Strafverfahren gegen Pirmin Schwander SVP-Nationalrat half bei Kinds-«Entführung»

Er ist der grösste Kritiker der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden: SVP-Politiker Pirmin Schwander. Nun steht er offenbar im Visier der Justiz.

Strafverfahren gegen SVP-Nationalrat Pirmin Schwander play
«Man sagt zwar, ich sei ein harter Typ...» – SVP-Nationalrat Pirmin Schwander geht die Vorladung durch die Polizei nahe. EQ Images

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Strafverfahren gegen SVP-Nationalrat Pirmin Schwander play
 

Sarah C., eine Mutter aus Biel, brachte im Oktober ihr Kind nicht in ein Heim zurück und flüchtete nach Frankreich (BLICK berichtete). Bei dieser «Entführung» des eineinhalbjährigen Mädchens wurde sie finanziell von SVP-Nationalrat Pirmin Schwander unterstützt.

«Seit der Vorladung bei der Polizei kann ich kaum mehr schlafen.»

Das berichten übereinstimmend die «Rundschau» und der «Tages-Anzeiger». Demnach ermittelt die Justiz nun gegen den Schwyzer Rechtspolitiker. Dieser sagt dem Fernsehen: «Man sagt zwar, ich sei ein harter Typ. Aber seit der Vorladung bei der Polizei kann ich kaum mehr schlafen.»

Der Verdacht belaste ihn sehr, gibt er zu Protokoll. Im Visier der Behörden ist er wegen dem Verdacht auf die Gehilfenschaft zur Entführung Minderjähriger. Gemäss «Rundschau» soll er die Frau mit 7000 Franken unterstützt haben.

Pirmin Schwander ist der wohl prominenteste Politiker, der sich für eine Volksinitiative einsetzt, die den Handlungsspielraum der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) drastisch einschränken will.

Strafverfahren gegen SVP-Nationalrat Pirmin Schwander play
Im Jahr 2014 wurden insgesamt 1518 Kinder von einer Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde in einer Pflegefamilie, einem Kinder- oder Jugendheim untergebracht, wie ein Bericht des Bundesrates zeigt. (Symbolbild) KEYSTONE/URS FLUEELER

Im konkreten Fall blieb die Mutter mit ihrer Tochter während acht Monaten untergetaucht. Im Juni ist sie in Südfrankreich verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert worden. Dabei geht es dem Kind gemäss den Berichten gut.

Die Mutter sitzt seither in Untersuchungshaft. Genauso erging es offenbar auch ihrem Anwalt und dessen Sekretärin, die gemäss «Tages-Anzeiger» Schwanders Geld an die Frau transferiert haben sollen. Anfang Woche sollen sie frei gekommen sein.

Die Frau selbst ist den Behörden schon länger bekannt. Gemäss «Rundschau» hatte sie ihren ersten Sohn nicht in die Schule geschickt – aus Angst, ihr Ex-Mann, ein verurteilter Straftäter, könnte diesen entführen.

«Ihr Kind war immer in der Nacht aktiv»

Der Junge kam deshalb in ein Heim. Kurz nach der Geburt der Tochter musste diese ebenfalls in ein Heim, die Mutter durfte sie aber besuchen. Gemäss einem psychiatrischen Gutachten wird bei der Mutter eine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.

Pirmin Schwander ist sich indessen keines Fehlers bewusst. Die Zahlungen an die Frau habe er mit der Bedingung verknüpft, sich den Behörden im Inland zu stellen. «Wenn man eine Mutter von ihrem Kind trennt, ist das ein Verbrechen. Man darf jetzt nicht den Umkehrschluss machen und sagen, die Mutter habe einen Fehler gemacht.»

Vertreten wird Schwander vom bekannten Anwalt Valentin Landmann. Nicht nur gegen den SVP-Nationalrat, auch gegen weitere Kesb-Kritiker läuft in diesem Zusammenhang ein Strafverfahren.

Die Berner Kantonspolizei bestätigt dem «Tages-Anzeiger» Ermittlungen gegen mehrere Personen und Abklärungen zur Aufhebung der Immunität eines Politikers. Den Namen Schwander nennt sie nicht.

Allerdings sagt dieser selbst, dass er sich auf die parlamentarische Immunität beruft. Ob diese ihn im vorliegenden Fall schützt, ist unklar.

Publiziert am 31.08.2016 | Aktualisiert am 17.10.2016
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103 Kommentare
  •   , via Facebook 31.08.2016
    Bravo, Herr Schwaller. Wenn man einer Mutter in der Not ehrenhaft hilft, so ist es eher unwahrscheinlich, dass das eine Straftat sein soll.
    Ich selber hingegen wurde vom Beistand meines Sohnes, dies mit Wissen der KESB, illegal zu einer Zahlung genötigt.

    Ich finde es grundsätzlich sehr gut, dass es so warmherzige und verständnisvolle Menschen wie Herrn Schwaller gibt, denn die KESB kommt mir manchmal ziemlich kaltblütig vor.
  • Urech  Hanna aus Basel
    31.08.2016
    Kompliment Herr Schwaller!Es braucht immer mutige Menschen, damit wir nicht wieder Verdingkinder oder Kinder der Landstrasse haben.Es mag bei der KESB sehr gute Leute geben, aber die KESB selber ist eine Unrechtsorganisation ohne Kontrollen und schafft mit diesen ZWEI (!) HEimeinweisungen nur noch mehr Elend. Gehört endlich abgeschafft!Ja, ich teile das Trauma meiner verdingten Onkel!Ja, da wird man verstört,wenn solche Instanzen die Kinder oder Eltern wegnehmen..
  • Peter  Jodel 31.08.2016
    Heute Abend kann man dazu noch den SRF-Verriss in der Rundschau sehen. Schon der Titel "Schwanders Kampf gegen die KESB" lässt erahnen, was auf ihn zukommt. Schliesslich ist der Staatssender doch dazu da, die Behörden zu verteidigen. Wer hats erfunden? Nein, diesmal nicht die Schweizer..
    • Fritz  Kehrer 17.10.2016
      Dann ist alt Bundesrat Blocher kein Schweizer? Er hat die Kesb während seiner Amtszeit eingeführt.
  • Ernst  Fischer aus Baltenswil
    31.08.2016
    Wie sagt die SVP jeweils so schön, wenn andere Partei-Volksvertreter in Fällen innvolviert sind? Rücktritt.
  • Linda  Marbach aus Basel
    31.08.2016
    Warum wird der Artikel von den meisten nicht zu Ende gelesen? Viele Kommentare verurteilen so Schwander, ohne genauere Kenntnisse zum Fall zu haben oder negieren Schwanders Aussage zur Sache Geldverwendung. Einfach so, weil sie SVP gelesen haben. Diese Verfasser sollte sich die Kesb mal vornehmen und prüfen, ob sie selbständig leben dürfen oder unter die Knute der Kesb gehören.