Aktennotiz: Vorgesetzter kritisierte den Professor auch politisch Stolperte Mörgeli über anti-deutsche Aussagen?

Christoph Mörgeli war für seinen Chef ein politisches Ärgernis. In einem Mitarbeitergespräch bezeichnete Flurin Condrau einen TV-Aufritt des Nationalrats als «institutsschädigend». Seinen Job an der Universität Zürich verlor der SVP-Mann auch wegen seiner politischen Haltung. Das zeigt eine Aktennotiz.

  • Publiziert: 22.09.2012, Aktualisiert: 23.09.2012
  • Von Marcel Odermatt

Samstag, 9.32 Uhr, Universität Zürich, Medizinhistorisches Institut. SonntagsBlick trifft Noch-Kurator Christoph Mörgeli (52) zum Gespräch in seinem Büro am Hirschengraben 82.

Der SVP-Nationalrat erscheint im ungewohnten Freizeit-Look, gibt sich aber angriffig wie eh und je, scherzt sogar. Ständig piepst sein Mobiltelefon. Engste politische Freunde sprechen ihm Mut zu, geben ihm Ratschläge, wie er jetzt vorgehen soll.

Am Freitag hatte Rektor Andreas Fischer (62) mitgeteilt, die Universität werde sich von ihm trennen – nach 27 Jahren.

Schon seit Monaten kritisierten Mörgelis Vorgesetzte die fachliche Arbeit des Museumsleiters. Kündigen und sofort freistellen wollen sie ihn jetzt aber, weil er öffentlich gegen seine Vorgesetzten schoss. Nach der Publikation eines internen Berichts, der ihn scharf kritisiert, sprach Mörgeli von «Dreckskampagne» und einem Chef, der ihn «mobbt».

Wie gut Mörgeli seinen Job machte und ob Kollegen und Vorgesetzte wirklich Mobbing betrieben, wird wohl das Arbeitsgericht klären. Fest steht aber auch: Mörgeli galt für seine Chefs als politisches Dauerärgernis. Er war der Hochschule – die politisch neutral sein will – zu stark der SVP-Ideologie verpflichtet. Auch deshalb muss er nun gehen.

Bei Schawinski motzte Mörgeli über Deutsche

Am 7. Mai 2012 trat Mörgeli in der TV-Talkshow «Schawinski» auf – ausdrücklich in seiner Funktion als SVP-Nationalrat. Dabei spulte der scharfzüngige Politiker wie üblich die Positionen seiner Partei herunter, die man gutheissen oder ablehnen kann.

Mörgelis Chef, Institutsleiter Flurin Condrau (46), kamen die politischen Statements in den falschen Hals. Am 8. Juni sprach er Mörgeli darauf an – im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs. Per Aktennotiz hält Condrau fest:

Aussagen ‹zu viele Deutsche in der Schweiz› hält FC (Flurin Condrau; Red.) für sehr ungünstig. FC schätzt seine deutschen, österreichischen, russischen, englischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und musste diese im Anschluss an die TV-Ausstrahlung beruhigen.»

Viele Angehörige des Institutes litten unter solchen Aussagen. Mehr noch: «Die Institutsstrategie von FC besteht in einer sehr gezielten und bewussten Internationalisierung». Die werde durch solche Aussagen am TV aktiv behindert; Mörgelis Auftritt sei, so Condrau, «eindeutig institutsschädigend».

Die Einschätzungen passen zu Condraus akademischem Bericht von 2011. Darin spricht der Professor eine «Isolation von Ins-titut und Museum» an. Weiter heisst es im Rapport: «Die Zusammenarbeit wird uns von Kollegen vermutlich aus politischen Gründen verweigert.» Für die Mitarbeiter des Instituts sei das «eine Belastung».

Diese Belastung ist Condrau jetzt auf einen Schlag los. Doch Mörgeli wäre nicht Mörgeli,  würde er den Rauswurf einfach hinnehmen. Er werde mit allen Mitteln gegen seine Gegner an der Uni vorgehen, sagt er zu SonntagsBlick. Ein langes Hickhack ist programmiert.

Mörgeli behauptet:

Die Universität soll eine SVP-freie Zone werden. Man will mich weghaben, weil ich Werte vertrete, die an der Uni grossmehrheitlich abgelehnt werden: Nein zum schleichenden EU-Beitritt, zum Asylmissbrauch und zur unkontrollierten Zuwanderung.»

Beim Abschied wird spürbar: Der SVP-Nationalrat ist auf einer neuen Mission. Nach der Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat, dem Sturz von Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand und der Roschacher-Affäre ist er jetzt in eigener Sache unterwegs.

Beliebteste Kommentare

  • Bruno  Dreier , Kriens
    Dass jemand wegen seiner politischen Meinung rausgemobbt wird finde ich überhaupt nicht in Ordnung, egal ob nun jemand seine politische Meinung rechts oder links hat. Das darf nicht sein!
  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    Jetzt tauchen noch Aktennotizen auf. Ist es nicht die Linke die dauernd dem Datenschutz das Wort redet und schamlos Internas veröffentlicht wenn sie denn dazu dienen einen Andersdenkenden zu verunglimpfen. Ein schöner Saustall diese UNI die eigentlich als Bildungsstätte auch in dieser Beziehung ein Vorbild sein sollte.
    Wenn da Gottfried Keller noch erlebt hätte.

Alle Kommentare (98)

  • Ruedi  Gwerder , Gersau
    wenn ich als Arbeiter den Job verliere muss ich es akzeptieren,da schaltet sich weder meine politische Partei noch die Medien ein.
    Allerdings kann ich solche Entscheide akzeptieren und ich werde wegen meinen Leistungen gefeuert und muss nicht von Pontius zu Pilatus rennen um einen Grund suchen.Im Gegensatz zu andern Menschen ich mache Fehler!
  • Loris  Frey
    Was für schwachsinnige Kommentare der SVP Symphatisanten. Kaum wird einer ihres gleichen an den Pranger gestellt, sind alle anderen böse. Hallo Leute......aufwachen!!!! Der Mörgeli hat einfach Mist gebaut. Und wie es aussieht schon ziemlich lange. Ist doch die logische Schlussfolgerung das er fliegt. Ob er nun Mörgeli heißt oder nicht. Ist doch eigentlich ganz nach dem Gusto der SVP Marschrichtung.......eben ganz Schweizerisch!
  • Bruno  Köppel , St.Gallen
    Die medizinische Fakultät, zu der das medizinhistorische Museum gehört, besteht zum grossen Teil aus deutschen Professoren. Hier könnte tatsächlich der Hund begraben liegen.
  • Stefan  Wälchli
    Was jetzt folgt, wird Herr Mörgeli sehr weh tun und wird der Uni sehr weh tun. Mich interessieren die Details zu diesem Fall sehr stark. Doch die involvierten Parteien werden darunter leiden und ihr Gesicht verlieren.
    • 23.09.2012
    • 49
    • 4
  • Martial  Callair , Aargau
    Wenn man zuviel motzt und argumentiert ins leere, ist man automatisch unglaubwürdig. Über Nationen zu schimpfen als sois-disant Intellektueller und Studierter, ist es sowieso fehl am Platz. Der Mörgeli sollte auch als NR abtreten, null Wert durchs Band!
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