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Verteidigungsminister Ueli Maurer: Keine Ahnung vom Geheimbericht?
(Peter Gerber)Der FDP-Sicherheitspolitiker und Oberst im Generalstab, Peter Malama, ist stinksauer: «Wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Dieser Wirbel schadet der Glaubwürdigkeit der Armee.» Und die FDP verlangte gestern ultimativ: «Ueli Maurer muss sich innert 24 Stunden erklären.»
Grund für den Wirbel: In Evaluationsberichten aus dem Jahr 2009, die von der «SonntagsZeitung» publiziert wurde, schnitt der Gripen-Kampfjet lausig ab. In allen sechs getesteten Bereichen wie Luftpolizei oder Aufklärung bekam er die Note ungenügend.
Trotzdem entschied sich der Bundesrat im November auf Antrag von Maurer, für über drei Milliarden den schwedischen Saab-Jet zu kaufen. Und gegen die offenbar weit besseren Kampfjets Rafale (Dassault) und Eurofighter (EADS).
Was Sicherheitspolitiker aller Parteien jetzt aufschreckt, ist die Tatsache, dass Maurer die Gripen-kritischen Unterlagen nicht gekannt haben will: «Die einzelnen Berichte kannte Bundesrat Maurer nicht im Detail», teilte das VBS gestern mit.
Milliardendeal im Blindflug? Die FDP ist geschockt. «Aufgrund welcher Unterlagen hat der Bundesrat denn den Entscheid getroffen?», fragt sie.
Laut Bundesratssprecher André Simonazzi hat die Regierung aufgrund der Unterlagen entschieden, die Maurer vorlegte: «Der Bundesrat hat mehrmals über dieses Sujet gesprochen, aufgrund der eingereichten Unterlagen des VBS.» Wenn Maurer die Berichte nicht kannte, dann kannte sie also auch der Bundesrat nicht. Für FDP-Nationalrat Malama ist klar, wer die Verantwortung trägt: «Ein VBS-Chef muss solche strategischen Geschäfte im Detail kennen.»
«Wir wollen wissen, warum Maurer die Berichte nicht kannte», sagt SVP-Sicherheitspolitiker Thomas Hurter. «Ob sie ihm vorenthalten wurden, oder ob sie nicht relevant waren.» Er ist Präsident der Subkommission, die den Kampfjet-Entscheid untersucht und nun Einblick in die Geheimberichte erhält.
Malama verlangt, dass der Bundesrat den Kampfjet-Entscheid überprüfe. Hurter hält das nur für nötig, wenn sich Fehlverhalten zeigen sollte. Oder wenn wesentliche Fakten nicht berücksichtigt wurden.
In Luftwaffenkreisen relativiert man die Berichte um den Flop-Gripen. Sie seien überholt, gäben den Stand vor vier Jahren wieder. Die von der Schweiz vorgesehenen Gripen der neuen Generation seien technologisch auf einem höheren Niveau und entsprächen bei Auslieferung den Anforderungen praktisch zu 100 Prozent. Das habe Schweden so zugesagt.
Maurer wollte sich gestern nicht äussern. Er wolle sich zuerst ins Bild setzen, hiess es im VBS. Heute soll es soweit sein.
Malama verlangt inzwischen, dass der Bundesrat den Kampfjet-Entscheid überprüfen und in Kenntnis aller relevanten Unterlagen neu fällen soll.
Kommentar von Clemens Studer, Stv. Chefredaktor
Braucht die Schweiz neue Kampfflieger? Bis vor gut einem Jahr sah es danach aus, als gäbe es dazu keine Eile. Nicht einmal der Verteidigungsminister drängte darauf. Selbst die GSoA meinte, sie habe das Ziel ihrer Initiative für ein Kampfjet-Moratorium erreicht und zog im November 2010 das Begehren naiv zurück.
Vor knapp einem Jahr dann spürten bürgerliche Armee-Politiker den Frühling und die Wahlen. In einer Hauruck-Übung erhöhten sie innert weniger Monate die möglichen Militärausgaben auf fünf Milliarden Franken, damit ein Kampfjet gekauft werden kann.
Ueli Maurer sonnte sich still im unerwarteten Glück. Und verkündete im letzten November, der Bundesrat habe sich auf seinen Antrag hin für den Gripen entschieden. Der neue Schwede entspreche den Anforderungen der Schweiz und habe das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Schon damals gab es hörbares Gegrummel aus armeefreundlichen Kreisen. Militärexperten aus der SVP liessen gar verlauten, bei den Bundesratswahlen statt Ueli Maurer einen anderen SVP-Politiker wählen zu wollen.
Weil bei Rüstungsgeschäften nie ganz klar ist, welche Politiker aus welchen Gründen für welches Produkt weibeln, stiessen die Maurer-Kritiker nicht auf grosses Interesse. Man vermutete vor allem schlechte Verlierer am Werk. Im Nachhinein muss man sagen: Das war ein Fehler.
Denn was in den letzten Tagen auf den Tisch gekommen ist, lässt Schlimmes befürchten. Besonders, dass Maurer selbst nicht über alles im Bild sein will.
Ueli Maurer muss einiges erklären in den nächsten Tagen. Sonst wird es eng. Zuerst für neue Kampfjets. Dann für den VBS-Chef.
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