Christoph Mörgeli war für seinen Chef ein politisches Ärgernis. In einem Mitarbeitergespräch bezeichnete Flurin Condrau einen TV-Aufritt des Nationalrats als «institutsschädigend». Seinen Job an der Universität Zürich verlor der SVP-Mann auch wegen seiner politischen Haltung. Das zeigt eine Aktennotiz.
Samstag, 9.32 Uhr, Universität Zürich, Medizinhistorisches Institut. SonntagsBlick trifft Noch-Kurator Christoph Mörgeli (52) zum Gespräch in seinem Büro am Hirschengraben 82.
Der SVP-Nationalrat erscheint im ungewohnten Freizeit-Look, gibt sich aber angriffig wie eh und je, scherzt sogar. Ständig piepst sein Mobiltelefon. Engste politische Freunde sprechen ihm Mut zu, geben ihm Ratschläge, wie er jetzt vorgehen soll.
Am Freitag hatte Rektor Andreas Fischer (62) mitgeteilt, die Universität werde sich von ihm trennen – nach 27 Jahren.
Schon seit Monaten kritisierten Mörgelis Vorgesetzte die fachliche Arbeit des Museumsleiters. Kündigen und sofort freistellen wollen sie ihn jetzt aber, weil er öffentlich gegen seine Vorgesetzten schoss. Nach der Publikation eines internen Berichts, der ihn scharf kritisiert, sprach Mörgeli von «Dreckskampagne» und einem Chef, der ihn «mobbt».
Wie gut Mörgeli seinen Job machte und ob Kollegen und Vorgesetzte wirklich Mobbing betrieben, wird wohl das Arbeitsgericht klären. Fest steht aber auch: Mörgeli galt für seine Chefs als politisches Dauerärgernis. Er war der Hochschule – die politisch neutral sein will – zu stark der SVP-Ideologie verpflichtet. Auch deshalb muss er nun gehen.
Am 7. Mai 2012 trat Mörgeli in der TV-Talkshow «Schawinski» auf – ausdrücklich in seiner Funktion als SVP-Nationalrat. Dabei spulte der scharfzüngige Politiker wie üblich die Positionen seiner Partei herunter, die man gutheissen oder ablehnen kann.
Mörgelis Chef, Institutsleiter Flurin Condrau (46), kamen die politischen Statements in den falschen Hals. Am 8. Juni sprach er Mörgeli darauf an – im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs. Per Aktennotiz hält Condrau fest:
Aussagen ‹zu viele Deutsche in der Schweiz› hält FC (Flurin Condrau; Red.) für sehr ungünstig. FC schätzt seine deutschen, österreichischen, russischen, englischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und musste diese im Anschluss an die TV-Ausstrahlung beruhigen.»
Viele Angehörige des Institutes litten unter solchen Aussagen. Mehr noch: «Die Institutsstrategie von FC besteht in einer sehr gezielten und bewussten Internationalisierung». Die werde durch solche Aussagen am TV aktiv behindert; Mörgelis Auftritt sei, so Condrau, «eindeutig institutsschädigend».
Die Einschätzungen passen zu Condraus akademischem Bericht von 2011. Darin spricht der Professor eine «Isolation von Ins-titut und Museum» an. Weiter heisst es im Rapport: «Die Zusammenarbeit wird uns von Kollegen vermutlich aus politischen Gründen verweigert.» Für die Mitarbeiter des Instituts sei das «eine Belastung».
Diese Belastung ist Condrau jetzt auf einen Schlag los. Doch Mörgeli wäre nicht Mörgeli, würde er den Rauswurf einfach hinnehmen. Er werde mit allen Mitteln gegen seine Gegner an der Uni vorgehen, sagt er zu SonntagsBlick. Ein langes Hickhack ist programmiert.
Mörgeli behauptet:
Die Universität soll eine SVP-freie Zone werden. Man will mich weghaben, weil ich Werte vertrete, die an der Uni grossmehrheitlich abgelehnt werden: Nein zum schleichenden EU-Beitritt, zum Asylmissbrauch und zur unkontrollierten Zuwanderung.»
Beim Abschied wird spürbar: Der SVP-Nationalrat ist auf einer neuen Mission. Nach der Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat, dem Sturz von Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand und der Roschacher-Affäre ist er jetzt in eigener Sache unterwegs.
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