Streit um AHV-Renten-Barauszahlung «Vom Türservice müssen wir Abschied nehmen»

Selbst der Präsident der Konferenz der Ausgleichskassen, Andreas Dummermuth, hält die Barauszahlung der AHV-Rente für einen alten Zopf. Doch solange das Gesetz diese vorsehe, müsse sie garantiert werden. Er hofft deshalb auf eine bessere Lösung mit der Postfinance.

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Andreas Dummermuth präsidiert die Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen. ZVG

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Die Postfinance liefert die AHV-Rente ab April 2017 nicht mehr an die Haustür. Nur in begründeten Ausnahmefällen soll dies noch möglich sein. CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (SO) verlangt deshalb vom Bundesrat Auskunft über diesen Serviceabbau für Rentner (BLICK berichtete).

Doch auch die Ausgleichskassen sind mit der von der Postfinance vorgeschlagenen Kontingentslösung nicht zufrieden. Allerdings sieht auch Andreas Dummermuth, Präsident der Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen, im Heimservice kein Zukunftsmodell mehr, wie er im BLICK-Interview verrät.

BLICK: Rund 4000 Rentner lassen sich die AHV zu Hause ausbezahlen. Das ist laut Postfinance nicht mehr zeitgemäss. Was sagen Sie dazu?
Andreas Dummermuth:
Die direkte Barauszahlung ist tatsächlich ein alter Zopf. Doch das Gesetz sieht diese Möglichkeit vor – und das bedingungslos. Jeder Rentner hat das Recht, sich die AHV bar auszahlen zu lassen.

Dann ist Ihnen die Direktauszahlung ein Dorn im Auge?
Die Direktauszahlung ist aufwendig, teuer und risikoreich. Deshalb wäre eine bargeldlose Auszahlung aus unserer Sicht sinnvoller: Sie ist schneller, günstiger und sicherer.

Warum haben die Ausgleichskassen dann mit einem Brief gegen die Kontingentslösung protestiert, mit welcher zumindest noch 1000 Rentner die AHV an die Haustür geliefert bekämen?
Die Ausgleichskassen haben sich massiv darum bemüht, dass die AHV-Bezüger auf eine bargeldlose Auszahlung wechseln – die Zahl der Barbezüger ist innert Jahresfrist um über 60 Prozent gesunken. Doch es bleibt ein harter Kern von 4200 Personen, welche ausdrücklich eine Bargeldauszahlung wünschen. Diese müssen wir laut Gesetz bedienen. Da reichen Kontingente von maximal 1000 Personen nicht. Erst recht nicht, weil die von Postfinance vorgesehene Zuteilung auf die verschiedenen Kassen hinten und vorne nicht stimmt. Wir hoffen weiterhin auf eine bessere Lösung – zum Beispiel höhere Kontingente oder längere Übergangsfristen.

Und wenn nicht – was ist die Alternative?
Das Gesetz verpflichtet uns zwar zur Barauszahlung der Rente. Es schreibt aber nicht vor, dass dies an der Haustür geschehen muss. Eine mögliche Lösung ist, dass die betroffenen zwei Promille der Rentner ihr Geld direkt am Postschalter, bei der Ausgleichskasse oder allenfalls bei der AHV-Zweigstelle in ihrer Wohngemeinde abholen.

Das heisst, die Hürde wird so oder so höher!
Das ist so. Ich bin aber optimistisch, dass wir mit der Post – oder einem anderen Anbieter – einen Mix finden werden. Vom bedingungslosen Türservice müssen wir aber Abschied nehmen.

Publiziert am 09.12.2016 | Aktualisiert am 16.01.2017
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14 Kommentare
  • Heinrich  Ochsner 09.12.2016
    das Überbringen kostet doch so viel Geld, (stöhn), dann lasst die Rentner mit dem Taxi doch chauffieren und bezahlt die Fahrten, Taxi verdient Geld, Post spart Geld, Rentner zufrieden, was will man mehr?
  • Annemarie   Setz 09.12.2016
    Vieles, was die Post abbaut ist nicht korrekt und dient dem Kunden nicht. Was aber diese Barzahlungen durch Pöstler anbetrifft verstehe ich die Post. Es gibt andere Möglichkeiten, an das Geld zu kommen, als diese Hauslieferung, die zudem ein gewisses Gefahrenpotential in sich birgt. Also in diesem Fall verstehe ich die Post.
  • Beat  Küng aus Bellinzona
    09.12.2016
    Das per Gesetz einzig legale Zahlungsmittel ist, selbst in den USA, das Bargeld. Alle anderen Formen wie Check, Kreditkarte, Apps etc. sind nur von der Gesellschaft goutiert, mehr nicht. Ansonsten würde nämlich auffallen, dass mehr (elektronisches) Geld im Umlauf ist, als überhaupt Banknoten gedruckt wurden. De facto bezahlen wir also mit - NICHTS...! Die Elektronik ist ja nur eine virtuelle "Realität". Wobei diese "Realität" eine Volksverarsche ist.
    • Gregor  Samsa 09.12.2016
      "Das per Gesetz einzig legale Zahlungsmittel ist das Bargeld," schreiben Sie. Dann bringen Sie den Betrag für die jährliche Steuerrechnung jeweils als Bargeld beim Steueramt vorbei, denn eine Bank- oder Postkontoüberweisung ist ja keine legale Zahlung. Auch Ihre Krankenkasse freut sich über Ihren monatlichen Besuch, um die Prämie mittels Bargeld entgegenzunehmen, ebenso das Elektrizitätswerk usw. usw.
  • John  Livers aus St.Gallen
    09.12.2016
    Ob da Postfinance oder gar die Banken dahinter stecken? Da müssen Kontos eröffnet werden und dann werden Kontobearbeitungsgebühren fällig. Meine Bank verlangt monatlich Fr. 6. Kontobearbeitungsgebühr, auch wenn keine Kontobewegungen stattfinden.
  • Landre  Marb , via Facebook 09.12.2016
    Nennen wir doch das Kind einfach beim Namen... "Neoliberalismus im 21Jh.".
    Man will uns einfach nur das Bargeld wegnehmen. Dies leider exklusiv zugunsten der finanzwirtschaftlichen Absahner. Leider ist es eine globale Tendenz der die Schweiz kaum die Stirne halten könnte.