen resp. unterdrücken zu wollen. Sie wollen partout nicht verstehen, dass wir unsere Eigenheiten behalten wollen. Und dann soviel Geld in diese Länder schicken? Nein, danke... Schweden hingegen ist uns da um ein vielfaches freundllicher gesinnt.
    • 14.02.2012
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  • Ruedi  Greub , Lotzwil
    Da haben wohl gewisse Leute wunschgedenken was sie mir dem Flieger machen können.
    Es interessiert sie nicht für was wir die Flieger brauchen, sondern haben eigene Wunschgedanken.
    Ich glaube der Gripen ist gut genug für hier in der Schweiz, aber wenn man gerne mit der NATO
    in fremde Länder mitfliegen will, da genügt er den Anforderungen wohl nicht.
    • 14.02.2012
    • 1 Gefällt mir
  • rolf  sulzer
    das spiel der milliarden - bei der beschaffung des teuersten verteidigungs gerätes, zwecks erreichung der "welt-besten" armee, hat der "welt-unfähigste" kommandant, kläglich versagt. man darf sich garnicht vorstellen, was im falle eines kriegerischen konflikts in diesem depp-artement abgehen würde - das totale chaos.
    • 14.02.2012
    • 0 Gefällt mir
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