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Die Fussball-WM in Südafrika soll bunt sein und vier Wochen Lebensfreude versprühen. Die TV-Kameras fangen die Bilder dankbar ein. Wir sind entzückt.
Doch dann hörten wir den Dauerlärm der Vuvuzelas in den Stadien. Das nervte uns. Das wollten wir nicht. Darum: Weg mit diesem Horror-Lärm! Verbietet diese Stadion-Plage! Aber Fifa-Präsident Sepp Blatter legt sich quer. Die Vuvuzelas gehörten zur Fan-Kultur in Afrika.
Bei den TV-Stationen in Europa gingen massenhaft Beschwerden ein. Die Sender verbeugen sich vor der Öffentlichkeit daheim und versuchen, den Lärmteppich tontechnisch zu dämpfen. «Leider» könne man das Gebrumme nicht komplett filtern, teilte SF mit.
In einer ruhigen Minuten zwischen den Spielen könnten wir uns gelegentlich zurücklehnen und fragen: Hat Blatter eigentlich nicht recht? Warum sollte der Weltfussballverband die Vuvuzelas aus den Stadien verbannen? Wäre das nicht eine überhebliche Geste gegen Südafrika und seine Gastfreundschaft?
Überlegen wir mal. Wir sind doch tagtäglich einem Lärmpegel ausgesetzt, den wir als Normalität empfinden: Auf der Strasse, aus der Luft oder in Clubs zum Beispiel. In den Stadien nehmen wir laute Fangesänge als Bereicherung entgegen, Beschimpfungen des Gegnerteams und des Schiedsrichters inbegriffen.
Und nun soll ein Lärmteppich aus Plastiktröten, der die WM-Spiele vor Ort und uns vor dem Bildschirm begleitet, fundamental stören? Nach dem Final am 11. Juli wird alles vorbei sein und der Alltag wird uns wieder in der Belanglosigkeit verschlucken. Also: Wo liegt genau das Problem mit den Vuvuzelas?
Nach dem sensationellen Sieg gegen Spanien hat es sich in Luft aufgelöst. Zumindest vorläufig. Die Schweiz feierte ausgelassen in den Strassen, lärmte und jubelte, blies in Plastiktröten und produzierte ohrenbetäubende Töne, die sich mit dem Gedröhn von Kuhglocken – und treicheln vermischte. Kein Protest. Warum auch? Es war die reine Euphorie, ungebremste Lebensfreude!
Warum gönnen wir Afrikaners diese Lebensfreude nach ihrer eigenen Art nicht, die wir nach unserer Art selbstverstänlich beanspruchen? Merken wir nicht, dass wir unterschiedliche Massstäbe anlegen und sich dahinter eine koloniale Attitüde verbirgt?
Offenbar gilt: Wir akzeptieren Afrika und seine Menschen nur, solange sie sich in unseren Mustern bewegen. Bunt und farbig. Ja. Vuvuzelas? Nein. Sie gehören nicht dazu.
Der letzte Mittwoch hat uns hoffentlich versöhnt: Wir haben uns selber gezeigt, wie sich der Klang von Vuvuzelas perfekt mit jenem von Kuhglocken verbindet.
Es lebe die Kuhvuzela!