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Es sieht so aus, als würde der Verband die Forderungen der Politik akzeptieren. (Keystone)
Anfang September scheiterte am «runden Tisch gegen Gewalt im Sport» der letzte Versuch, die Fussballklubs zur Räson zu bringen. Im Kampf gegen randalierende Chaoten steigt seither der Druck auf Vereine und Fussballverband, und zwar massiv.
Allen voran die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD): Sie präsentierte einen gepfefferten Forderungskatalog gegen die Hooligans, der nächste Woche in die Vernehmlassung geht.
Nun bekommt die KKJPD Rückendeckung aus dem Bundeshaus. Die drei Zürcher Nationalräte Doris Fiala (FDP), Daniel Jositsch (SP) und Chantal Galladé (SP) haben ein Paket von Vorstössen gegen Fussball-Rowdys geschnürt, das SonntagsBlick exklusiv vorliegt.
Zürcher Trio fordert Nulltoleranz
«Die Zerstörungswut kann nicht mehr toleriert werden», so Fiala. Vor fünf Monaten ging die Liberale auf die SP zu – auch weil es zum Teil die gleichen Chaoten seien, die in Stadien und am 1. Mai wüten. Und Chantal Galladé meint: «Es geht nicht, dass Familien aus Angst nicht mehr in Stadien gehen.»
Das Zürcher Trio fordert einerseits ein knüppelhartes Vorgehen gegen einzelne Hooligans: Auch Ersttäter sollen in U-Haft wandern. Rayonverbote gelten konsequent. Staatsanwälte sprechen direkt in den Stadien Strafen aus. Stark Betrunkene dürfen gar nicht erst hinein.
Unerlaubte Fan-Märsche vom Bahnhof zum Stadion löst die Polizei konsequent auf. Der Bund soll prüfen, ob es Spezialeinheiten auf Bundesebene braucht.
Und siehe da: Der Druck beginnt zu wirken. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) sagt zu all diesen Forderungen erstmals klipp und klar: «Einverstanden!» Knickt der Verband tatsächlich ein? Es sieht ganz so aus. Der Druck von allen Seiten wird offenbar zu massiv, eine Flucht nach vorne unausweichlich.
Vereine sind gefordert
Die sozial-liberale Anti-Hooligan-Koalition will die Vereine in die Pflicht nehmen – mit Massnahmen, die auch friedliche Fans treffen. Bei Risikospielen bleibt der Bierhahn zu. Stehplätze sind Geschichte. Vereine müssen am Stadioneingang Vereinzelungsanlagen bauen, damit Sicherheitsleute Chaoten besser erkennen können.
Grosse Sportanlässe werden bewilligungspflichtig. Für Risiko-Auswärtsspiele gibts nur noch Kombi-Tickets für Bahn und Match. Die Vereine müssen SBB-Wagen chartern. Und bei Schäden haften.
Wenn Fans trotzdem randalieren – egal, ob im eigenen oder einem fremden Stadion –, gibts zur Strafe einen Punkteabzug und «Geisterspiele» ohne Publikum.
Das Trio will die Forderungen einzeln als Vorstösse im Parlament einreichen. Doch der Druck scheint schon jetzt zu wirken: Die Vereine zeigen Gesprächsbereitschaft. SFV-Medienchef Marco von Ah: «Die Gruppe der Auswärtsfans hat sich in letzter Zeit zu sehr mit Chaoten solidarisiert oder sich zumindest zu wenig distanziert.»
Auflagen gegen Auswärtsfans, die in Gruppen reisen, seien daher zu prüfen. Konkret: Vereinzelungsanlagen ja, aber verhältnismässig. Alkoholverbot: Das sei ja heute schon möglich, ebenso die Bewilligungspflicht. Gegen Kombi-Tickets allerdings wehrt sich der Verband weiter vehement: Die Massnahme treffe alle Zuschauer, so von Ah.
SBB-CEO: «Klubs sollen Verantwortung übernehmen»
Nicht nur die Politik, sondern auch die SBB setzen die Vereine unter Zugzwang. CEO Andreas Meyer im SonntagsBlick: «Es muss uns gelingen, die wenigen Chaoten zu identifizieren und dann hart zu bestrafen. Genau deshalb ist es so wichtig, dass auch die Fussballklubs Verantwortung für die Sicherheit übernehmen.»
Nun soll es rasch vorwärtsgehen. SonntagsBlick weiss: Bald findet ein Spitzentreffen statt. «Ich bin überrascht, dass der Verband endlich einlenkt. Aber wir können das Problem nur lösen, wenn alle am gleichen Strick ziehen», sagt Daniel Jositsch dazu. Auch KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) begrüsst die Trendwende: «Verbesserungen sind jedoch nur möglich, wenn der Absicht auch Taten folgen.»