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Zwei Männer und viel Leerraum: Christian Levrat und Han-Jürg Fehr präsentieren das neue SP-Parteiprogramm.
Das Bild der Fotoagentur Keystone von der Medienkonferenz vom vergangenen Mittwoch zeigt: Während Fehr referiert, blättert Levrat in seinen Unterlagen. Vor den beiden Spitzengenossen der Sozialdemokraten sind ihre Namensschilder aufgestellt.
Im Hintergrund grossflächig das neue SP-Erscheinungsbild, das sich überdeutlich in die Szenerie schiebt. Ein in einen grossen Rahmen platziertes ja/oui auf weissem Grund. Früher waren Parteilogo und Schriftzug knallrot, hier erscheint beides zurückgenommen.
Aber es ist perfekt abgestimmt auf die Farben der Stühle, die wir neben den beiden Darstellern links und rechts sehen. Doch weshalb sind die Sessel nicht besetzt? Wir wissen es nicht. Aber wir überlegen uns: Wie wäre es, wenn auf den Stühlen auch SP-Leute sässen?
Neben Levrat zum Beispiel Fraktionschefin Ursula Wyss, daneben das SP-Mitglied einer Kantonsregierung und ganz aussen Juso-Chef Cédric Wermuth? Neben Fehr Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und neben ihr Generalsekretär Thomas Christen zum Beispiel?
Das Bild würde signalisieren: Seht her! Die SP ist stark, sie gibt sich ein neues Programm. Wir stehen alle dahinter. Wir ziehen es durch. Wir sind gewappnet für die Zukunft. Aber so ist es eben nicht. Levrat und Fehr sitzen bloss zu zweit da. Isoliert. Alleingelassen. Trostlos!
Symbolische Szenerien verraten oft ungewollt Wahrheiten. Dieses Bild mit dem einsamen Männerduo signalisiert: Seht her! Wir sind schwach. Wir sind Verlierer. Und genauso ist es: In allen kantonalen Parlamentswahlen seit 2007 hat die SP heftig Wähleranteile eingebüsst.
Das neue Grundsatzprogramm stehe «über den Niederungen des politischen Alltags. Sein zeitlicher Horizont ist nicht eine Legislatur, sondern eine Generation», schreibt Fehr. Man mag daran glauben. Die SP-Basis wird jetzt das Papier diskutieren. Das ist gute SP-Tradition.
Aber Wahlen werden in den «Niederungen des politischen Alltags» entschieden, nicht am Schreibtisch. Das weiss auch Fehr. Darum schreibt er: «Nur wenn Menschen ganz konkret etwas bewegen und Verantwortung übernehmen wollen, können wir unser Land bewegen.»
Am Mittwoch nahmen von der stolzen Schweizer Sozialdemokratie bloss Levrat und ihre Verantwortung hinter einem breiten Pult wahr. Das ist wenig. Viel zu wenig.